Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Rosenthal, Marcus
Band: 27 (1874), ab Seite: 30. (Quelle)
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Rosenthal, Eliah (israelitischer Humanist, geb. zu Mór im Weißenburger Comitate Ungarns im Jahre 1758, gest. zu Pesth 20. April 1833). Erhielt zuerst im Elternhause eine sorgfältige Erziehung, kam dann im Alter von 13 Jahren zu dem Rabbi Maier nach Preßburg, wo er fünf Jahre in dessen Talmudschule verblieb und nach seiner Heimkehr im Jahre 1776 Eidam des reichen J. L. [31] Barkenstein aus Kuttenplan wurde. Er widmete sich nun dem Kaufmannsstande, betrieb aber fortwährend mit Eifer und Liebe die Wissenschaft, für die er sein ganzes Leben hindurch eine treue Vorliebe behielt. Im Jahre 1785 übersiedelte er von Mór, wo er bisher gelebt, nach Komorn, wo er die Pachtung eines Brauhauses übernahm und sich bald die Achtung der Bevölkerung in solchem Maaße erwarb, daß der Magistrat ausnahmsweise beschloß, ihn als Bürger aufzunehmen, was aber höheren Orts nicht genehmigt wurde. Im gerechten Unwillen über solchen Vorgang wollte R. sofort die Stadt verlassen, nur dem Zureden seiner Frau gelang es, ihn von diesem Vorhaben abzubringen. Dieser Vorgang aber mochte ihm wohl zunächst die Anregung zu seinen späteren Schritten gegeben haben, auch für sein Volk die von dem Unverstande der Zeiten so lange hinausgeschobene Wiedererlangung der Menschenrechte zu gewinnen. Der Ausbruch der französischen Revolution 1789 gab den äußeren Anstoß, und nun ging sein ganzes Streben dahin, alle Kraft der Hebung der ungarischen Glaubensbrüder zu weihen. Wer sich über die Schritte Rosenthal’s, dem ungarischen Ghetto die ungeschmälerte Anerkennung der Menschenwürde zu verschaffen, über seine zwanzigjährigen energischen Bemühungen in dieser Richtung, über seine Denkschriften, Petitionen, Vorstellungen und seinen Antheil an den von Anderen aus gleicher Ursache und zu gleichem Zwecke unternommenen Schritten des Näheren unterrichten will, den verweisen wir auf die in den Quellen genannte Schrift: „Beth-El“, wo im 4. Hefte, S. 73–89, dieselben ausführlich mitgetheilt werden. Leider waren seine Bemühungen von nur theilweisen Erfolgen gekrönt und diese den daran gewendeten Opfern kaum entsprechend. Im Jahre 1804 übersiedelte R. nach Pesth, wo er einen Verschleiß hebräischer Bücher mit einem Papierhandel eröffnete. Dort in seine Folianten vertieft– „Rosenthal’s Bibliothek soll nach einer Angabe von Zunz in dessen „Zur Literatur und Geschichte“, S. 243, zu den historisch wichtigsten Privatbibliotheken“ gezählt haben – sah er einer besseren Zeit, die aber ihm selbst nicht mehr tagen sollte, entgegen. Im Jahre 1795 hatte er sich zum zweiten Male verheirathet. Dieser zweiten Gattin, die er im Jahre 1831 durch den Tod verlor, folgte er selbst zwei Jahre später im Alter von 75 Jahren. Die „Vereinigte Ofner-Pester Zeitung“ vom 12. Mai 1833 widmete ihm folgenden Nachruf: „Er war einer jener seltenen Menschen, deren Leben aus einer Reihenfolge frommer, wohlthätiger, uneigennützer Handlungen bestehend, mehr das allgemeine Beste als das eigene Interesse im Auge hat. Seine seltene hohe Gelehrsamkeit in der jüdischen Theologie machte ihn weit und breit berühmt, und die praktische Ausführung derselben wurde durch seine sonstigen wissenschaftlichen Kenntnisse erleichtert und veredelt. Mit Aufopferung seines Vermögens und seiner Gesundheit suchte er allen Menschen, ohne Unterschied des Glaubens, die seiner Hilfe bedurften, wirksam beizustehen. Er stand daher in hoher Achtung, ebensowohl bei seinen christlichen Nebenmenschen als bei seinen Glaubensgenossen; eifrig bemüht, unter denselben wahre Aufklärung und echte religiöse Moralität zu verbreiten. Gar manche wohlthätige Einrichtung, gar manche preiswürdige Anordnung[WS 1] verdanken seine Glaubensbrüder[WS 2] dem Eifer, dem unermüdlichen Streben des verklärten [32] Lichtfreundes und ihr Dank dafür wird sich nie verleugnen können“. Fünf Kanzelredner sprachen der Reihe nach an seinem Sarge. Auf seinem Grabsteine prangt die einfache Inschrift: „Hier ist Schweigen – Lob“. Er hatte selbst angeordnet, keines seiner Verdienste zu erwähnen.

Reich (Ignaz), Beth-El. Ehrentempel verdienter ungarischer Israeliten (Pesth 1862, Alois Bucsánszky, 4°.) IV. Heft, S. 71.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Anordung.
  2. Vorlage: Glaubenbrüder.