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Aus den Tagen des gemüthlichen Absolutismus

Textdaten
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Titel: Aus den Tagen des gemüthlichen Absolutismus
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aus: Die Gartenlaube, Heft 13, S. 208
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1864
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung: Inlandsgeheimdienst in Österreich und Preußen
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[208] Aus den Tagen des gemüthlichen Absolutismus. Zwar hat sich mit den Veränderungen, welche das gesammte Staatswesen Europa’s im Laufe des letzten Vierteljahrhunderts erfahren hat, auch die Polizeigewalt allmählich den modernen constitutionellen Bedingungen des Staatslebenn einigermaßen angepaßt, aber im Principe hat bei ihr doch das alte absolutistische Wesen bis auf unsere Tage ohne Weiteres fortgedauert. Namentlich aber hat Oesterreich seiner Zeit die polizeiliche Aufsicht über seine Bevölkerung mit unbedingter Folgerichtigkeit durchgeführt. Es gehörte zu den besonderen persönlichen Liebhabereien des Fürsten Metternich, unmittelbar mit Hülfe des Polizeichefs, Sedlnitzky, die Polizeiaufsicht über seine liebe Stadt Wien zu führen. Jeden Morgen erhielt er deshalb zum Kaffee einen genauen Bericht von allen am vorigen Tage der Polizei gemeldeten Vorfällen. Er konnte auf solche Weise z. B. auch die geheimen Liebesgänge der auswärtigen Diplomaten genau controliren, denn die Wiener Polizei scheute sich nicht, sogar die sogenannten „wilden Gräfinnen“ als ihre geheimen Agenten zu benutzen, um auch noch bei den wüstesten Orgien der Cavaliere etwaige mißliebige politische Aeußerungen zu erlauschen. Jeder Reisende, welcher in der Metternichschcn Zeit zu Wien verweilte, hatte daher alle Ursache, sich wohl zu hüten, daß er nicht dem Netze der „Spitzeln“, die selber sich die „Vertrauten“ nannten, verfiel.

Diese polizeiliche Ueberwachung der Residenz kostete dem österreichischen Staate jährlich über neun Millionen Gulden, und dessenungeachtet hat sie es nicht vermocht, die naturgemäße liberale Entwickelung des Landes hintanzuhalten. In naher Verbindung mit der Polizei wurde dann die Postverwaltung in Wien gehalten. Es genügte den ängstlich besorgten Gemüthern des herrschenden Systems nicht, blos die äußeren Handlungen zu beobachten, sie wollten ebenfalls ihre geheimsten Gedanken aus ihren Briefen erfahren. Uebrigens befolgte man in Preußen lange Jahre hindurch ganz das nämliche System, bis einst der alte Kurfürst von Hessen dieses Spiel vor der deutschen Welt offen aufdeckte. Er hatte nämlich seit längerer Zeit in Erfahrung gebracht, daß seine an den Gesandten in Berlin gerichteten Briefe jedesmal unterwegs geöffnet würden. Um nun diesen Betrieb den preußischen Ministern offen darzulegen, schickte er seinem Vertreter an der Spree insgeheim ein neues Siegelwappen, aus welchem die Löwen statt hängender stehende Schweife hatten. Ferner aber kamen seine Briefe noch mit Löwen von hängenden Schweifen bei dem Gesandten an, bis dann endlich dieser die Thatsachen den Ministern offen darlegte, die sie auch nicht weiter ableugnen konnten.

Wie man sich denken kann, machte die Geschichte in Berlin ein ungeheures Aufsehen und wurde an höchster Stelle nicht eben sehr gnädig verspürt, so daß man sich darüber manche piquante Anekdoten erzählte, die sich indeß hier nicht wiedergeben lassen.

Mögen diese Zustände für immer der Vergangenheit angehören!