BLKÖ:Lützow, das Adelsgeschlecht, Genealogie

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Lützow, Anton Baron
Band: 16 (1867), ab Seite: 145. (Quelle)
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I. Zur Genealogie des Adelsgeschlechtes der Lützow. Die Lützow sind ein altes, ursprünglich mecklenburgisches Adelsgeschlecht, das weitverzweigt noch heute in vielen Linien, welche in Mecklenburg, Dänemark, Schweden, Preußen und Oesterreich blühen, fortbesteht. Für dieses Werk hat die in Böhmen blühende gräfliche Linie zunächst Interesse. Wie sich durch drei Söhne Wipert Lützow’s, Ritters auf Drei-Lützow und Horst, der zu Ende des dreizehnten Jahrhunderts lebte, die drei Hauptzweige, und zwar von Burchard die Drei-Lützower, von Johann die Pritzierische und von Wipert dem Jüngeren die Wipert’sche Linie gebildet, wie diese drei Hauptlinien sich wieder in Unterlinien gespalten und diese eigene Häuser, wie die Eickhof, Perlin, Goldenbau, Turow, Hülseburg u. s. w. gegründet haben, dieß Alles in seinen Einzelheiten und in genealogischer Folge darzustellen, muß den Genealogen überlassen bleiben. Hier wird sofort auf Joachim von Drei-Lützow, den Ahnherrn der böhmischen oder gräflichen Linie, übergegangen. Joachim, in den Jahren 1523–1525 kaiserlicher Oberst, war mit Katharina von Penz vermält. Aus dieser Ehe stammt Berthold, der gleichfalls Oberst, und zwar im Leib-Regimente Kaiser Karl’s V. gewesen. Dessen Gemalin Anna war eine geborne Rantzow. Berthold’s Sohn Joachim, der das Amt eines Truchsessen und Mundschenken des Kaisers Rudolph II. bekleidete, war mit Dorothea gebornen von Hahn vermält. Ein Bruder oder Vetter Joachim’s war Wipert, geh. Rath und Reichs-Vicekanzler [146] unter Kaiser Rudolph II., und Wipert’s Sohn Curt war k k. Reichshofrath und im dreißigjährigen Kriege mit vielen Gesandtschaften betraut worden. Mit Curt gelangte die Freiherrnwürde (1643) in diese Linie. Curt von Lützow, Herr auf Goldenbau und Marsow, war mit Anna Sophie von Wobersnow vermält. Den Reichsgrafenstand erwarb der erste Gottfried von Lützow mit Diplom vom 13. Februar 1692 und den böhmischen mit Diplom vom 23. December 1695. Gottfried hatte auch die böhmischen Herrschaften Duppau und Sachsengrün bei Karlsbad erworben. Da aber seine Ehe mit Maria Gräfin von Wesselwitz kinderlos geblieben, so wurde seines Bruders Sohn Barthold Heinrich sein Erbe und auf ihn und seine Nachkommenschaft zu Anfang des achtzehnten Jahrhunderts der Grafenstand ausgedehnt. Barthold Heinrich war mit Johanna Elisabeth Gräfin von Metternich-Winneburg-Beilstein vermält und ein Sproße dieser Ehe ist der Graf Gottfried Julius, k. k Kämmerer. Dieser hatte aus seiner Ehe mit Maria Theresia gebornen Gräfin Globen, verwitweten Gräfin Hartig, den Sohn Johann Nepom. Gottfried. Graf Johann Nep. Gottfried (gest 1822) war k. k. Kämmerer und General-Major und zweimal vermält, in erster Ehe mit Karolina Gräfin Sternberg, in zweiter Ehe mit Antonia Gräfin Czernin. Des Grafen Johann Nep. Gottfried Söhne sind Graf Hieronymus und Graf Rudolph, und deren Nachkommen bilden die heutige gräfliche Linie in Böhmen. Der heutige Familienstand der Grafen Lützow ist: Graf Rudolph (geb. 23. September 1813), ein Sohn des k. k. Hofrathes und nachmaligen Vice-Präsidenten des k. k. Rechnungs-Directoriums Grafen Hieronymus (geb. 6. Jänner 1776, gest. 28. October 1861) aus dessen Ehe mit Karolina Gräfin Kolowrat-Liebsteinsky (geb. 9. Juli 1779, gest. 27. April 1826). Graf Rudolph, derzeit Chef des Hauses, ist (seit