Hauptmenü öffnen
Textdaten
<<< >>>
Autor: W–r
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Aus dem Leben des Orang-Outang
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 2, S. 26-28
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1860
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[26]
Aus dem Leben eines Orang-Outang.

Bei meiner letzten Anwesenheit in Samarang auf Java, im Jahre 1848, kaufte ich von einem holländischen Gutsbesitzer einen weiblichen Orang-Outang in der Absicht, ihn womöglich lebendig nach Deutschland zu bringen. Zwar wurde durch einen unglücklichen Zufall meine Absicht vereitelt, jedoch hatte ich Gelegenheit den Orang-Outang drei ein halb Monate lang beständig zu beobachten und glaube, daß die folgenden Data über die Lebensweise, Gewohnheiten und Eigenthümlichkeiten dieses sogenannten Waldmenschen nicht ohne Interesse sind.

Als ich das Thier kaufte, war es drei bis vier Jahr alt, vollständig ausgewachsen und maß vom Scheitel bis zur Sohle 3 Fuß 5 Zoll. Es war auf Sumatra jung eingefangen, gänzlich gezähmt und lief frei auf der Besitzung seines Herrn umher. Der Körper war mit langen rothbraunen Haaren bedeckt, die jedoch nur spärlich standen; der Kopf war ganz kahl, und seine schmutzig schwarze Haut, sowie überhaupt die ganze Erscheinung des Thieres machte einen höchst widerlichen Eindruck. Namentlich fiel der Mangel an Proportion in den einzelnen Theilen des Körpers auf, die langen fleischlosen Arme und Beine, der kurze, dicke, fast verschwindende Hals, die außerordentlich dicken wulstigen Lippen, während die Nase nur durch zwei runde Oeffnungen angedeutet wurde. Das einzige Schöne waren die großen braunen Augen, deren Ausdruck etwas so Menschliches hatte, daß man mit der übrigen Mißgestalt fast ausgesöhnt wurde.

