BLKÖ:Prandau, Karl Freiherr von

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 23 (1872), ab Seite: 191. (Quelle)
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II. Denkwürdige Sprossen der Freiherren von Prandau. Außer obigem Franz Freiherrn von Prandau verdienen von dieser Familie noch besondere Erwähnung:

1. Karl Freiherr von Prandau (geb. 1792, gest. zu Wien 11. April 1865). Freiherr Karl war eine in der Tonkünstlerwelt Wiens bekannte und hochgeachtete Persönlichkeit, war der Majoratsherr der Familie, lebte seit mehr als 30 Jahren in Wien, von politischem wie socialem Weltgetriebe zurückgezogen und ausschließlich der Kunst und den Werken der Wohlthätigkeit sich widmend. In ersterer Beziehung hatte es Baron Prandau zu einer großen Fertigkeit als Clavier- und Harmoniumspieler gebracht. Die Physharmonika hat durch ihn eine nicht unwesentliche Verbesserung erhalten, denn Freiherr von P. und C. Georg Lickl waren es, welche den Wiener Orgelbauer Jacob Deutschmann anregten, die damals in Aufnahme gekommene Physharmonika in Struktur und Ton zu vervollkommnen und derselben eine entsprechendere Form zu geben. Baron P. war es auch, der eine Vereinigung der Physharmonika mit dem Pianoforte in der Art, daß beide gleichzeitig mit einer Tastatur gespielt, werden können, in einer ganz entsprechenden Weise ausführte. Die Wirkung, welche mit einem in beschriebener Weise zusammengesetzten Instrumente hervorgebracht wurde, war wirklich überraschend und die Vereinigung beider Instrumente war mit Leichtigkeit ausführbar. Ueberdieß war der Freiherr Karl bekannt als phantasiereicher und geschmackvoller Improvisator, er benützte seine Muße auch zu Compositionen, die er jedoch nur in intimem Freundeskreise vortrug. Ferner erwies sich der Verstorbene als echter Kunstmäcen, der vielen jungen Künstlern thatkräftige Unterstützung zu Theil werden ließ und außerdem für die Armuth jederzeit offene Casse hielt. Von einem bedeutenden Vermögen ist vielleicht nie ein edlerer Gebrauch gemacht worden. Diesen ehrenvollen Nachruf widmete dem Verstorbenen die öffentliche Meinung. Der Bruder des Verstorbenen, Baron Gustav (geb. 13. Mai 1807) holte den Leichnam desselben in Wien ab und beförderte ihn zur Beisetzung in der Familiengruft per Dampfschiff nach Valpo in Slavonien. [Zellner’s Blätter für Musik, Theater u. s. w. (Wien, kl. Fol.) 1865, Nr. 120. – Agramer Zeitung 1865, S. 89. – Fremden-Blatt. Von Gust. Ritter v. Heine (Wien, 4°.) 1865, Nr. 104. – Wiener Theater-Zeitung, herausg. von Adolph Bäuerle (Wien, gr. 4°.) 28. Jahrg. (1835), Nr. 56, S. 224 (daselbst mit der irrigen Schreibart Brandau). – Allgemeine Wiener Musik „Zeitung, herausgegeben von Dr. Aug. Schmidt (4°.) III. Jahrg. (1843), Nr. 54, im Aufsatze: „Ueber die Wiener Physharmonika und Physharmonika-Claviere“. Von [BLKÖ:Kloß, Joseph Ferdinand|J. F. Kloß]]. – Ueber Freiherren Gustav vergleiche man das von Stephan Sarkady im Jahre 1867 herausgegebene Porträt-Album „Hajnal“.] –