Auch ein Lied an den lieben Mond

Textdaten
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Autor: Gottfried August Bürger
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Titel: Auch ein Lied an den lieben Mond
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aus: Gedichte, S. 325–328
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Auflage:
Entstehungsdatum: 1778
Erscheinungsdatum: 1778
Verlag: Johann Christian Dieterich
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Erscheinungsort: Göttingen
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Quelle: Commons
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Auch ein Lied an den lieben Mond.
Im April 1778.


     Ei! schönen guten Abend dort am Himmel!
Man freuet sich, Ihn noch fein wohl zu sehn.
Wilkommen mir, vor allem Sterngewimmel!
Vor allem Sterngewimmel lieb und schön! –

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     Was lächelst du so bitlich her, mein Theurer?

Wilst du vielleicht so was von Sing und Sang?
Ganz recht! Wofür auch wär’ ich sonst der Leirer,
Das Saitenspiel bisher – so so! – noch klang?

     Es wäre ja nicht halb mir zu verzeihen,

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Das mus ich selbst treuherzig eingestehn,

Da alle Dichter dir ein Schärflein weihen,
Wolt’ ich allein dich stum vorüber gehn.

     Besonders da ich jezt mit einem Bande,
Vol meiner Reimereien, her und hin,

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Im ganzen wehrten teutschen Vaterlande,

Hausiren umzugehn entschlossen bin.

     Auch bist du’s wehrt, mein sanfter, holder, lieber - - -
Ich weis nicht recht, wie ich dich nennen sol?
Man oder Weib? – Schon lange war ich über

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Und über deines warmen Lobes vol.


     So wissen’s dann die Jungen und die Alten,
Was immerdar auch meine Wenigkeit
Vom schönen lieben Monde hat gehalten,
Und halten wird in alle Ewigkeit!

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     Die Sonn’ ist zwar die Königin der Erden.

Das sey hiermit höchstfeierlich erklärt!
Ich wäre ja von ihr beglänzt zu werden,
Verneint’ ich dies, nicht eine Stunde wehrt.

     Wer aber kan, wann sie im Stralenwagen

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Einher an blauer Himmelsstrasse zieht,

Die Glorie in seinem Aug’ ertragen,
Die ihre königliche Stirn umglüht?

     Du, lieber Mond, bist schwächer zwar und kleiner,
Ein Kleid, nur recht und schlecht, bekleidet dich;

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Allein du bist so mehr, wie Unsereiner,

Und dieses ist gerade recht für mich.

     Ich würde mir’s fürwahr nicht unterstehen,
Mit ihrer hocherhabnen Majestät
So brüderlich und traulich umzugehen,

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Wie man noch wol mit dir sich untersteht.


     Die Sonne mag uns tausend Segen schenken.
Das wissen wir und danken’s herzlich ihr.
Doch weis sie auch es wieder einzutränken,
Und sengt und brent oft desto bas dafür.

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     Du aber, aller Kreaturen Freude!

Den jeder Mund so treu und froh begrüst,
Bist immer gut, thust nimmer was zu Leide.
Kein Biederman hat je durch dich gebüst.

     Wär’ ohne sie die Welt nur hell und heiter,

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Und frör’ es nur nicht lauter Eis und Stein,

Und Wein und Korn und Obst gediehe weiter,
Wer weis? so liess’ ich Sonne Sonne seyn.

     Dich liess’ ich mir in Ewigkeit nicht nemen,
Wofern mein armes Nein was gelten kan.

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Ich würde bis zum Kranken mich zergrämen,

Verlör’ ich dich, du trauter Nachtkumpan!

     Wen hätt’ ich sonst, wann um die Zeit der Rosen,
Zur Mitternacht mein Gang um’s Dörfchen irt,
Mit dem ich so viel liebes könte kosen,

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Als hin und her mit dir gekoset wird?


     Wen hätt’ ich sonst, wann überlange Nächte
Entschlummern mich, du weist wol was? nicht läst,
Dem alles ich so klagen könt’ und möchte,
Was für ein Weh mein krankes Herz zerprest?