So lange sich unser Schiff noch in den javanischen Gewässern befand, wählte der Orang-Outang das Verdeck zu seinem beständigen Aufenthalte und suchte sich Nachts eine geschützte Stelle, wo er der Länge nach ausgestreckt schlief. Während des Tages war er außerordentlich aufgeräumt, spielte mit anderen kleineren Affen, die sich an Bord befanden, und spazierte in dem Takelwerk umher. Ein besonderes Vergnügen schien er an Turnübungen und akrobatischen Kunststücken zu finden, die er mehrmals des Tages an den Tauen ausführte. So war es eine Lieblingsbewegung von ihm, zwei straff stehende und parallellaufende Taue mit den Füßen zu ergreifen, die Beine zu einer geraden Linie auszustrecken, mit über die Brust gekreuzten Armen längere Zeit in dieser Stellung zu verharren, dann plötzlich ein Salto Mortale zu machen, dabei die Taue mit den Händen zu ergreifen und den Körper herunterhängen zu lassen. Die Gewandtheit des Thieres und die bei diesen Bewegungen entwickelte Muskelkraft war staunenswürdig, und ich habe nie dergleichen gesehen. Um dem Leser einen Begriff von der letzteren zu geben, will ich nur Folgendes anführen. Ich hatte einige hundert Kokosnüsse mitgenommen, von denen der Orang-Outang täglich zwei erhielt, da sie in seiner Heimath seine Hauptnahrung ausmachen. Jeder, der eine reife und in ihrer Faserhülle befindliche Kokosnuß gesehen, wird Gelegenheit zu der Wahrnehmung gehabt haben, wie äußerst zähe jene zwei Zoll dicke Hülle ist und welche große Mühe es kostet, selbst mit einem Beile sie zu durchdringen. Der Orang-Outang setzte jedoch an dem spitzen Ende der Nuß, wo die Frucht, wie bei einigen Aepfeln, kleine Erhöhungen oder Buckel zeigt, die Zähne seines gewaltigen Gebisses in einen der letzteren, den rechten Hinterfuß gegen den anderen Buckel und riß auf diese Weise regelmäßig die so zähe Schale auseinander. Sodann bohrte er mit seinen spitzen Fingern eine der natürlichen Oeffnungen in der eigentlichen Nuß auf, trank die Milch aus, zerschlug darauf die Nuß an einem harten Gegenstande und fraß den Kern. – Sobald wir jedoch die Sundastraße verlassen hatten und etwas südwärts gingen, verlor das Thier mit der abnehmenden Wärme sein lebhaftes Temperament. Er turnte weder, noch spielte er mit den übrigen Affen, so oft dieselben ihn auch dazu animirten. Er kam nur noch selten auf das Verdeck und dann nie, ohne die wollene Decke seines Bettes hinter sich herzuschleppen und sich, sobald er still saß, vollständig in dieselbe einzuhüllen. Außerhalb der Wendekreise hielt er sich größtentheils in der Kajüte auf und auch dort konnte er stundenlang mit der Decke über den Kopf gezogen auf einem Flecke sitzen, ohne auch nur einmal den Kopf umzuwenden. Sein Bett bestand aus einer Seegrasmatratze, einem eben solchen Kopfkissen und einer wollenen Decke. Obwohl er auf dem Gute seines früheren Herrn stets nur in dem Winkel eines Schuppens übernachtet hatte, nahm er vom ersten Tage an das ihm offerirte Bett gern an und schien es sehr behaglich zu finden. Sein Zubettgehen war jedoch stets mit großen Umständlichkeiten verknüpft und nie schlief er ein, ohne zwei bis drei Mal wieder aufgestanden zu sein und Kopfkissen oder Matratze wiederholt geglättet zu haben. Dies that er stets mit dem Rücken der Hand und nicht selten klopfte er fünf Minuten lang auf die vermeintlich unebenen Stellen. Schien es ihm endlich recht, so streckte er sich auf den Rücken aus, zog die Decke um sich, sodaß nur die Nase mit den dicken Lippen frei blieb, und lag in dieser Stellung die ganze Nacht, oder vielmehr zwölf Stunden, ohne sich zu rühren. Ich sagte hier zwölf Stunden, weil er nur in seiner Heimath während der Nacht schlief. Sein Aufstehen und Niederlegen war dort so regelmäßig, wie eine Uhr. Punkt sechs Uhr, mit Sonnenaufgang erhob er sich und legte sich zu Bett, sobald der letzte Strahl der Sonne unter dem Horizonte verschwand, was bekanntlich in der Nähe des Aequators (Sumatra und Java liegen nur einige Grade von letzterm entfernt) um 6 Uhr Abends stattfindet. Als wir jedoch westwärts segelten und demgemäß immer mehr in Zeit abwichen, bemerkten wir, daß der Orang-Outang täglich früher zu Bett ging und, weil er zwölf Stunden schlief, auch ebensoviel früher aufstand. Anfänglich achteten wir nicht darauf, zuletzt wurde es jedoch zu auffällig, um länger unserer Aufmerksamkeit zu entgehen. Wenn diese Veränderung des Schlafengehens auch nicht genau mit der Zeitveränderung des Schiffes im Verhältniß [27] stand, so war doch eine Regelmäßigkeit nicht zu verkennen, und auf dem Meridiane des Caps der guten Hoffnung ging das Thier bereits um zwei Uhr Nachmittags zu Bett, und stand um zwei Uhr Morgens auf. Bei dieser Zeit blieb es, so lange der Orang-Outang noch lebte, obwohl wir später noch zwei Stunden Zeit veränderten, und es war dies um so auffallender, als man sich keine rechte Erklärung davon zu geben vermochte. Hätte der Instinct des Thieres genau die zwölf Stunden des Wachens und Schlafens innehalten können, so müßte der Orang-Outang am Cap der guten Hoffnung um zwölf Uhr Mittags zur Ruhe gegangen sein, da der Zeitunterschied zwischen Java und dem Cap sechs Stunden beträgt. Statt dessen ging er um zwei Uhr zu Bett und verblieb dabei, trotz dem wir noch weitere zwei Stunden Zeit vorrückten. Was waren also die Gründe dieser sonderbaren Erscheinung? Ich habe sie nicht entziffern können.

