BLKÖ:Stwrtnik, August (I.) Freiherr von

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 40 (1880), ab Seite: 248. (Quelle)
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Stwrtnik, August (I.) Freiherr von, Vater (k. k. Feldmarschall-Lieutenant und Ritter des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Wittingau in Böhmen im Jahre 1755, gest. zu Ofen am 24. October 1841). Am 10. Februar 1773 trat Stwrtnik als ex propriis-Kanonier in die kaiserliche Armee. Bald zeichnete er sich sowohl in praktischer Handhabung seiner Waffe, namentlich als Feuerwerker im bayrischen Erbfolgekriege, als auch in den theoretischen Uebungen so vortheilhaft aus, daß er zum Officier befördert und als solcher mit dem Lehramte der Geometrie in der Regimentsschule betraut wurde. Im Türkenkriege 1788 und 1789 war er bereits Oberlieutenant. Besondere Tüchtigkeit in seiner Waffe bewährte er in den Feldzügen gegen Frankreich 1793 bis 1800, so bei Valenciennes und Le Quesnoy 1793, vor Landrecy 1794, bei Rivoli 1797, bei Martinsbruck, Ramis, Lavis, Saß in Graubündten, dann zwischen Spinetti und San Giuliano in Italien, vor Alessandria und Tortona 1799, bei Marengo und am Mincio 1800 und noch in verschiedenen kleineren Treffen und Gefechten, welche bei dem Rückzuge der Armee von der Etsch bis über die Piave stattfanden. Bei mehreren Anlässen aber hatte er an dem errungenen Erfolge ganz wesentlichen Antheil. So am 16. März 1797, als von den Franzosen der Tagliamento bei Codroipo forcirt und diese dadurch Herren des linken Ufers wurden. Mit aller Heftigkeit verfolgten sie unsere Truppen. In dieser verhängnißvollen Lage griff er entscheidend ein: mit großer Geistesgegenwart placirte er unsere Geschütze so geschickt, daß durch ihr Feuer der Feind in der Verfolgung aufgehalten, unsere bereits in Unordnung gerathene Cavallerie sich vollständig ralliiren und mit dem zur Attake vorgerückten Infanterie-Regimente Preiß sich vereinigen konnte, in Folge dessen der Feind jede weitere Offensive aufgab und unsere Truppen unbehelligt ließ. Besonders glänzend bewährte Stwrtnik seinen [249] artilleristischen Geist im Feldzuge des Jahres 1799 bei der Beschießung des festen Platzes Tortona, welche zu den merkwürdigsten im Gebiete des Festungskrieges gehört. Er theilte dabei die Lorbeern mit dem Genie-Major Lopez [Bd. XVI, S. 33], der ihn als Commandanten der Belagerungs-Artillerie am wirksamsten unterstützte. Kunst und Natur erschwerten ungemein die Belagerung Tortonas. Der Raum, von welchem aus man den an Zahl überlegenen Festungsgeschützen beikommen und sie endlich zum Verstummen bringen konnte, war ein äußerst beschränkter und machte die wirksame Einführung der Batterien sehr schwierig. Am 12. August hatte die Beschießung begonnen, und schon am 15. war das feindliche Geschütz an vielen Stellen verstummt, ein Beweis dafür, mit welcher Geschicklichkeit die von Stwrtnik befehligte Artillerie ihre Geschosse in die feindliche Festung abgefeuert, wie überaus glücklich er die Aufstellung unserer Batterien bewerkstelligt hatte. Doch daran hatte er nicht genug. Er wollte die Festung zum Falle bringen. Es gelang ihm, eine neue Stelle, von welcher eine günstige Beschießung sich ermöglichte, aufzufinden, und ohne zu zögern, placirte er daselbst eine Batterie von drei zehnpfündigen Haubitzen und vier zehnpfündigen Pöllern. Durch diesen neuen Beschießungspunkt wurde nun die Communication von der oberen in die untere Festung stark beunruhigt, und der Feind glaubte, gegen die Aufstellung dieser Batterie und eine weitere Beschießung aus verschiedenen aus der Luft gegriffenen Gründen protestiren zu dürfen. Man ließ ihn protestiren und antwortete darauf noch am 17. durch Aufstellung einer zweiten Batterie von vier zwölfpfündigen schweren Geschützen. Die Wirkung ließ nicht lange auf sich warten, das Feuer der Festung verstummte bald ganz, und nun konnten die Unseren mit aller Sicherheit der Festung durch Tranchéenarbeiten sich nähern und den Minenbau ungestört fortsetzen. Schon befand sich am 21. auch der Bau auf zwei Bresche-Batterien für achtzehn Kanonen im vollen Gange, als der Feind zu capituliren verlangte, worauf am 11. September die Festung von unseren Truppen besetzt wurde. Der Fall Tortonas aber war für unsere weiteren Operationen von großer Wichtigkeit. – In der Schlacht bei Marengo (14. Juni 1800) mußte der damalige Feld-Artillerie-Director Oberst Reisner in Folge einer erhaltenen Kopfwunde sein Commando niederlegen und Stwrtnik dasselbe übernehmen, der es nun ungeachtet zweier während des Kampfes empfangener Contusionen bis zum Ende der Schlacht mit einer Bravour ohne Gleichen führte, so daß ihm im Capitel des Jahres 1802 das Ritterkreuz des Maria Theresien-Ordens zuerkannt wurde. Im Jahre 1805 befehligte er, mittlerweile zum Oberstlieutenant vorgerückt, die Artillerie-Hauptreserve in Italien, 1809 aber die Artillerie des ersten Armee-Corps in Deutschland. An den Schlachttagen bei Aspern, 21. und 22. Mai, führte er während des Sturmes auf dasselbe seine Batterien vor und stellte sie auf das glücklichste auf, so daß das Feuer seine Geschütze den Sturm unserer Truppen auf das nachdrücklichste und erfolgreichste unterstützte. Der Generalissimus Erzherzog Karl ernannte den Oberst S., das Verhalten desselben würdigend, auf dem Schlachtfelde zum General-Major. Noch wohnte dieser als Artillerie-Brigadier den Schlachten bei Wagram und Iglau bei, führte im Jahre 1813 das [250] Commando der Artillerie bei der bayrisch-österreichischen Armee unter Wrede und hatte durch sein wirksames und lebhaftes Feuer entscheidenden Antheil an dem glücklichen Ausgange der Schlacht bei Hanau. Mit der Schlacht bei Bar sur Aube, 1814, endet ruhmvoll seine active Theilnahme in den Kämpfen gegen Frankreich. In der darauffolgenden Friedensepoche erhielt er das Festungs-Commando zu Ofen, und nach einer 65jährigen ehrenreichen Dienstzeit trat er in den wohlverdienten Ruhestand über. Im Alter von 86 Jahren endete der bei seiner Pensionirung zum Feldmarschall-Lieutenant ernannte Stwrtnik sein thatenreiches Leben, aus seiner mit der Tochter des Feldmarschall-Lieutenants Freiherrn von Haering, Katharina, geschlossenen Ehe zwei Söhne und eine Tochter hinterlassend. Von den ersteren wurde der ältere, August, mit demselben Ehrenzeichen geschmückt, welches der Vater für seine Waffenthat bei Marengo erhalten hatte. Als Maria Theresien-Ritter ward dieser mit Diplom ddo. 4. August 1814 in den erbländischen Freiherrenstand erhoben.

Hirtenfeld (J.), Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, kl. 4°.) S. 719 und 1744. – Freiherrenstands-Diplom ddo. 4. August 1814.