BLKÖ:Heilmann, Joseph

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Heilmann, Franz
Band: 8 (1862), ab Seite: 212. (Quelle)
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Heilmann, Joseph (Jugendschriftsteller, geb. zu Wien 3. Juli 1803, gest. ebenda 19. März 1854). Der Sohn eines Schneiders. Zeigte schon als Knabe große Freude am Lernen und eine ausgeprägte Begabung zum Lehren und Unterrichtertheilen, daher er ungeachtet der sehr beschränkten Verhältnisse seiner Eltern in das Gymnasium eintreten konnte, weil er durch Ertheilung von Privatunterricht an noch jüngere Knaben sich so viel erwarb, als er brauchte, um die Kosten des Gymnasialstudiums zu decken; ja nicht selten konnte er ein Uebriges seines Verdienstes seinen armen Eltern zuwenden. Unter solch anstrengender Thätigkeit vollendete er die Gymnasialclassen und die philosophischen Facultätsstudien an der Wiener Universität, hatte auch unter Director Jos. Peitl den pädagogischen Lehrcurs für Volksschulpräparanden gehört. Seiner lang genährten Neigung, sich gänzlich dem Lehramte zu widmen, folgend, trat er in der Leopoldstädter Vorstadtschule zu St. Joseph [213] als Schulgehilfe ein. In dieser Stelle und später in der Schule zu St. Leopold erwarb er sich bald die volle Anerkennung seiner Vorgesetzten und die Liebe seiner Schüler. Als H. nach seines Vaters Tode die Mutter zu sich nehmen und allein erhalten mußte, reichten sein Einkommen als Schulgehilfe und jenes seines Privatunterrichtes dazu nicht aus, er mußte seiner Lieblingsbeschäftigung, dem Lehramte, entsagen, und ein Unterkommen im Staatsdienste suchen. Bis er ein solches fand, ertheilte er wie bisher mit verdoppelter Anstrengung Unterricht und wurde endlich 1832 zum Rechnungs-Adjuncten der damaligen Schulbücherverschleiß-Administration ernannt, wo der zu seiner Zeit sehr beliebte Jugendschriftsteller Leopold Chimani [s. d. Bd. II, S. 342] sein Vorsteher war. Im Jahre 1844 von einem schweren Brustleiden befallen, verlebte H. einen sechswöchentlichen Urlaub in der Brühl und entwarf daselbst den Plan zu einer Dorfgeschichte für die Jugend, welche er jedoch erst im Jahre 1847 schrieb und sie „Der verbotene Weg“ nannte. Die Schilderungen des bäuerlichen Lebens und der landschaftlichen Theile in der Erzählung sind ganz der Brühl entnommen. Nur auf Zureden einiger Freunde, denen H. seine Arbeit mittheilte und die sich vortheilhaft über dieselbe aussprachen, konnte er sich entschließen, die Erzählung drucken zu lassen. Aber erst im Jahre 1850 gab er seine Dorfgeschichte auf eigene Kosten heraus. Das Büchlein machte in der pädagogischen Welt Aufsehen. Alles las die Geschichte mit der größten Befriedigung. Auf solche Art in seinem Selbstvertrauen befestigt, schrieb er eine zweite Erzählung: „Der Urlauber“, welche eine Art Fortsetzung der ersteren bildet und deren Erfolg nicht weniger günstig war, als jener der ersten. In den Jahren 1852 und 1853 gab H. eine Volksschrift unter dem Titel: „Der Schulmeister von Riegelsdorf“ heraus, wovon 10 Hefte erschienen sind. Kurz vor seinem Tode, der im Alter von 51 Jahren erfolgte, verkaufte H. das Verlagsrecht seiner zwei Erzählungen an den katechetischen Schulbücherverlag. Seine Schriften sind unter folgenden Titeln erschienen: „Der verbotene Weg. Erzählung aus dem österr. Landleben“ (1. Aufl. Wien 1850, 2. Aufl. ebd. 1851, mit Bildern nach Prof. Ant. von Perger, 8°.); – „Der Urlauber. Erzählung aus dem österreichischen Landleben“ (1. Aufl. Wien 1852, 2. Aufl. ebd. 1853, mit Bildern nach Prof. Ant. v. Perger); beide Erzählungen mit Holzschnitten ausgestattet, werden immer wieder in neuen Auflagen als Eigenthum des katechetischen Verlages im k. k. Schulbücherverlage in Wien herausgegeben. Mehrere Aufsätze von H. enthielt auch der „Oesterreichische Schulbote“ in seinen ersten Jahrgängen.

Handschriftliche Quellen. –