Ausplaudereien aus der Apotheke

Textdaten
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Autor: Carl Ruß
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Titel: Schweineschmalz
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aus: Die Gartenlaube, Heft 24, S. 378-380
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1865
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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Ausplaudereien aus der Apotheke.


Hoch unsere Fahne, empor unsere herrliche Fahne:
Erkämpfen wir dem Volke, was wir können!
 Waldeck als Volksvertreter.


1. Schweineschmalz.

In jeder Apotheke finden wir eine Büchse, meistens Porzellankruke, mit Adeps suillus oder Axungia porci, welche gar mannigfach in den Gebrauch gezogen wird, und deren daher auch gewöhnlich zwei, oft noch mehrere vorhanden sind. Sie enthalten, wie die lateinischen Namen besagen, Schweinefett oder Schmalz, von welchem die preußische gesetzliche Arzneimittellehre vorschreibt, daß „nur gewaschenes“ angewandt und in den Apotheken vorräthig gehalten werden soll. Sehen wir nun einstweilen von seinem Gebrauch als wirkliches Arzneimittel noch ab und wenden uns zuerst zu dem als Volksheilmittel.

Ein junger Mensch mit tiefliegenden Augen, auffallend gerötheten Backen und abgezehrten Gliedern tritt in die Apotheke und kauft Hundefett, um es als Linderungs- und hoffnungsreiches Heilmittel gegen seine Lungenkrankheit zu gebrauchen; er bekommt das Gewünschte aus der Büchse mit Adeps – und verschlingt es voll Zuversicht und Vertrauen. Neben ihm fordert ein Dienstmädchen Hasenfett, welches ihren zusammengetragenen (geschwürigen) Finger aufziehen soll; sie erhält aus der Kruke mit Axungia – und giebt gläubig ihre kärglichen Sparpfennige für Das hin, was sie in der Küche täglich vor sich hat und was sie dort selbst in Wirklichkeit sich sammeln könnte, wenn sie nicht das „präparirte“ Hasenfett der Apotheke für viel wirksamer hielte. Jenes alte Mütterchen wünscht Bärenfett zum Einreiben und Bärinnenfett zum Einnehmen; ihr muß Adeps und Axungia dienen – und mit welcher ängstlichen Sorgfalt ist sie bemüht, die beiden wichtigen Stoffe um Gottes willen nicht zu verwechseln! Selbst eine Fleischersfrau nimmt die Büchse mit Adeps in Anspruch; sie läßt Dachsfett holen – und nimmt es, mit Walrath in Bier gekocht, zum Schwitzen ein. Ein ländlicher Wunderdoctor (deren es im Geheimen noch fast allenthalben giebt und die, aus gewissen Gründen, von vielen Apothekern keineswegs ungünstig betrachtet oder gar verfolgt werden) fordert Adebar-, Hamotter-, Boar-, Katzen-, Mücken-, Murmelthier-, Tap-, Winzer-, Vipern-, Ottern- und Storchfett, um seine Tränklein, Salben etc. daraus zu bereiten. Adebar- und Storchfett, welche meistens keineswegs als ein und dasselbe gelten, muß fast regelmäßig die ländliche Wöchnerin sich einquälen, Hamotter-, Boar- und Murmelthierfett dienen als Einreibungen, bei Ausschlägen, Geschwülsten und dergleichen; Vipern- und Otternfett wird bei den heftigsten und hartnäckigsten Fiebern eingenommen, denn „Schlimm muß Schlimm vertreiben“ – freilich schlimm, bei schon furchtbar geschwächtem und angegriffenem Magen noch das widerliche, rohe Fett! Dem Manne wird dies Alles nun, je für einen Groschen sorgfältig in ein besonderes Papier geschlagen – aus dem großen Axungia-Topfe des Kellers heraufgeholt. Für alle übrigen Fälle, in denen mehrere verschiedene Fettarten verlangt werden, hilft man sich mit den beiden Schmalzbüchsen und zugleich dadurch, daß man abwechselnd bald die eine, bald die andere immer wieder in ihre Reihe setzt. Hier sehen die Büchsen ja sämmtlich ganz gleich aus und die lateinischen Namen schützen ja gar trefflich gegen jede profane, zudringliche Neugierde. Wer besäße da wohl Scharfsinn genug, um eine der Büchsen, mit der unverständlichen Bezeichnung, fest im Auge behalten und dann bestimmt behaupten zu können, daß der Apotheker aus derselben mehrere Heilmittel verabreicht habe? Wahrlich, dazu ist von Hunderten der die Apotheke besuchenden Menschen kaum einer fähig. Außerdem erinnern wir die Leser an jene hübsche – so bezeichnend lebenswahre – Anekdote: „Ein pfiffiges Bäuerlein hatte es sich doch gemerkt, daß man ihm Fuchs-, Dachs-, Katzen- und Gräfingsfett aus ein und derselben Büchse verabreicht, und machte nun entrüstetes Halloh. Allein der Apotheker wußte sich gar wohl zu helfen; in der Geschwindigkeit hatte er einen tiefen Kreuzstich mit dem Spatel in das Schmalz gemacht, und zeigte jetzt ganz gelassen dem leicht verblüfften Bauern die vier Abtheilungen – als sorgfältig gesondertes Dachs-, Fuchs-, Katzen- und Gräfingsfett.“

