BLKÖ:Grysar, Karl Joseph

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 5 (1859), ab Seite: 401. (Quelle)
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Grysar, Karl Joseph (Philolog und Archäolog, geb. zu Leudersdorf bei Düren in Rheinpreußen 2. Jänn. 1801, gest. zu Wien 3. April 1856). Sohn wohlhabender Eltern. Sein Vater war Hüttenverwalter in seinem Geburtsorte und der Sohn genoß den ersten Unterricht auf dem Lande von einem Geistlichen; das Gymnasium besuchte er bei den Jesuiten zu Düren und die Universität – im Alter von 20 Jahren – zu Bonn. Vorzüglich wendete er sich philologischen Studien zu, und Lehrer wie A. W. von Schlegel, A. F. Nähr, F. G. Welcker, C. A. Brandis waren ganz geeignet, seine Liebe für dieselben zu steigern. Eine ungünstige Wendung in den Vermögensverhältnissen seiner Eltern, nöthigte ihn, noch während seiner Studienzeit eine Erzieherstelle anzunehmen, u. z. im Hause von A. W. v. Schlegel. Bald darauf – 1824 – erhielt er aber eine Lehrerstelle am Gymnasium in Köln, welche er bis 1850 behielt und erst im letztgenannten Jahre mit der Stelle eines Professors der classischen Philologie und Mitdirectors des philologisch-historischen Seminars an der Wiener Hochschule vertauschte, an welcher auch sein Schwager Grauert (s. d. S. 319 d. Bds.) wirkte. Gleich diesem, verhältnißmäßig nur kurze Zeit, wirkte er auf diesem Posten. Einem Leiden, dessen Keim schon seit Jahren seine Gesundheit zerstört hatte, erlag er im Alter von 55 Jahren. Als Schriftsteller auf dem Gebiete der alten Literatur und classischen Philologie leistete er Verdienstliches und seine Forschungen über das griechische Drama, jedoch weniger über die classische Zeit desselben, als über die ihr vorausgehenden und nachfolgenden Stufen oder Gebiete scenischer Aufführung sind das Erschöpfendste über diesen Gegenstand. Seine verschiedenen Schriften sind, mit Ausschluß der zahlreichen Abhandlungen in Fachblättern, als in der „Allgem. Schulzeitung“ und in der „Zeitschrift für östr. Gymnasien“, in chronologischer Folge: „De Doriensium comoedia quaestiones ... atque Epicharmi et Italicae comoedias scriptorum fragmenta“, Vol. I. (Köln 1828, J. G. Schmitz, 8°.); – „De Graecorum tragoedia qualis fuit circum tempora Demosthenis (Köln 1830, Bachem, gr. 4°.): – „Theorie des lateinischen Styls, nebst einem lateinischen Antibarbarus“ (Eb. 1831, Schmitz, gr. 8°., 2. umg. und verm. Ausg. Ebd. 1843); – „Handbuch der allgemeinen Weltgeschichte. Zum Gebrauche der oberen Classen der Gymnasien und höheren Lehranstalten“, I. Bd., 1–3. Abtheil. (Köln 1833 und 35, eb., gr. 8°.). Die 1. Abtheilung enthält die Geographie und Geschichte des Alterthums bis Alexander dem Großen, die 2. und 3. Abtheilung jene von Alexander dem Großen bis auf die Zerstörung des weströmischen Reiches; – „Handbuch der Geschichte des Alterthums. Nach den Quellen und mit durchgängiger Benützung der neuesten Forschungen. In drei Abtheilungen“ (Ebenda 1835, gr. 8°.), wohl nur eine Bearbeitung, wenn nicht neue Titelausgabe, des Vorigen; – „Handbuch lateinischer Stylübungen für die oberen Classen der Gymnasien“ (Ebd. 1839, Lex. 8°., 2. umg. und stark verm. Auflage Ebd. 1845, gr. 8°.); – „Andeutungen über die Eigenthümlichkeit in der Darstellung und Latinität des Tacitus“ (Wien 1853, Gerold, 8°.); – „Ueber das Canlicum und den Chor in der römischen Tragödie“ (Ebd. 1855); – „Ueber den römischen Mimus“ (Ebd. 1855), beide auch in den „Sitzungsberichten der philos.-histor. Classe der kais. Akademie der Wissensch.“ (XII. Bd. S. 237, und XV. Bd. S. 365). Auch redigirte G. die Schulausgabe der römischen Geschichte des Livius: „Titi Livii ab urbe conditu partes Selectae“, 2 Thle. [402] (Wien 1855, Gerold, kl. 8°.). Mit Hinblick auf seine Stellung als Professor hat er wesentliche Verdienste um die Hebung des philologischen Studiums in Oesterreich, das vor ihm sehr im Argen lag und gründlicher Reformen bedurfte.

Zeitschrift für österr. Gymnasien. Herausgeg. von J. G. Seidl, G. Bonitz, J. Mozart (Wien, Gerold) VII. Jahrg. (1856) 2. 387. – Wanderer (Wiener polit. Blatt) 1856, Nr. 163. – Abendblatt der Grazer Zeitung 1856, Nr. 81. – Literarisches Centralblatt von Zarnke. 1854, Sp. 720 und 1855, Sp. 741. – Notizenblatt der kais. Akad. d. Wissensch.) 1855, Nr. 3. – Wurzbach von Tannenberg (Const. Dr.), Bibliographisch-statistische Uebersicht der Literatur des östr. Kaiserstaates (Wien 1856, Staatsdruckerei, gr. 8°.) III. Bericht (1855) Marg. 7216, 11326, 14026.