BLKÖ:Schirp Freiherr von Bottlenberg, Johann Joseph Karl

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 30 (1875), ab Seite: 42. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: [1], SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Schirp Freiherr von Bottlenberg, Johann Joseph Karl|30|42|}}

Schirp Freiherr von Bottlenberg, Johann Joseph Karl (k. k. Major, geb. auf Schloß Baldeiner bei Werder an der Ruhr in Rheinpreußen im December 1821). Stammt aus einer alten rheinländischen Familie [s. d. Quellen S. 44] und trat 1842 als unobligater Regimentscadet beim Tiroler Jäger-Regimente Kaiser Ferdinand ein, in welchem er 1848 Officier und bis 1859 Hauptmann wurde. In dieser Eigenschaft zu dem eben errichteten steirischen Schützencorps im selben Jahre übersetzt, [43] wurde er nach dessen Auflösung 1860 zum 11. Feldjäger-Bataillon eingetheilt, kam 1865 zum 17. Bataillon und trat 1867 unter Beförderung zum Major in Folge seiner mehrfachen schweren Verwundungen in Pension. S. focht in Italien (1848), in Ungarn (1849), in Schleswig-Holstein (1850/51) und in Böhmen (1866). Im Feldzuge 1848 wohnte S. im Mai g. J. den Gefechten bei Ampezzo di Cadore und St. Giovanni bei; im ersteren wurde er durch einen Streifschuß leicht verwundet; im August versah er den äußerst beschwerlichen Vorpostendienst auf dem steilen unwegsamen Gebirge des Tonale, wurde vorzugsweise bei Recognoscirungen selbstständig verwendet und vom damaligen Brigadier General-Major von Roßbach mehrmals öffentlich belobt. Den Sommerfeldzug 1849 machte S., damals Lieutenant, im ersten Bataillon der Tiroler Jäger in Ungarn mit und nahm am 28. Juni Theil an dem Angriff auf Raab. Während der ersten Schlacht von Komorn am 2. Juli machte S. mit einem halben Zuge Jäger einen ungestümen Angriff in die feindliche Flanke, und am zweiten Schlachttage, 11. Juli, als das Bataillon, das den stricten Befehl erhalten hatte, den Acser Wald um jeden Preis zu nehmen und zu halten, in seiner Vorrückung in dem rechten, noch vom Feinde besetzten Waldtheile gefährdet wurde, war es S., der den richtigen Augenblick benützte, mit seinem Zuge auf den Feind einzudringen, dessen Anführer (einen Honvéd-Hauptmann Namens Mayer aus Pesth) eigenhändig niederschoß, die mehr als dreifache feindliche Abtheilung zurückwarf und 40 Gefangene machte, bei welcher Gelegenheit er einen Streifschuß auf der linken Brust erhielt. – Im weiteren Laufe des Feldzugs war Schirp noch bei Erstürmung des Dreispitzer Waldes nächst Arad und bei der Vorrückung an die siebenbürgische Grenze zur Unterdrückung der dortigen Unruhen der walachischen Gebirgsvölkerschaften thätig. In den Jahren 1850–1851 war S. im Operationscorps des FML. von Legedics, welches den Zug durch Deutschland machte und die schleswig-holsteinischen Herzogthümer militärisch occupirte. – 1859 trug er viel zur schnellen Organisirung des steirischen Scharfschützen-Corps bei. Im Feldzuge 1864 gegen die Dänen war der mittlerweile zum Hauptmann vorgerückte S. im 11. Feldjäger-Bataillon in der Brigade des General-Majors von Tomas eingetheilt, welche zur Cernirung von Friedericia verwendet wurde. Daselbst hatte sich S. als Commandant der 3. Division des genannten Bataillons am 19. März 1864 durch seine „militärische Umsicht, Energie und Entschlossenheit“, mit welcher er ohne speciellen Befehl nächst Stoustrup ein Gefecht mit überlegenem Feinde leitete und durchführte, besonders ausgezeichnet, da dadurch die Einnahme der vorwärts vom Feinde besetzten Gehöfte, auch einer von diesem innegehabten Ziegelei herbeigeführt und der für den nächsten Tag von den verbündeten österreichisch-preußischen Truppen projectirte Batteriebau wesentlichst erleichtert wurde. Schirp behauptete durch 20 Stunden seine gewonnene Stellung gegen die feindliche Uebermacht ungeachtet des heftigsten, gegen ihn gerichteten feindlichen Geschützfeuers, und mit kaltblütiger Tapferkeit wies er alle Angriffe der Dänen sowohl von der Seeseite, wo sie mittelst zwei Schiffen Truppenlandungen versuchten, als auch vom Festlande zurück. Hauptmann S. wurde hiefür mit dem Militär-Verdienstkreuze (Kriegsdecoration) und dem k. preuß. Kronen-Orden 3. Cl. mit den [44] Schwertern ausgezeichnet. – Im Feldzuge 1866 in Böhmen gegen die Preußen war S. damals im 17. Feldjäger-Bataillon, in der Brigade des General-Majors von Rosenzweig des 6. Armeecorps eingetheilt. Als am 27. Juni das genannte Jäger-Bataillon den Angriff auf den südöstlich von Nachod liegenden Waldtheil unternahm, wurde S. befehligt, mit seiner unterstehenden Division als Unterstützung der in Sturmcolonnen formirten übrigen vier Compagnien des Bataillons in deren linker Flanke nachzurücken. Im Augenblicke, als die beiden Divisionen zum Sturme vorgingen, wurde auch das Vorbrechen feindlicher Cavallerie signalisirt. Hauptmann S., dessen Division die Plänklerkette gebildet hatte, ließ seine Plänkler sofort Klumpen formiren. Er selbst war bereits durch fünf Schüsse verwundet; die preußischen Uhlanen griffen von zwei Seiten an, aber die tapfere Haltung unserer Jäger, welche einige Reiter niedergeschossen hatten, bewog letztere zur Umkehr. Cadet-Oberjäger Straßpittel und Patrouillenführer Pokorny brachten nun ungeachtet der umschwärmenden feindlichen Patrouillen und deren starken Feuers den durch Blutverlust erschöpften Schirp aus der Gefechtslinie auf den Verbandplatz, worauf er nach Skalics und von da in das Feldspital nach Josephstadt überbracht wurde. Baron Schirp hatte drei Schußwunden in der linken, eine in der rechten Hand und einen Schuß in der rechten Brust erhalten, welch letzterer die Lunge verletzt hatte. Die vielen schweren Verwundungen zwangen Baron Schirp, nach einer ehrenvollen 25jährigen Dienstzeit und sieben erhaltenen Blessuren in den Ruhestand zu treten. Mit 24. December 1871 wurde Schirp in die Evidenz des Tiroler Landesschützen-Bataillons Unterinnthal Nr. 1 (zu Schwaz) eingetheilt. Major S., der eine gründliche wissenschaftliche Bildung besitzt und mit Vorliebe historische und medicinische Studien treibt, lebt in Salzburg.

Tapferkeits-Zeugniß, von sechs Officieren unterzeichnet, ddo. Kjarsgaard 20. März 1864. – Handschriftliche Notizen.