So finden wir das Schmalz unter mindestens zwanzig verschiedenen Namen, oder vielmehr als zwanzig durchaus verschiedenartig geglaubte Arzneimittel in den Apotheken, so wird es all- und tagtäglich, ohne Bedenken, für zwanzigfaches Geld dort verkauft. In der That, es müßte fast zu lächerlich erscheinen, wenn es nicht so entsetzlich traurig wäre, daß unsere Zeit noch solchen – gesetzlich privilegirten – Unfug dulden muß.

Dazu dienen auch noch einige ganz besondere Kunstgriffe, die wir keineswegs unbeachtet lassen dürfen. Als Krebsblut wird das Schweineschmalz mit Alcannawurzel roth gefärbt verabreicht, als Hasenfett mit Curcumäpulver gelb gefärbt, oder mit ein wenig Burgunderharz versetzt; zum Unterschiede des Gräfings- von dem Dachsfette (abgesehen von dem Schmalze auch sonst thatsächlich beides dasselbe, dem Volksglauben gegenüber aber zwei verschiedene wichtige Arzneimittel) wird das erstere mit ein wenig Oel verdünnt und dann in einem Glase verabreicht; auch giebt man, zur Abwechselung, als das eine oder andere dieser Fette zuweilen Baumöl, Leberthran und dergleichen; und endlich wird das Schweineschmalz, einfach mit wohlriechenden Oelen vermischt, als die feinste Haarpomade, je nach Belieben roth gefärbt (als „Rosenpomade“) oder weiß, verkauft.

Recht bezeichnend für allen diesen Schwindel sind einige Worte des Medicinalassessors, Sanitätsraths und Apothekers Dr. Mohr[1] in Coblenz: „Das Schweinefett macht jedes andere weiche Fett (für den Arzneigebrauch) ganz entbehrlich, und nur um dem Aberglauben des Volkes nachzugeben (ihm zu huldigen und ihn auszubeuten nämlich!), bereitet man noch hier und da Fett von Gänsen, Hasen, Pferden, Bären etc., denen lächerlicher Weise besondere Heilkräfte zugeschrieben werden (das Buch ist natürlich nur für Apotheker, Aerzte und Medicinalbeamte geschrieben). Freilich erhalten an den meisten Orten (jetzt bereits überall, ohne Ausnahme) auch jetzt schon die Landleute für diese Dinge Schweinefett aus verschiedenen Töpfen (wie offenherzig!); insbesondere dienen die ranzigen und gelblichen Fettsorten zu diesen Zwecken,“ - - - dem Brustkranken zur Heilung seiner Lunge, zur Linderung auf eine brennende Wunde, zum Schweißhervorbringen, zur Stillung der Nachwehen einer Wöchnerin etc. Probatum est!

