BLKÖ:Haller von Hallerstein, Augustin

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
fertig
<<<Vorheriger
Haller, Michael
Band: 7 (1861), ab Seite: 244. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
August von Hallerstein in der Wikipedia
August von Hallerstein in Wikidata
GND-Eintrag: 128740620, SeeAlso
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Haller von Hallerstein, Augustin|7|244|}}

Haller von Hallerstein, Augustin (Priester der Gesellschaft Jesu, Astronom, geb. in Krain 18. August 1703, gest. zu Peking in China 1774). Ein Sproße des vormals in Krain blühenden, aber zu Anfang dieses Jahrhunderts erloschenen Zweiges der Haller, die ursprünglich ein nürnbergisches Adelsgeschlecht sind [siehe unten in den Quellen die Genealogie der Familie Haller]. Nachdem Augustin 1721 in Laibach die philosophischen Studien beendet, begab er sich nach Wien und trat daselbst im Collegium bei St. Anna in den Orden der Gesellschaft Jesu. Nachdem er in verschiedenen Ordenshäusern, als zu Leoben, in Wien seine Studien, die theologischen und nebenbei die mathematischen fortsetzte, erhielt er 1734 die h. Weihen. Nun kam er nach Temesvár als Leiter des dortigen Collegiums, aber schon im folgenden Jahre wurde er auf seinen Wunsch einer Mission nach Ostindien und China beigesellt [245] und zugleich mit P. Gottfried Lambeckhofen, nachmaligem Bischof von Nanking, segelte er nach Mozambicque (1736); 1737 kam er nach Goa als Leiter des dortigen Collegiums und nach unzähligen zu Land und Wasser überstandenen Gefahren erreichte er 1738 Canton, kam von dort nach Macao und wurde bald seiner hervorragenden mathematischen Kenntnisse wegen nach Peking berufen, wo er Mandarin und nach P. Ignaz Kögler’s Tode Präsident des daselbst bestehenden mathematischen Tribunals wurde. Allen Verfolgungen, denen er in diesem Lande und auf diesem Posten ausgesetzt war, Trotz bietend, harrte er aus, wurde Provinzial seines Ordens für Japan und China und schloß 1774, im Alter von 71 Jahren, sein der Wissenschaft gewidmetes Leben, indem er, als er die Nachricht von der Aufhebung seines Ordens erhielt, vom Schlage getroffen, entseelt zusammensank. Im Drucke erschienen von ihm folgende Werke: „Observationes astronomicae ab anno 1717 ad annum 1752 a PP. Societatis Jesu Pekini Sinarum factae et a R. P. Augustino Hallerstein e Soc. Jesu Pekini Sinarum tribunalis mathematici praeside et Mandarino collectae atque operis editionem ad fidem autographi manuscripti curante P. Maxim. Hell“, 2 Theile (Viennae 1768); – in den von Max Hell herausgegebenen „Ephemerides astronomicae ad meridianum Vindobonensem 1774“, steht die Abhandlung: „De supputanda distantia minima centrorum solis et lunae geometrica in ecclipsibus solaribus ex harum initio et fine phasibusque ante et post medium eorum ope micrometri dimensis“; in den „Philosophical Transactions“ befinden sich von 1744–1747 seine in Peking gemachten astronomischen Beobachtungen; – ferner ebenda: „Observationes Cometae visi Pekini 1748“ [1748, Nr. 494]; – in den Nov. Comment. academ. Scientiar. Petropolit.: „Mercurius in sole observatus Pekini Sinarum die 7. Novemb. 1756“ [Tom. IX, ad ann. 1762 et 1763]; – „De differentia meridianorum Petropolitani e Pekinensis“ [Tom. XIX, p. 603]; – eine Reihe von Aufsätzen und Briefen über China und seine Zustände sind in Stöcklein’s „Briefe und Reisebeschreibungen, welche von den Missionärs der Gesellschaft Jesu aus beiden Indien und andern überm Meere gelegenen Ländern seit 1642–1730 in Europa angelangt sind“ (Augsburg 1728 u. f., Fol.) enthalten, u. z.: „Ueber seine Fahrt nach Indien“ [XXX, Nr. 584]; – „Ueber die Unruhen in Mongolen“ [Nr. 586]; – „Ueber seinen Empfang bei dem chinesischen Kaiser“ [Nr. 587]; – „Ueber die Zustände der Mission in China“ [Nr. 588]; – „Ueber die Gefahren, welche die Mission bedrohen und über den Maler und Jesuiten Castiglione“ [XXXIV, Nr. 675]; – „Ueber die Verfolgung der Christen, den Aufstand in Suchnen, den Zustand und die astronomischen Arbeiten der Mission“ [XXXV, Nr. 696]; – ferner befinden sich in der von Georg Pray herausg. „Epistola responsoria ad Partem I. Dissertationum Benedicti Cettonis“ [1768, 8°.] mehrere lateinische Briefe Haller’s angehängt, u. z.: „Ueber den Zustand der Mission in China“ (S. I); – „Ueber die Christenverfolgung unter Kaiser Kien-Long, über seine astronomischen Arbeiten und die Religionsverhältnisse in Cochinchina und Tunkin“ [S. XVII]; – „Ueber seine Begleitung der lusitanischen Gesandtschaft von Macao nach Peking und zurück“ [p. XXIX], – „Ueber die russische Gesandtschaft, die Religion am kais. Hofe und den Stand der Wissenschaften in China“ [p. XXXIII]; – „Ueber Confucius [246] und den Glauben der Chinesen an die Unsterblichkeit der Seele“ [p. XLV]; – „Ueber den Kaiser von China, seine Indolenz in Regierungssachen und den Tod des Malers Castiglione“ [p. XLIX], diese sechs Briefe stehen auch in deutscher Sprache in Pray’s „Historia Controversiarum de Ritibus Sinensibus“ (August. Vindob. 1792, 8°.). Schließlich ist noch anzuführen, daß Haller im Auftrage des Gouverneurs von Macao 1739 einen Plan der Stadt Macao und ihrer Umgebung, und im Jahre 1749 auf Befehl des Kaisers mit mehreren Brüdern seines Ordens eine beschwerliche Reise in die Tartarei unternommen und eine geographische Karte des Landes daselbst aufgenommen hat.

Stoeger (Joh. Nepom.), Scriptores Provinciae Austriacae Societatis Jesu ab ejus origine ad nostra usque tempora (Viennae et Ratisbonae 1856, gr. 8°.) S. 119, unter dem Namen Hallerstein. – Poggendorff (J. C.), Biographisch-literarisches Handwörterbuch zur Geschichte der exacten Wissenschaften (Leipzig 1859, Joh. Ambr. Barth, gr. 8°.) Sp. 1004. – Nouvelle Biographie générale ... publiée par Firmin Didot frères sous la direction de M. le Dr. Hoefer (Paris 1852 u. f.) XXIII, Sp. 184. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen 1849, Bibliogr. Institut, Lex. 8°.) Bd. XIV, S. 805. – Ersch und Gruber, Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste (Leipzig, Brockhaus. 4°.) II. Section, 1. Theil, S. 308.