Außer den erwähnten Kokosnüssen waren gekochtes Salzfleisch, Mehl und Sago die Lieblingsspeisen des Orang-Outang. Wo er irgend des ersteren habhaft werden konnte, wandte er alle mögliche List an und während der Mahlzeiten mußte er in der Kajüte angekettet werden, um nicht plötzlich mit den langen Armen oder Beinen auf dem Tische zu erscheinen und mit einem eben so geschickten als kühnen Griffe die ganze Fleischportion zu stehlen. Wenn er sie einmal gefaßt halte, war es unmöglich, sie ihm wieder fortzunehmen. Er ließ sich schlagen, aber die Beute gab er nicht wieder los und vertilgte mit Leichtigkeit drei bis vier Pfund Fleisch auf einmal. Um sich Mehl zu verschaffen, stattete er täglich einen Besuch in der Küche ab, wußte jedoch jedesmal eine augenblickliche Abwesenheit des Kochs zu benutzen, um die Mehltonne zu öffnen, einige tüchtige Hände voll zu nehmen und sich letztere an seinem Schädel abzuwischen, so daß er stets gepudert zurückkam. Dieser Mehldiebstahl wurde ihm jedoch eines Tages unangenehm verleidet. Der Kcch hatte kurz bevor der Orang-Outang in der Küche erschien, den großen Theekessel vom Feuer ab und auf den Fußboden gesetzt. Bobi, so wurde das Thier genannt, kam, nahm den Deckel von der Mehltonne, fand dieselbe aber zu seinem Aerger so leer, daß er kaum genug hatte, um sich den Kopf einzupudern. Wahrscheinlich aus Rache für diese Täuschung wollte er dem Koch einen Possen spielen, schaute vorsichtig umher, ob Niemand gegenwärtig sei, und drehte rückwärts, gegen den Kessel gekehrt, dessen Krahn auf. Er hatte jedoch nicht berechnet, daß der Ausläufer seines Rückens sich unter dem Krahn befand und wurde plötzlich durch das kochende Wasser daran erinnert. Mit einer Eilfertigkeit, wie ich sie früher und später nie an ihm wahrgenommen, stürzte Bobi jetzt aus der Küche nach dem Hinterdeck und in die Kajüte hinunter, vermied es jedoch fortan sorgfältig, der ersteren sich wieder zu nähern.

Zweimal wöchentlich stattete er den Matrosen in ihrem Logis seinen Besuch ab, nämlich Dienstags und Freitags, sobald acht Glas (12 U. Mittags) geschlagen wurde. An diesen Tagen aßen die Leute Sago mit Zucker und Zimmt, und er verfehlte nie, sich dabei zu Gast zu bitten. Sonst ging er selten freiwillig in das Logis, obwohl er bei den Matrosen sehr beliebt war und von einem derselben Stunden lang wie ein Kind umhergetragen wurde. Ebenso regelmäßig stellte er sich um zwei Uhr in der Kajüte ein, um an unserm Tische Theil zu nehmen, obwohl er jedesmal dabei festgekettet wurde. Beim Essen war er sehr manierlich und gegen die Gewohnheit der Affen reinlich. Ich gab ihm zur Suppe stets einen Löffel in die Hand, ohne ihn dahin bringen zu können, daß er denselben richtig benutzte. Er tauchte ihn einige Male verkehrt ein, leckte ihn ab, legte ihn aber bald bei Seite, um den Teller an den Mund zu setzen und die Suppe, ohne einen Tropfen zu verschütten, auszutrinken.