Dieser schweren Selbstanklage des Äpothekerthums haben wir eigentlich nichts weiter hinzuzufügen; indessen müssen wir denn doch darauf ganz besonderen Nachdruck legen, daß dieser offenbare Betrug ein ganz allgemeiner und alltäglicher ist, daß er nicht etwa blos an diesem einen Gegenstande in der Apotheke, sondern an wahrhaft unzähligen verübt wird, und daß er nicht etwa allein die Gesundheit und den Geldbeutel der armen, unwissenden und unaufgeklärten, sondern auch die der sich gebildet nennenden Leute in wahrhaft erschreckender Weise gefährdet. Bemerkt sei nebenbei noch, daß man von allen diesen Fetten höchstens ein Loth für einen Silbergroschen erhält – nach welchem Verhältniß der Preis derselben, bezüglich der Gewinn dieses Schmalzverkaufs leicht zu berechnen ist. –

Ja, ja, so steht sie da, fest und unerschütterlich, die edle, uralte Kunst der Pillendrechslerei. Alle Versuche, an ihrem lang baumelnden Zopfe auch nur zu zerren, geschweige denn ihn zu stutzen, sind erfolglos, alle Angriffe prallen wirkungs- und machtlos ab an ihrem [379] stählernen Panzer Privilegium. Was sind Zeitbestrebungen, was ist Aufklärung ihr gegenüber? Auch wir beabsichtigen hiermit keineswegs an ihre „geheiligten Rechte“ uns zu wagen – denn wo es um des deutschen Michels Zipfelmütze sich handelt, da ist ja meistens jeder reformirende Versuch von vornherein ein verfehlter – allein im Interesse der großen unabsehbaren Menge leidender und von Krankheiten aller Art geplagter Menschen wollen wir es doch unternehmen, den Schleier einmal vollständig zu heben, der auf ihren unheimlichsten Mysterien ruht. Wie Herr Dr. Bock dem weiten Leserkreise der Gartenlaube gegenüber mit tapferem Arm auf dein Felde der populären Medicin Bahn gebrochen und den wahren Augiasstall von Vorurtheilen und Mißständen mit derben Strafpredigten, frei von der Leber weg, gereinigt und durch beherzigenswerthe Anordnungen beseitigt hat – so wollen auch wir es wagen, mit diesen Darlegungen die argen Finsternisse der Arzneikunde für Jedermann aufzuhellen. Wir glauben dies ohne Scheu ausführen zu dürfen, selbst auf die Gefahr hin, daß wir damit der alt-ehrwürdigen Apothekerei einen sehr empfindlichen, ja tödtlich verwundenden Stoß versetzen - - denn wenn wir den Einzelnen allerdings auch schaden, so müssen wir doch hoffen, dadurch der Allgemeinheit in einer wahrlich nicht geringen Weise zu nützen.

Zunächst müssen wir jetzt den Apothekern einige Gerechtigkeit widerfahren lassen. Selbst wenn hier und da einer von ihnen es gern versuchen wollte, den guten Bauer- und Bürgersleuten zu erklären, daß es in keiner Apotheke der Welt wirkliches Storchfett, Krebsblut etc. mehr giebt, sondern daß sie für dies Alles immer nur Schweineschmalz bekommen und theuer bezahlen müssen – so würde er hierfür vielfach gar nicht einmal Glauben bei den meisten Menschen finden. Wäre es in einer großen Stadt, so würden sie, ohne ein Wort zu verlieren, in die nächste Apotheke laufen, während sie in der kleinen bei einem solchen Versuch achselzuckend und entrüstet den erbärmlichen Apotheker verlassen würden, „der so Etwas nicht einmal hat“. Ja, derselbe wäre für seine Wahrheitsliebe und Rechtlichkeit, nächst den materiellen Verlusten, oft noch wohl obendrein groben Beleidigungen ausgesetzt, denn nach der Meinung vieler leider nur noch zu sehr beschränkter Menschen muß er eben Alles haben, was sie sich nur wünschen und sich von alten Weibern und den ärgsten, oft selbst entsetzlich dummen Betrügern einreden lassen. Auch dem wohlwollendsten und menschenfreundlichsten Apotheker dürfen wir eine solche Selbstverleugnung nimmer zutrauen – unter den jetzigen Verhältnissen bleibt ihm wirklich nichts Anderes übrig, schon „um das Vertrauen der Leute nicht zu verlieren“, als dem Geschäft mit den widerlichsten, unnatürlichen und vielfach gar nicht existirenden Dingen ruhig seinen Gang zu lassen. Und, zur Ehre des Standes, wollen wir es auch nicht verschweigen, daß in vielen Apotheken jetzt bereits das Schweineschmalz auf die unappetitlichsten und ungeheuerlichsten Benennungen, als: Hunde-, Katzen-, Mücken-, Kamm(Pferde-) Fett etc. nicht mehr verabfolgt, also diese gleichsam unanständigen Fette als nicht mehr vorhanden betrachtet werden … ’s bleiben ja doch noch immerhin fünfzehn bis sechszehn zurück, also fort mit Schaden!

