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Textdaten
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Autor: unbekannt
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Titel: Anita Garibaldi
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aus: Die Gartenlaube, Heft 10, S. 163
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1888
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[163] Anita Garibaldi. Der gefeierte italienische Freiheitsheld hatte nach 1834, nachdem er in Genua als republikanischer Verschwörer zum Tode verurtheilt worden, aber glücklich entkommen war, ein abenteuerliches Leben geführt. Eine Zeit lang stand er im Dienste des Bey von Tunis; dann hatte er sich nach Amerika begeben und den Republiken Rio Grande do Sul und Montevideo nach einander seine Dienste im Kriege gegen Brasilien gewidmet. Zu Land und Wasser ein kühner Freibeuter, that er den Brasilianern, besonders als Kommandant von Kapern, grossen Schaden. In seinen jetzt bei Barbéra in Florenz erscheinenden Memoiren, von denen der „Neuen Freien Presse“ die Aushängebogen mitgetheilt worden sind, schildert er diese Epoche seines Lebens mit der größten Ausführlichkeit. Eine interessante Episode darin bildete die Liebe zur Spanierin Anita, der Mutter seiner Söhne Menotti und Ricciotti und seiner Tochter Teresita.

Es ist dies eine Frauengestalt von romantischem Reiz; er selbst nennt sie „die Gefährtin seines Lebens in guten und bösen Tagen, die Frau, deren Muth er sich oft gewünscht“. Er schildert die erste Begegnung: „Wir betrachteten uns gegenseitig verzückt und schweigend wie zwei Menschen, die sich nicht zum ersten Male sehen, sondern einer in des Andern Zügen eine Stütze für sein Gedächtniß suchen. Endlich begrüßte ich sie und sagte: ‚Du mußt mein werden.‛ Ich sprach nur wenig portugiesisch und brachte die kecken Worte italienisch hervor; aber ich wirkte mit meiner Unverschämtheit magnetisch. Ich hatte einen Spruch gefällt, einen Knoten geschlungen, den nur der Tod lösen konnte; ich hatte einen verborgenen Schatz gehoben, aber einen Schatz von großem Werthe. War eine Schuld dabei, so fiel sie ganz auf mich.“ Dies bezieht sich darauf, daß Anita verheirathet war und ihre Ehe, nach katholischem Ritus geschlossen, nicht geschieden werden konnte.

Treulich begleitete sie Garibaldi auf allen seinen Kriegszügen, in seinen Kämpfen für Montevideo. Als seine Flotte, während er auf dem Lande verweilte, von feindlicher Uebermacht angegriffen wurde, übernahm Anita den Oberbefehl und feuerte selbst das erste Geschütz auf die Feinde ab. Während der langen Belagerung Montevideos durch die Brasilianer wich sie nicht von der Seite ihres Gatten. Auf dem schrecklichen Rückzuge durch den Urwald de las Antas, der im größten Sturm und unter tropischen Regengüssen ausgeführt wurde, gab ihr tröstlicher Zuspruch den verzagenden Soldaten neuen Muth: sie sahen ja, wie tapfer das Weib ihres Führers sich aufrecht hielt, während sie noch dazu ihr drei Monate altes Söhnchen im Arme trug.

Ein anderer Rückzug sollte ihr aber verhängnißvoll werden. Als Garibaldi, nach Europa zurückgekehrt, 1849 nach einer glänzenden Vertheidigung der ewigen Stadt den Franzosen weichen mußte, da begleitete ihn Anita auf seinen abenteuerlichen Hinundherzügen; doch diese Strapazen ertrug sie nicht; sie erlag bei Ravenna den Folgen einer Niederkunft. In rührender Weise beklagt Garibaldi in seinen „Memoiren“ Anita's frühen Tod: man muß in ihr eine Heldin sehen, ähnlich denjenigen, wie sie die Phantasie begabter Dichter geschaffen, die mit Unrecht überschwenglicher Erfindung angeklagt wurden: Anita Garibaldi hat die Romantik früherer Zeiten in der Gegenwart wieder auferweckt.