BLKÖ:Lilienthal, Leopold Edler von

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Lilienberg
Band: 15 (1866), ab Seite: 192. (Quelle)
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Lilienthal, Leopold Edler von (Humanist, geb. zu Wien 23. December 1811). Sein Vater Anton Edler von L. (gest. 26. Februar 1850) war k. k. Hofrath und Polizeidirector zu Gratz. L. kam, da er, noch ein Kind, seine Mutter verloren hatte, nach Wien in das damals bestehende Pensionat Klinkowström’s [Bd. XII, S. 103], welches er erst nach mehrjährigem Aufenthalt wieder verließ, um das begonnene Rechtsstudium zu Gratz zu vollenden. Im Jahre 1835 trat L. in den Staatsdienst, den er im Jahre 1846 wieder aufgab, um die Verwaltung seiner in Obersteiermark gelegenen Güter selbst zu übernehmen. Im Jahre 1842 hatte er sich mit Josephine gebornen von Eggenwalt vermält; als er nun im Frühling 1857 seine Frau durch den Tod verlor, beschloß er, das von ihr ererbte Vermögen zu religiösen und wohlthätigen Zwecken zu verwenden, um so das Andenken seiner verstorbenen Gattin in entsprechendster Weise zu ehren, und nun folgen sich in ununterbrochener Reihe Spenden zu frommen und wohlthätigen Zwecken. Noch im nämlichen Jahre schenkte er der Klosterkirche in Leoben zwei Glocken im Werthe von 1700 fl. Den ersten Jahrestag des Ablebens seiner Frau, den 2. Mai 1858, feierte er durch die Grundsteinlegung zur Erweiterung eines den Karmelitern in Gratz gehörigen Kirchleins und Klosters, deren kostspieligen Bau er aus Eigenem bestritt. Im nämlichen Jahre noch schenkte er dem Karmeliter-Convent einen unweit von Ehrenhausen in Steiermark gelegenen Weingarten von 8 Joch Rebengrund und überdieß 22 Joch Grundstücke an Aeckern, Wiesen und Waldungen. Im Jahre 1858 spendete er zum Neubau des Gratzer Waisenhauses Paulinum die Summe von 9000 fl. C. M.; im Jahre 1859 dem wohlthätigen Bürger-Witwen-Institute in Gratz den Betrag von 2000 fl., und als zwei Soldaten des Infanterie-Regiments Zobel Nr. 61, die Verlockungen zum Treubruch mit Abscheu zurückwiesen, widmete L. eine fünfpercentige Staatsschuldverschreibung von 1000 fl. ö. W. zur Gründung einer Stiftung, mit deren Interessen jährlich die beiden Braven und nach ihrem Ableben 5 Invaliden desselben Regiments betheilt werden sollen. Auch spendete L. im nämlichen Jahre noch 1000 fl. zur Errichtung eines Freiwilligen-Corps. In der Gemeinde Gams in Obersteiermark, in welcher das Lilienthal’sche Hammerwerk liegt, überließ bereits die Gattin Lilienthal’s, als sie noch lebte, eines der Gewerks-Wohnhäuser zur Benützung als Schulhaus, um den Kindern dieser Gemeinde den Unterricht zu ermöglichen. L. selbst baute später ein neues Schulhaus. Reiche Spenden erhielten zu wiederholten Malen schon minder bemittelte Geschäftsleute in Gratz, welche durch die Zeitverhältnisse entweder Verluste erlitten oder Mangel [193] an Arbeit hatten. Selbst nach Amerika flossen Gaben aus seiner Hand zum Baue mancher Kirche in neu gebildeten Gemeinden. Viele erhebliche Spenden entziehen sich ihrer Natur nach der Namhaftmachung. Aber wie einerseits kirchliche Genossenschaften, wie z. B. die Söhne und Töchter der h. Theresia in Gratz und Tirol, die Gesellschaft Jesu, die Congregation des h. Erlösers, die Schulschwestern, die Marienbrüder, das Priesterspital an L. einen immer hilfreichen Wohlthäter besitzen, ebenso werden auch die Armen, der katholische Frauenverein, der Gesellenverein, die Waisen des Paulinums und mehrere andere humanistische Vereine von ihm werkthätig unterstützt und das Schulwesen in verdienstlichster Weise gefördert. L. wurde auch in Anerkennung seiner Verdienste am 27. September 1862 mit dem Ritterkreuze des Franz Joseph-Ordens und vom Papste Pius VII. zu wiederholten Malen mit Orden ausgezeichnet. – Auch die im März 1865 verstorbene Hofräthin Therese von L., des Obigen Stiefmutter, hat in ihren letztwilligen Anordnungen den Schulbrüdern in Gratz 2000 fl., dem Barmherzigen-Convente, dem Bürgercorps-Witwen-Institute ebenda, gleiche Summen und dem katholischen Frauenvereine 1000 fl. vermacht.

Zeitgenossen. Almanach für das Jahr 1863 (Gratz, S. Settele, kl. 8°.) S. 201 u. f. – Wiener Zeitung 1865, Nr. 79, S. 75.