Artemisia Henriette Mariane von Montenglaut (Schindel)

Textdaten
Autor: August von Schindel
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Artemisia Henriette Mariane von Montenglaut
Untertitel:
aus: Die deutschen Schriftstellerinnen des neunzehnten Jahrhunderts. Zweiter Theil, M-Z, S. 14–18
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1825
Verlag: F. A. Brockhaus
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Digitalisat auf Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite

[014] Montenglaut (Artemisia Henriette Mariane von), geb. von Cronstain, geb. den 26. Februar 1768 zu Böhme bei Hannover, eine Tochter [015] des als Capitain beim leichten Dragonerregimente der Königin gestandenen nachherigen Majors v. Montenglaut, der, in den feinsten Cirkeln der gebildeten Welt erzogen und selbst musikalischer Dilettant und Dichter, den Verstand seiner Tochter ausbildete. – Da seine Gattin, eine reiche niederländische Erbin, eine Frau von vielem Verstande, aber einer andern Art der Ausbildung, seine pädagogischen Ansichten nicht theilte, wurde die Tochter nach Holland in eine französische Pensionsanstalt gebracht und nur mit der alten classischen Literatur und einigen ältern vaterländischen Dichtern bekannt. – Später erst lernte sie die englische Sprache. – Sie lebte einige Zeit an dem Hofe der Markgräfin Äbtissin in Herford. – Ihr Vater, ein vertrauter Freund des Dichters Gleim, starb, und ein Wechsel von mancherlei Schicksalen war das Loos Henriettens v. Montenglaut. – Eine von ihr eingegangene eheliche Verbindung mit dem Criminaldirector Consbruch in Herford wurde durch Scheidung, eine zweite durch den Tod ihres Gatten getrennt. – Als Witwe heirathete sie den emigrirten Freiherrn? Pidoux de Montenglaut, vormals Obersten eines französischen Regiments, der im Jahr 1800 in Altona an den Folgen des schwermüthigsten Heimwehs und des Schreckens wegen des in einem Hamburger Banquerout verlornen, obschon aus Frankreich zum Theil geretteten Vermögens in der Blüthe seines Lebens starb. – Alle frühere bis dahin erlittene Verluste und ungünstige Schicksale seiner Witwe wurden durch diesen Schlag, der ihr den so innig geliebten Gatten raubte, überwogen. – Eine neue Prüfung mußte sie in demselben Jahre durch den [016] Verlust ihres Kindes, das wegen der überraschenden Ähnlichkeit mit dem Vater der Gegenstand ihrer zärtlichsten Mutterliebe war, erfahren. – Ihr Vermögen war schon früher ein Raub der französischen Revolution geworden.

Schon in frühern Jahren war es ihr fast zum Bedürfniß geworden, ihre von ihren Ältern ererbten Anlagen zur Dichtkunst zu üben. – Der Drang ihrer durch widrige Schicksale aufgeregten Empfindung sprach sich in jenen Versuchen schon aus; sie war aber weit davon entfernt, sie zur öffentlichen Bekanntmachung zu bestimmen. – Ganz wider ihren Willen und ohne ihr Wissen ließ Giesecke einige ihrer Gedichte der Art drucken, und eine Freundin, Fräulein v. Ittner, lieferte später einige ihr anvertraute Kleinigkeiten in die Erheiterungen. – Im Jahr 1812 lieferte sie selbst anonym einige Aufsätze ins Morgenblatt. – Ein sehr edler Zweck, den sie im Auge hatte, bewog sie endlich im Jahr 1814, ihre dichterischen Versuche zu sammeln und unter dem Titel Herbstblumen herauszugeben. – Sechs Jahre theilte sie seitdem öffentlich nichts mit, übersetzte aber indeß die Merope metrisch, weil ihr die Gotter’sche Übersetzung nicht mehr genügte, und lieferte manche von ihren Aufsätzen in Zeitschriften. – Im Jahr 1822 übersetzte sie, unter dem angenommenen Namen P. v. Husch, einen sehr witzigen franz. Roman, das Kind Europ’as, mit freier Bearbeitung. – Das Unglück war für sie eine Schule der geistigen Bildung, und ihr Schmerz stimmte sie zu dem schwärmerischen Sinne, der in ihren neuen Schriften hervorleuchtet. – [017] Sie hat die vollständige Geschichte ihres Lebens beendet, deren Bekanntmachung aber erst nach ihrem Tode erfolgen dürfte.