l. Mai 1845) mit Bernhardine Gräfin von Eltz (geb. 28. August 1815), Sternkreuz-Ordensdame, vermält und stammen aus dieser Ehe Maria (geb. 20. März 1847) und Karl (geb. 14. October 1849). Ferner leben die Geschwister des Grafen Rudolph, Graf Franz und Gräfin Rosa. Graf Franz (geb. 2. November 1814), Besitzer der Güter Borohradek und Wamberg in Böhmen, k k. Kämmerer, vormals außerordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister bei dem großherzogl. hessischen Hofe, ist (seit 27. Mai 1848) mit Henriette gebornen Miß Seymour vermält. Der Graf ist mütterlicher Seits ein Neffe des kinderlos verstorbenen Grafen Kolowrat und dessen Universalerbe. Um nun die ihm durch dieses Erbe zugefallenen weitläufigen Besitzungen selbst zu verwalten, hat der Graf im Jahre 1865 seinen Gesandtschaftsposten niedergelegt und sich in’s Privatleben zurückgezogen. Der Graf Franz hat vier Kinder: Franz (geb. 21. März 1849), Rosa (geb 31. März 1850), Heinrich (geb. 11. September 1852) und Mathilde (geb. 22. September 1860). Der Grafen Franz und Rudolph Schwester Gräfin Rosa (geb. 6. März 1816), Besitzerin der von ihrem Oheim, dem (1861 verstorbenen) Grafen Franz Kolowrat-Liebsteinsky ererbten Herrschaft Ebreichsdorf in Niederösterreich, Sternkreuz-Ordens- und Palastdame, ist (seit 9. Juli 1844) mit dem k. k. Kämmerer Ferdinand Grafen Spiegel zum Diesenberg-Hauxleben vermält. Auch lebt noch die Witwe des Grafen Rudolph [s. d. S. 148], Maria Ignazia geborne Freiin St. Just de Teulada, verwitwete Marquise von St. Laurent, und deren Kinder aus des Grafen Rudolph Ehe: Henriette (geb. 1828), Sternkreuz-Ordensdame, vermält (seit Mai 1856) mit Alexander Grafen Cordelli; Karl (geb. 1831), vermält (seit 27. Juni 1858) mit Karolina Maria geb. Gräfin Chotek; von Cholkowa und Wognin (geb. 28. Juli 1837), und Victor (geb. 1834), k. k. Officier. Schließlich sei hier noch bemerkt, daß der berühmte und beharrliche Widersacher Napoleon’s und Anführer der von ihm errichteten und nach ihm „die Lützower“ genannten wackeren Freischaar, Adolph Freiherr von Lützow, auch einem Zweige, und zwar dem Pritzier’schen dieses Geschlechtes angehört. [Kneschke (Ernst Heinr. Prof Dr.). Deutsche Grafen Häuser der Gegenwart (Leipzig 1853, T. O. Weigl, 8°.) Bd. II, S. 65. – Derselbe, Neues allgemeines deutsches Adels-Lexikon (Leipzig 1863, Friedr. Voigt, gr. 8°.) Bd. VI, S. 54 (mit Angabe einer reichen genealogischen Literatur über dieses Geschlecht). – Gothaisches genealogisches Taschenbuch der gräflichen Häuser (Gotha, Just. Perthes, 32°.) XXXVII. Jahrgang (1864), S. 516. – Historisch-heraldisches Handbuch zum genealogischen Taschenbuche der gräflichen Häuser (Gotha 1833, Justus Perthes, 32°.) S. 548. – Gothaisches genealogisches Taschenbuch der freiherrlichen [147] Häuser (Gotha, J. Perthes, 32°.) X. Jahrg. (1860), S. 515; XIII. Jahrg. (1863), S. 583. – Schönfeld (Ignaz Ritter v.), Adels-Schematismus des österreichischen Kaiserstaates (Wien 1824, Schaumburg u. Comp., 8°.) II. Jahrg, S. 213.]

II. Wappen der gräflichen Linie. Gevierteter Schild mit Mittelschild. 1: In Gold ein schwarzer zweiköpfiger gekrönter Adler; 2 u. 3: in Blau eine rothe schwarz ausgefügte Mauer mit drei Zinnen, hinter welcher in der Mitte ein Pfauenwedel hervorgeht; 4: in Gold ein geharnischter Ritter, welcher am linken Arm einen mit Gold eingefaßten rothen Schild trägt, mit der rechten Hand aber ein blankes Schwert schwingt. Im gekrönten Mittelschild: in Gold eine schrägrechts gestellte schwarze Leiter mit vier Sprossen.