An allen Gebildeten ist es nun aber, auch in den untersten Schichten der Gesellschaft mindestens so viel Licht und Aufklärung zu verbreiten, daß fernerhin Niemand mehr sein sauer erworbenes Geld fortwerfe, indem er für einen zehnfachen Betrag zehnerlei Arzneimittel einzukaufen wähnt und doch nur ein und denselben Gegenstand erhält. Aber auch alle Aufgeklärteren mögen sich hüten, daß ihnen von Hebammen, Kinderfrauen etc. nicht mancherlei derartiger, noch wahrhaft mittelalterlicher Mummenschanz in’s Haus gebracht werde, oder daß sie am Ende noch hier und da selbst Etwas kaufen, was sie in Küche und Keller ungleich wohlfeiler haben können.

Wenden wir uns jetzt dein Schweineschmalz in seiner Eigenschaft als wirkliches Arzneimittel zu. Seine hauptsächlichste Verwendung findet es zur Bereitung mannigfacher Salben. Unter diesen eine der sonderbarsten ist die Jodkaliumsalbe; sie muß nämlich mit durchaus säurefreiem (nicht ranzigem) Fette bereitet werden, sonst wird sie sogleich gelb. Und trotz vielfacher Vorbeugungsmittel, Magnesia, Natron etc., ist sie doch nur höchst schwierig rein weiß zu erhalten. Daraus erhellt aber, wie schwierig reines Schmalz vor dem Sauer- oder Ranzigwerden zu bewahren ist. Die Jodkaliumsalbe wird häufig von den Aerzten bei scrophulösen Anschwellungen und dergleichen verordnet; man muß sie dann vor Nässe, Wärme und Licht bewahren, da sie durch dies Alles leicht zersetzt wird.

Nächstdem wird das beste Schmalz zu der Darstellung der medicinischen Seife gebraucht. Diese wird aus einem Gemisch von frischem Schweineschmalz, Provencer Olivenöl mit Aetznatronlauge gekocht und dient zur Bereitung von innerlichen Arzneien, Pillen etc. Ebenfalls sehr gutes frisches Schmalz muß zu den übrigen weißen Salben genommen werden, zu Zink-, Bleiweiß-, Brechweinstein- (der sogenannten Pockensalbe), weißer Quecksilber- oder Präcipitat- und Rosensalbe, deren letztere dann wieder zur Herstellung anderer Salben dient. Schlechteres, dunkel gewordenes Schmalz wird für farbige Salbe verwandt; hierher gehören die Elemi-, rothe und graue Quecksilbersalbe, ferner das Meliloten- und einige andere Pflaster, vor allen aber die ordinäre graue Quecksilber- oder Läusesalbe, zu welcher letzteren besonders das allerschlechteste, sonst unbrauchbare, oft sogar von crepirten Thieren und dergleichen herstammende Fett verbraucht wird. Des höheren Preises wegen wird zu Salben und Pflaster auch vielfach statt des Schmalzes ein zusammengeschmolzenes Gemisch aus Oel und Talg angewandt.