Spirituosen liebte er ungemein und er erhielt auch jeden Mittag sein Glas Wein, das er in einem Zuge austrank oder vielmehr zunächst in seine Unterlippe goß. Diese wulstige Fleischmasse konnte er durch Vorstrecken in einen drei Zoll langen und an der Basis eben so breiten Löffel verwandeln, der Raum genug hatte, um ein ganzes Glas Wasser aufzunehmen, und nie trank er Wasser oder Wein, ohne dies eben so sonderbare, als komische Manöver auszuführen. Nachdem er das betreffende Glas sorgfältig berochen, construirte er den Lippenlöffel, goß das Getränk hinein und schlürfte es sehr bedächtig und langsam zwischen den Zähnen hinunter, als ob er sich hätte einen recht dauernden Genuß davon verschaffen wollen. Oefter währte dies Schlürfen zehn Minuten, und erst dann hielt er das Glas von Neuem hin, um sich eine zweite Portion auszubitten. Nie machte er ein Glas oder ein Gefäß von Porcellan entzwei, in dem ihm Trank und Speise gereicht wurde, sondern setzte es behutsam fort. Er unterschied sich dadurch vortheilhaft von den übrigen Affen, die alles Geschirr sofort zerschlugen.

Was man von dem Aufrechtgehen des Orang-Outang erzählt, scheint mir Fabel zu sein. Der meinige that es nie, sondern setzte die beiden Hände auf den Boden und schob mit den Beinen hindurch, gerade wie an den Füßen gelähmte Menschen sich mit Krücken fortbewegen. Nur ein einziges Mal habe ich gesehn, daß er sich an der Schiffswand aufrichtete und einige Schritte ging. Dabei hielt er sich jedoch, wie ein Kind, das gehen lernt, mit beiden Händen fest.

Er kletterte während der Reise sehr selten in der Takelage umher, und dann ungemein langsam und bedächtig. Gewöhnlich ging er nur nach oben, wenn ein kleiner Lampun, sein Liebling, wegen einer Unart gestraft werden sollte. In diesem Falle retirirte sich der kleine Delinquent regelmäßig unter den Bauch des Orang-Outang, klammerte sich dort fest, und Bobi spazierte mit seinem kleinen Schützlinge in die Takelage hinauf, bis die Gefahr verschwunden schien.

An Stimmlauten besaß Bobi nur zwei. Ein schwacher pfeifender Kehllaut, bei dem jedoch die Lippen geschlossen blieben, bezeichnete sowohl Freude wie Schmerz und war das einzige Kennzeichen seiner Gemüthsstimmung. Der Ausdruck seiner Gesichtszüge blieb sich ewig gleich, und nie war daran zu merken, ob er heiter oder trübe gestimmt war. Wenn er sich sehr fürchtete, stieß er ein schreckliches Gebrüll aus, das an Ton und Stärke dem Angstgebrüll einer Kuh sehr ähnlich war. Diese Laute gab er während der Reise nur zwei Mal von sich, jedoch so anhaltend, daß ich ihn kaum zu beruhigen vermochte. Das eine Mal war eine nahe beim Schiffe vorbeiziehende Heerde Pottfische die Veranlassuug dazu, die er von dem großen Boote aus erblickte. Das zweite Mal flößte ihm der Anblick verschiedener Wasserschlangen Entsetzen ein, die ich in Stopfflaschen von Java mitgebracht und eines Tages auf das Deck genommen, um den Spiritus zu wechseln. Wahrscheinlich sind Schlangen seine Todfeinde, und er mag auch wohl die schwarzen Rücken der Pottfische für solche oder für Krokodile angesehen haben.

