BLKÖ:Perényi, Gabriel (II.)

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Nächster>>>
Perényi, Helena
Band: 21 (1870), ab Seite: 480. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
Gabriel Perényi in Wikidata
GND-Eintrag: [1], SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Perényi, Gabriel (II.)|21|480|}}

8. Gabriel (II.) (geb. 19. October 1532, gest. 7. Juni 1567), der jüngere Sohn Peter’s (V.) [Nr. 17]. Er wurde, wie die Geschichtsschreiber berichten, durch die Ermordung seines älteren Bruders Franz, der durch ein widriges Geschick gezwungen worden, die Lehre des Islam anzunehmen, der Erbe des reichen väterlichen Besitzes. Gabriel war wohl im Felde ein tapferer Kriegsmann, wenngleich in [481] seinen Unternehmungen nicht eben vom Glücke begünstigt; im Hause jedoch und vornehmlich gegen seine Gattin Helena, eine geborne Országh, die Letzte ihres Geschlechtes, ein Unhold sonder Gleichen. Anfänglich schlug er sich in Erbitterung über des Vaters Schicksal zur Partei Isabella’s, der Witwe Zapolya’s, später aber ließ er sich für Ferdinand gewinnen.- Noch sehr jung, kämpfte er 1550 unter Báthory gegen die Türken, im folgenden Jahre wurde er mit einer Abtheilung Huszaren nach Genua geschickt, um den König Maximilian II. und die Königin bei ihrer Ankunft aus Spanten zu empfangen. Den Entsatz der von den Türken 1553 hartbedrängten Feste Filek konnte er, „rudis ignarusque belli“, wie ihn sein Geschichtschreiber nennt, nicht bewirken und mußte die tapferen Vertheidiger des Schlosses ihrem Schicksale überlassen. Im Jahre 1554 wurde er Magister Tavernicorum und im Jahre 1555 Commandant in den Comitaten diesseits der Theiß. Eine erbitterte Fehde führte er gegen die Dobó, welche zur königlichen Partei hielten und als Erben der Palóczy die Herrschaft Patak, welche Perényi besaß, in Anspruch nahmen. Aber er hatte in seinen Kämpfen widrige Erfolge, entkam zu wiederholten Malen mit genauer Noth der Gefahr, gefangen zu werden, und er mußte es erleben, daß sein Schloß Patak von seinen Gegnern auf das Furchtbarste verwüstet wurde. Diese Mißerfolge schienen ihn bewogen zu haben, sein ferneres Heil auf Seite Ferdinand’s zu suchen. Durch des Erzbischofs Olahi Vermittlung suchte er in Gnaden bei König Ferdinand aufgenommen zu werden. In der That gelang es auch den Bemühungen Olahi’s und Andreas Báthory’s, daß ihn König Ferdinand wieder in Gnaden aufnahm, aber die ihm von Zapolya’s Witwe verliehene Würde eines generalis Capitaneus mußte er aufgeben, durfte aber die eines Magister tavernicorum regalium behalten. Er fand sich nun am 3. September 1563 zur Krönung Maximilian’s in Preßburg mit 113 Reitern ein und trug dem Könige das Schwert des h. Stephan vor; auch wurde er zu einem der Commissarien ernannt, welche das immer wieder, aber stets vergeblich gestellte pium desiderium der Grenzberichtigung mit Polen zum Abschlusse bringen sollten. Noch führte er, als der kaiserliche General Schwendi sich anschickte, Tokaj zu belagern, dem Heere desselben 400 Reiter und 800 Fußgänger zu, und brachte auch am 11. Februar 1565 die Feste zum Falle. Den Rest seines Lebens verlebte er – gichtischer Leiden wegen – in Unthätigkeit, bis er, erst 35 Jahre alt, starb, ohne von seiner Gattin Erben zu hinterlassen. Seine großen Güter fielen nun dem Fiscus anheim, nur Terebes nicht, das er seiner Gemalin Helena [s. die Folg.] als Wittthum verschrieben hatte. –