§. §. * Die verwegenen Gelübde, a. d. Franz. d. Frau v. Genlis. 2 Thle. Hamburg. 1799. 8. (1 Thlr. 16 Gr.)

* Herbstblumenkranz, niedergelegt auf das Grab des ehrwürdigen Greises, des lieblichen Dichters Jacobi. m. 5 Musikbl. Darmstadt. 1814. 8. (1 Thlr. 8 Gr.)

* Walter Scott, der Pirat, a. d. Engl. übers. 3 Bde. Berlin. 1822. 8. (2 Thlr.)

* Fünf und zwanzig schottische und engl. Lieder mit Musik von Beethoven. Berlin. 1822.

* Nordlands Heideblüthen. Berlin. 1823. 8. (1 Thlr.)

* Das Kind Europa’s, oder die fünf Märtyrer der Zeit. Ein satyrisch politischer Roman, n. d. Franz. frei bearb. von P. v. Husch. Berlin. 1822. 8. (1 Thlr. 6 Gr.)

* W. Scott’s Montrose und seine Gefährten, a. d. Engl. 2 Bde. Zwickau. 1823. 16. (16 Gr.), oder 49. u. 50. Bdchen. der Schumannschen Samml. d. Übers. v. W. Scott’s Werken.

Künftig erscheint von ihr in der Schumannschen Samml. d. Übers. v. W. Scott:

Die Braut, in 3 Bden.; und ferner, ein Schauspiel, aus W. Scott’s Piraten gezogen, in 5 Acten in Jamben.

Erzählungen. (zu Ostern 1824.)

Eine Übers. von Voltaire’s Merope, ein Trauersp. In Jamben. (Nächstens bei Schumann in Zwickau.)

Außerdem

* Gedichte in J. O. Gieseckens Gedichten.

Beiträge in Zeitschriften:

* Im Morgenblatt, anonym 1812. 1822. Nr. 250. Correspondenznachricht über die wohlthätige Anstalt des Grafen v. d. Reck. – Vollmarstein in Düssetthal. – Nr. 253. An den Stifter dieser Anstalt, Ged.

* In Evers Weltbegebenheiten. (Altona 1800.) Übers. [018] In Bertuch’s Journal d. Moden. 1814. Jan. S. 46–49. (Mit ihrem Namen.) – Aspafia an ihre Zeitgenossen. – Glückwünsche an die Frau Großh. v. Hessen bei der Rückkehr des Prinzen Emil. – Mann und Mannsperson. – Die blaue Farbe.

In Kuhn’s Freimüthigem, z. B. 1820. Oct. Klio’s Wort an das preußische Volk. Nr. 240. Die Perlenschnur. Nr. 250. Auszüge aus ungedruckten Briefen geistreicher Frauen. – 1821. Probelieder aus 25 engl. und schottisch. Liedern übers.

In d. Zeit. f. d. eleg. Welt. 1821. An den Abendstern. Nr. 51. Schäferlied und Fischerlied, n. d. Schottischen. – Nr. 75. Nachruf an die Frau v. Stael. 1822. Nr. 100. An Matthisson, (bei Erscheinung der Griechenlieder von Wilh. Müller in Dessau.) – 1823. Nr. 27. f. Reminiscenzen aus der Bibliothek zu Wolfenbüttel.

In Symanski’s Zuschauer, 1822.

Im Taschenbuch f. deutsche Frauen, a. J. 1802. S. 301 f. Mein gestriger Abend.

In d. Abend-Zeitung. 1821. Nr. 44. Lied am Bodensee. – Nr. 52. Männerklage, n. d. Engl. – Nr. 64. Der Abend, n. d. Schott. – Nr. 191. Ballade aus the legend of Montrose, von W. Scott. – 1823. Nr 173. Was ist Lieben? Geb.

In Zschokke’s Erheiterungen. 3ter Jahrg. 1ter Bd. S. 232. f. Heimweh. – Der verlorne Pfad.

In d. Iris. (Berlin 1823.)

In K. Schall u. K. v. Holtei, Deutschen Blättern für Poesie u. s. w. a. J. 1823, Reminiscenzen einer Französin auf der Reise nach England.

Vergl. Meusel XVIII. 729. – Raßmann’s Pantheon: S. 221.