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Textdaten
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Autor:
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Titel: An ihren Sohn
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aus: Die Gartenlaube, Heft 42, S. 708
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1897
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[701]
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An Ihren Sohn.
Nach einem Gemälde von Gerh. Janssen.

[708] An ihren Sohn. (Zu dem Bilde S. 701.) Sie schreibt nicht oft, die alte Frau, die wir hier in stiller Einsamkeit die Feder führen sehen. Ihre Hand ist an rauhere Arbeit gewöhnt, und der Tisch, an dem sie sitzt, dient sonst gröberer Hantierung. Es muß schon ein wichtiger Anlaß sein, der sie zwingt das verstaubte Tintenfaß hervorzuholen und einen eigens dafür eingekauften Briefbogen mit ihren ungefügen Schriftzügen zu bedecken. Doch was giebt es Wichtigeres für eine Mutter, als die Sorge um den Sohn, den sie in ferner fremder Umgebung weiß, hingegeben an einen schweren strengen Beruf, ausgesetzt den Versuchungen und Verführungen einer übervölkerten Stadt? Wie lästig ihr auch das Schreiben fällt, an den Sohn schreibt sie gern! Für ihn war ihr nie eine Mühe zu groß, für ihn, den sie aufgezogen hat mit aller zärtlichen Liebe eines Mutterherzens, wie oft sie auch darben mußte, damit er gedeihe. Und während sie zurückdenkt an die Zeit da er noch unter ihrer Obhut aufwuchs, überkommt sie der tröstliche Gedanke an all die Freude, die sie an dem Jungen schon erlebt hat, und ihre Sorge weicht der Zuversicht, daß er auch in der Ferne weiter gedeihen werde – der Stolz, die Freude ihres einsamen Alters!