BLKÖ:Schlik, Joachim Andreas

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Schlik, Joachim
Band: 30 (1875), ab Seite: 111. (Quelle)
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28. Joachim Andreas (geb. 1569, geköpft zu Prag 21. Juni 1621), von der Schlackenwerther Linie; ein Sohn des Julius Grafen Schlik aus dessen Ehe mit Maria Anna von Ungnad Herrin von Weissenwolf. War Wortführer der ständischen Deputation, die 1608 den Kaiser Rudolph II. zur Unterschrift und Bewilligung [112] mehrerer von ihnen verlangten Puncte drängte, 1618 eilte er dem kaiserlichen Feldherrn Grafen Buquoi nach, nahm dessen Heere alles Vieh und die Kriegscasse, 70.000 Gulden stark, ab, fiel in Oesterreich ein und eroberte Swietla durch nächtlichen Ueberfall. Joachim Andreas war einer der entschiedensten Parteigänger für die Wahl Friedrich’s von der Pfalz zum Könige von Böhmen, überbrachte demselben dessen Ernennung und bei dem darüber ausgebrochenen Kriege befehligte er die schlesischen Kriegsvölker. In der Schlacht am weißen Berge nächst Prag am 8. November 1620 focht er sehr tapfer im Heere des Winterkönigs. Er war oberster Landrichter des Königreichs Böhmen, geheimer Rath, Director und Landvogt in der Oberlausitz. Nach der Schlacht am weißen Berge floh er nach Sachsen, wurde aber von dem Churfürsten dem Kaiser Ferdinand II. ausgeliefert, ihm wegen bewaffneten Aufruhrs und Hochverrathes der Proceß gemacht und er verurtheilt, daß ihm zuerst die rechte Hand abgehauen, er dann lebendig geviertheilt und die Stücke auf den Straßen, Kopf und Hand aber am Brückenthurme angeheftet werden sollten, welcher Spruch dahin gemildert wurde, daß ihm der Kopf und die rechte Hand abzuhauen und Beides auf genanntem Thurme aufzustecken sei. Am Morgen des 21. Juni 1621 duldete Graf Schlik vor seinen anderen Mitverurtheilten zuerst den Tod. Er erschien in einem schwarzseidenen Rocke, ein Gebetbuch in der Hand haltend, ohne Fessel und Bande, gleichwie die Uebrigen. Seine Haltung war unerschrocken und er betete mit Andacht. Auf dem Schaffotte angelangt, entblößte ihm sein Diener den Hals; dann kniete der Graf auf das schwarze Tuch nieder und unter Anrufung Gottes fiel sein Haupt. Sein Diener legte hierauf die rechte Hand des Entseelten auf einen Block und der Nachrichter hieb sie ab. Den Kopf und die abgetrennte Hand nahm der Nachrichter in Verwahrung, der Körper aber wurde von sechs schwarzen verkappten Dienern des Hingerichteten in dasselbe Tuch, auf welchem er verblutet, gewickelt und vom Gerüste weggetragen; der Henker rührte den Leichnam nicht an. Dem Grafen wird mit Bestimmtheit die Autorschaft der Schrift: „Mardochaei, Jairi Sohn, aus dem Stamm Benjamin an den Poeten bey dem kön. Hoflager zu Susan in Sack und Aschen wegen sein und aller standhafften Lutheraner wartend“, welche unter dem Titel: „Gründliche Widerlegung Calvinischer Lehre von der Person des Herrn Christi“ (1594, 4°.) gedruckt erschienen ist, zugeschrieben. Auch verfaßte er die kurze Instruction von der königlichen Erb- und der Stände Wahlgerechtigkeit in Böhmen, welche im 2. Bande von Goldast: „De regno Bohemia“ abgedruckt ist. Graf Joachim Andreas hinterließ aus drei Ehen drei Kinder, seine dritte Gemalin war eine Freiin von Oppersdorf, welche sich nachmals mit einem Michna vermälte und die Mutter des Wenzel Michna von Wacinow wurde. Mit seinem Sohne Julius erlosch dieser Nebenzweig der Schlackenwerther Linie des Hauses Schlik. [Meynert’s Geschichte Oesterreichs, Bd. V, Abthlg. I, S. 328 u. 331. – Majlath (Joh. Graf), Geschichte des österreichischen Kaiserstaates, Bd. II, S. 315 u. 371; Bd. III, S. 33.] –