Das Schmalz der im Winter oder Sommer geschlachteten Thiere ist bekanntlich von verschiedenartiger Consistenz. „Für den Gebrauch hat dieser Unterschied die Folge, daß das Sommerfett zu flüssig ist, daß die daraus bereiteten Salben in heißer Witterung fast schmelzen, daß man zur Bereitung von Pomade weißes Wachs, was ungefähr 3 bis 3½fachen Preis hat, oder Stearinsäure (gewöhnliches Stearin), die ungefähr den doppelten Werth hat, einschmelzen muß. Es ist deshalb von großem Interesse, das ganze Jahr hindurch ein gleiches festes Fett zu haben und also auch zur rechten Zeit seine Einkäufe zu machen. Das Schweinefett selbst ist nun wieder verschiedener Art, je nach dem Theile des Körpers, von dem es abstammt. Die äußere Fetthülle des Schweins, welche den ganzen Körper, besonders aber Rücken und Seiten umgiebt, ist viel leichter schmelzbar, als das im Innern des Körpers, längs den Rippen abgesetzte Fett. Letzteres oder das Lendensett ist vorzugsweise zum pharmaceutischen Gebrauche geeignet, und man verschaffe sich deshalb vom Metzger diese langen zusammenhängenden Stücke Fett, um sie selbst auszuschmelzen. Man trennt zunächst mit einem Messer alle noch darauf haftenden rothen und fleischigen Theile, so wie auch Häute, die es bedecken, schneidet es in kleine würfelförmige Stücke, wäscht diese mit Wasser, bis es farb- und geruchlos abläuft, und setzt sie in einem verzinnten kupfernen Gefäße auf ein gelindes und etwas entferntes Kohlenfeuer. Man rührt nun das Fett um, bis es aus dem weißen und milchartigen Zustande vollkommen klar und durchsichtig geworden ist, was die Entfernung des zwischengelagerten Wassers anzeigt. Nun lasse man es durch ausgespannte dichte Leinewand laufen, und rühre es so lange um, bis es weiß und undurchsichtig geworden ist. Dies kann entweder in den steinernen Töpfen selbst geschehen, in denen es aufbewahrt werden soll, oder in einer großen Schüssel, aus der man es, noch eben flüssig genug, in die steinernen Gefäße eingießt und hierin ganz erstarren läßt. Ohne dies entstehen durch die Zusaminenziehung des Fettes beim Erstarren (Dickwerben) Spalten, welche der Luft reichlichen Zutritt in’s Innere gestatten, und dadurch das Rauzigwerden begünstigen. Wollte man bis zum völligen Erstarren rühren, so würde man eine noch größere Menge Luft einrühren, die nun nicht mehr entweichen könnte, und das Uebel dadurch noch vergrößern. Man muß deshalb zur rechten Zeit mit dem Rühren aufhören, damit das Fett noch Beweglichkeit der Theile genug besitze, um sich dicht, ohne Zwischenlagerung von Luft, ausgießen zu lassen. Ohne diese Vorsicht scheidet sich auf der Oberfläche eine Menge ölartiges Fett aus, welches dem Ranzigwerden sehr unterworfen ist, und durch dessen Ausscheidung die Consistenz deö Fettes ungleich wird.“

Diese vortreffliche Zubereitungs- und Conservirungsmethode des Schweineschmalzes, aus dem Commentar zur preußischen Pharmakopoe von Dr. Friedrich Mohr, glaubten wir den Lesern nicht vorenthalten zu dürfen; einmal für Diejenigen, welche etwa in der Lage sind, große Schmalzvorräthe an Apotheker und Droguisten verwerthen zu können, dann für alle Die, welche diese oder jene Salben der Apotheke sich selbst herzustellen vermögen, und schließlich für die Hausfrauen, denen vielleicht daran gelegen ist, eine Menge reinen Schmalzes, ohne Salz, Zwiebeln etc. aufzubewahren. Für den Handel wird das Schmalz meistens in sorgfältig [380] gereinigte und vorher völlig ausgetrocknete große Blasen gefüllt, in denen es sich festgebunden vortrefflich hält und weithin verschickt werden kann.

Schließlich sei noch daran erinnert, daß jegliche Salbe, besonders bei längerem Gebrauch, durch sorgsames Aufbewahren vor dem Ranzigwerden zu behüten ist, wenn sie nicht ihre Wirksamkeit verlieren oder gar schädlich werden soll. Auch in Betreff der Haarpomade ist dies wohl zu beachten; ihr gegenüber ist Reinlichkeit und Sauberkeit, stets sorgfältiges Verschließen und gegen Nässe und Hitze Bewahren um so mehr zu empfehlen, da in ihrer Verderbniß das sonst unerklärliche Haarausgehen ganz gesunder und kräftiger Frauen wohl nur zu oft begründet sein mag.

Karl Ruß.

  1. Siehe dessen Commentar zur preußischen Pharmakopoe.