Als wir uns nach Umschiffung des Caps der guten Hoffnung abermals den Tropen näherten, hielt er sich wieder mehr auf dem Deck auf; seine anfängliche Munterkeit kam aber nicht wieder, und auch nur an sehr heißen Tagen erschien er ohne Decke hinter sich. Er war jedoch stets gesund und litt nur bisweilen an Verstopfung, wenn er viel Salzfleisch genossen hatte. Schon befanden wir uns vor dem Eingange des englischen Canals und ich gab mich der Hoffnung hin, ihn lebendig nach Hamburg zu bringen, als ein unglücklicher Zufall seinem Leben ein Ende machte.

In der hintern Sitzbank der Kajüte waren die Wein- und andern Rumflaschen verstaut und am Tage vorher umgepackt. Der Kellner hatte dabei acht bis zehn volle Rumflaschen auf den Boden der Bank und etwa vierzig leere Bouteillen in Stroh darüber gelegt, ohne später die Bank, wie es sonst der Fall war, zu verschließen. Bobi hatte von seiner Lagerstätte aus dies Geschäft mit angesehen, schien jedoch mit seinem ewig unveränderlichen Gesicht keine Notiz davon zu nehmen und that, als ob ihn die Rumflaschen gar nichts angingen. Wie schon bemerkt, legte er sich um diese Zeit um zwei Uhr zu Bett und stand eben so früh auf. Ich hatte in der folgenden Nacht die Mitternachtswache und hörte gegen drei Uhr ein Geräusch in der Kajüte, als ob Jemand mit Flaschen klapperte. Als ich durch das einfallende Licht hinunterblickte, sah ich beim Schimmer der auf dem Tische brennenden Nachtlampe wirklich eine Gestalt bei der Spirituosenbank beschäftigt und eilte deshalb hinunter. Wie erstaunte ich aber, als ich meinen Orang-Outang mit einer Rumflasche vor dem Munde traf, die er, als ich sie ihm fortriß, fast gänzlich geleert hatte! Vor ihm lagen sämmtliche leere Flaschen behutsam in Stroh gewickelt; die endlich gefundene volle war auf sehr geschickte Weise von ihm entkorkt und er hatte seinem Verlangen nach Spirituosen völlig Genüge thun können.

Etwa zehn Minuten nach diesem Vorgänge wurde das Thier plötzlich lebendig. Er sprang auf Stühle und Tische, machte die lächerlichsten Bewegungen und Capriolen und gebehrdete sich mit steigender Lebhaftigkeit wie ein betrunkener und zuletzt wie ein wahnsinniger [28] Mensch, sodaß ich ihn nicht zu bändigen vermochte. Dieser Zustand hielt ungefähr eine Viertelstunde lang an; dann fiel er plötzlich zu Boden, es trat ihm Schaum vor den Mund und er lag steif und regungslos. Da ich glaubte, daß er im Sterben sei, legte ich ihn in sein Bett; jedoch kam er nach einigen Stunden wieder zu sich, aber nur um in ein heftiges Nervenfieber zu verfallen, an dem er nach 14 Tagen starb. Während dieser Zeit nahm er nichts mehr zu sich, als etwas Wein mit Wasser. Ich gab ihm nach den an Bord gebräuchlichen Vorschriften die betreffenden Arzneien für seine Krankheit, und er nahm sie auch willig ein. Ich hatte ihm einmal an den Puls gefühlt, und seitdem streckte er mir jedesmal, wenn ich an sein Lager trat, die Hand entgegen. Dabei hatte sein Blick etwas so Rührendes und Menschliches, daß mir öfters die Thränen in die Augen traten. Seine Kräfte nahmen allmählich ab, bis er am vierzehnten Tage nach einem heftigen Fieberanfalle, während dessen er stark phantasirte, verschied.

Ich steckte die Leiche in Spiritus und schenkte sie bei meiner Ankunft in Hamburg dem dortigen Museum, wo Bobi jetzt von der kunstreichen Hand des Custos Siegl ausgestopft neben seinem eigenen Skelette steht.
W–r.