Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
fertig
<<<Vorheriger
Sturm, Gabriele
Band: 40 (1880), ab Seite: 230. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: 105562158X, SeeAlso
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Sturm, Jacob|40|230|}}

10. Jacob Sturm, ein Wiener Poet des 17. Jahrhunderts, der sich selbst „Der Historien geflissener“ nennt, gab im Jahre 1669 eine historisch-poetische Beschreibung der Stadt Wien unter nachstehendem Titel heraus: „Unverwelklicher Oester-Reichischer Ehren-Kranz gewunden, der Röm. Kais. auch zu Hungarn und Böhmen königl. Majt. Haupt- und Residentz-Stadt Wien in Oester-Reich an der Donau, in eigendlichster Historisch-Poetischer Beschreibung: Gebunden mit aller Röm. Kaiser und Erzherzogen aus diesem Haus Oesterreich gebührten, Regierungen, Leben und Tode. Dartzu gefunden wie viele tapfere Helden den blutigen deutschen Krieg rühmlich gekrieget und glücklich gesieget haben: Und was m zu Solchem von Nöhen gewesen“. Nicht wegen der weniger als mittelmäßigen 656 gereimten Verse des Gedichtes verdient [231] der Autor der Vergessenheit entzogen zu werden. Aber er hat seinen Versen „Anmerkungen“ beigefügt, welche „über etliche Oerter und Wörter“ Aufklärung geben und dem Buche geschichtlich-topographischen Werth verleihen. Die kürzeren stehen unmittelbar unter dem Text, die längeren am Schlusse des Gedichtes. Es kommen darunter Nachweisungen vor, welche sonst nirgends zu finden sind und besondere Bedeutung für die Ortsgeschichte der Stadt Wien haben. So z. B. ist das, was Sturm über den Umfang der Stadt, die Befestigungsarbeiten, mehrere Inschriften an den Stadtthoren, die Hofburg, die Buchstaben A. E. I. O. U., die Inschriften am erzbischöflichen Palaste und in der Kirche am Hof, die Ehrenpforten, den Stock im Eisen, die Brunnen auf dem Graben und dem Neuen Markte, ferner über mehrere Inschriften und Schilder an Häusern u. s. w. mittheilt, größtentheils neu. Sonderbarerweise aber fand sich das Gedicht in den ziemlich zahlreichen Bibliotheken Wiens nicht vor. Nur der berühmte Büchersammler Franz Haydinger, dessen unser Lexikon [Bd. VIII, S. 107] gedenkt, besaß dieses Werkchen, aber auch seinem Exemplar fehlte ein voller Druckbogen. Nun erhielt Dr. Th. G. von Karajan [Bd. X, S. 467] nach längeren Umfragen endlich die Nachricht, daß die königl. Bibliothek zu München ein Exemplar dieser Schrift besitze, und er war so glücklich, dasselbe zur Benützung zu erlangen. Nachdem er den Werth der dem Gedichte beigefügten Anmerkungen geprüft und anerkannt hatte, veranstaltete er 1866 eine Auflage von 100 Exemplaren, welche bei C. Gerold in Wien herauskam. Nachträglich wurde aus den Acten des Wiener Stadtarchivs auch ermittelt, daß der Dichter J. Sturm vom Wiener Stadtrathe für das Poem ein Geschenk von 18 fl., eine für die damaligen Zeiten gar nicht so kleine Ehrengabe erhalten hat. –