BLKÖ:Hirsch, Michael Christian

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 9 (1863), ab Seite: 46. (Quelle)
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Hirsch, Michael Christian (Schriftsteller, geb. zu Nürnberg 4. November 1743, gest. zu Wien im September 1796). Sohn des Nürnbergischen Diakon und Geschichtsforschers Karl Christian H. Der Vater starb, als Michael Christian kaum 10 Jahre zählte, und dieser kam nun in das Haus seines Onkels, eines angesehenen Kaufmannes in Nürnberg. 13 Jahre alt, verließ er das Gymnasium, um sich ganz dem Handlungsgeschäfte zu widmen, für das er Interesse gezeigt hatte. 1762, 19 Jahre alt, kam er nach Frankfurt a. M., um sich noch mehr für seinen neuen Stand auszubilden. 1765 folgte er einem Rufe nach Fiume, wo er für die dortige Handelscompagnie den deutschen Briefwechsel führen sollte. Wie früher in Frankfurt die französische, so erlernte er hier und in Triest die italienische Sprache. In einigen Jahren ernannte ihn die bereits erwähnte Handelscompagnie zum Administrator ihres Commerzhauses zu Hermannstadt in Siebenbürgen und bald darauf zum Inspector ihrer sämmtlichen Commerz- [47] Häuser. Als solcher führte er eine ordentliche Fahrstraße über die bisher wenig befahrenen croatischen Gebirge von Fiume bis Karlstadt und ordnete so viel als möglich die Schifffahrt auf der Drau, Save und Donau von Siffek angefangen bis Semlin, von da nach Perlesvaros und in den Kanal der Temes bis Temesvár. Das ungesunde Klima dieser Gegenden äußerte aber auch auf ihn seine Wirkungen und H. sah sich genöthigt, seine Stelle aufzugeben und die eines Factors der k. k. mährischen Leihbank in Brünn anzunehmen, wo er mit dem durch seine wissenschaftliche Bildung so hervorragenden Maximilian Grafen von Lamberg in freundschaftlichen Verkehr trat. Im Jahre 1774 kam er als Lehenbanks-Buchhalter für das Wiener Hauptcomptoir nach Wien, wurde daselbst 1783 Mitfirmant des von Henikstein’schen Wechselhauses, welche Stelle er bis an seinen Tod, der ihn schon im Alter von 53 Jahren ereilte, bekleidete. H. veröffentlichte mehrere Arbeiten, vornehmlich Uebersetzungen, durch den Druck, und zwar sind erschienen: „Das scherzende Orakel am Spieltische des Frauenzimmers“ (Wien 1777, Ghelen, 8°.), diese, von der Wiener Censur nicht gestattete Schrift wurde erst später zugelassen; – „Abriss und Erklärung aller Künste und Wissenschaften“ (Frankfurt und Leipzig 1779. 3. Aufl. 1783), diese Schrift bearbeitete er in Gemeinschaft mit seinem Freunde H. G. Hoff und zeichnete auch mit ihm die Widmung an den Grafen Max von Lamberg mit den Initialen M. C. H. und H. G. H.; – „Handbuch für Bankiers und Kaufleute“ (1781, 8°.); – „Miscellaneen“ (Wien 1782), auch in Gemeinschaft mit seinem Freunde Hoff. – Ferner die Uebersetzungen: „Geschichte des Hussitenkrieges und Conciliums zu Basel von Jac. Lenfant mit wichtigen, das Original berichtigenden und verbessernden Noten, wie auch dem Leben und den Schriften des Verfassers verm. und verb.“ 4 Theile (Preßburg und Wien 1783 und 1784. 8°.), dazu „Supplement zu Lenfant’s Geschichte des Hussitenkrieges von Beausobre“ (Wien und Leipzig 1785, 8°.); – „Der normännische Spion oder merkwürdige Begebenheiten des vorgeblichen Barons von Maubert, Kapuziners, Ritters, Schriftstellers u. s. w. Aus dem Französischen“ (Brünn 1785. 8°.); ferner übersetzte er die Lebensbeschreibungen von Pedrillo de Tormes und Poinsinet, bearbeitete auch mehrere andere aus dem Französischen und Italienischen für die vier Theile von H. G. Hoff’s „Biographien“ und betheiligte sich mit mehreren Aufsätzen an den Brünner Blättern der Jahre 1770-1774. Die Hessen-Homburg’sche patriotische Gesellschaft hatte ihn 1778 zu ihrem Mitgliede aufgenommen.

Will (Georg Andreas), Nürnbergisches Gelehrten-Lexikon, fortgesetzt von Christian Conrad Nopitsch (Altdorf 1805, 4°.) 6. Theil oder 2. Supplementband. S. 96. – Ersch und Gruber, Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste II. Sect. 8. Theil, S. 414. – Meusel (Joh. Georg), Lexikon der vom Jahre 1750 bis 1800 verstorbenen teutschen Schriftsteller (Leipzig 1805. Gerh. Fleischer, 8°.) Bd. V, S. 532.