BLKÖ:Löwenstern, Paulus Apelles von

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 15 (1866), ab Seite: 447. (Quelle)
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Noch ist eines anderen Mannes dieses Namens, des

Paulus Apelles von Löwenstein (geb. zu Igls in der Zips um die Mitte des 17. Jahrhunderts, gest. zu Käsmark 6. October 1706), zu gedenken, der, von adeligen Eltern geboren, sich dem gelehrten Stande widmete und Theologie studirte. Er beendete die Studien auf der Breslauer Hochschule, ging dann als Rector nach Reichenstein im Herzogthume Brieg, später nach Ohlau. Sehnsucht nach seinem Vaterlande ließ ihn jedoch diese Stelle aufgeben, als es ihm gelang, als Rector an das Gymnasium nach Modern in Ungarn berufen zu werden. In Jahresfrist kam er von Modern in gleicher Eigenschaft nach Topschan, wo er aber mit dem Prediger in Mißhelligkeiten gerieth, so daß er zuletzt sein Rectorat aufgab. Indem er mehrere Jahre ohne Anstellung blieb, folgte er nun einem Rufe nach Käsmark als Rector der dortigen Schule, wo er aber schon nach Jahresfrist so schwer erkrankte, daß er sein Lehramt nicht mehr zu besorgen im Stande war. Bald darauf erlag er auch einem Schlaganfalle. L. war ein gewandter Poet und einer der beißendsten Satyriker seiner Zeit. Niemand, der ihm dieser poetischen Zuchtruthe zu verfallen geeignet erschien, schonend, zog er sich viele Feinde zu und hatte sich so ein hartes Lebenslos bereitet. Er hat, wie sein Biograph Melzer berichtet (wenn nicht da eine Verwechselung mit einem fast gleichnamigen Namensvetter stattfindet), eine große Zahl poetischer Schriften in lateinischer und deutscher Sprache hinterlassen, und darunter ist sein vorzüglichstes: „Exercitium poetico-anagrammaticum-privatum, in Libros VI, digestum et editum, cum Indice copiosissimo, Anno, quo Ecclesia Christi ingemiscit.

eVge DeVs nos a tVrCIs DefenDere perge
ex aLto, pereat, ne patIare pIVs“

zu Brieg im Jahre 1673, wie die Jahreszahl im Chronostichon angedeutet ist, erschienen. Löwenstein hatte auch mehrere deutsche geistliche Lieder gedichtet, die, wie sein Biograph berichtet, von anerkannt hohem Werthe sind. Ob er ein Verwandter des Mathias Apelles de Löwenstein gewesen, der Rath bei den Kaisern Ferdinand II. und Ferdinand III. und zuletzt Kammerrath des Herzogs Friedrich von Münsterberg und Oels. und selbst ein gewandter Poet war. ist nicht ermittelt. Letzterer erscheint auch hie und da, wie z. B. in Dr. Karl Schütze’s „Deutschlands Dichter und Schriftsteller“ (Berlin 1862, Alb. Bach, 8°.) S. 208, ebenso in Heinrich Kurz’s „Geschichte der deutschen Literatur mit ausgewählten Stücken aus den Werken der vorzüglichsten Schriftsteller“ (Leipzig 1836, Teubner, Lex. 8°.) Bd. II, S. 239 a, 268 b), als Matthäus Apelles von Löwenstern; während ihn Jöcher in seinem „Gelehrten-Lexikon“, Bd. III, Sp. 2500, Mathias Apelles de Löw oder Löwenstein nennt. Vielleicht verwechselt ihn Melzer im Puncte der geistlichen Gedichte mit diesem letzteren. [Melzer (Jakob), Biographien berühmter Zipser (Kaschau [1833], Ellinger, 8°.) S. 115.]