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Titel: An den Fabeldichter Wilhelm Hey
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aus: Die Gartenlaube, Heft 12, S. 200
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1889
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung: Kurzbiographie von Wilhelm Hey
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[200] An den Fabeldichter Wilhelm Hey erinnert der 26. März dieses Jahres, der hundertjährige Geburtstag des Kinderfreundes, dessen „50 Fabeln“ und „Noch 50 Fabeln“ seit mehr als einem halben Jahrhundert in jedem deutschen Hause bekannt und heimisch sind, ein unübertrefflicher Schatz für Herz und Gemüth unserer Jugend. Hey war Theologe, lange Zeit Pfarrer in Töttelstedt, später Hofprediger in Gotha und endlich Superintendent in Ichtershausen, wo er am 19. Mai 1854 starb. Seine theologischen Schriften erwarben ihm in den Kreisen der Amtsgenossen einen verdienten Ruf, ohne daß sie deshalb in weitere Kreise eindrangen; aber die Fabeln, von Otto Speckters Meisterhand illustrirt, trugen seinen Namen schnell in alle Winde. Es ist schwer zu sagen, in wie vielen Exemplaren die Fabeln heute verbreitet sind; „es werden jedenfalls,“ schreibt der Verleger derselben, Friedrich Andreas Perthes in Gotha, mit dessen Familie Hey aufs innigste befreundet war, „anderthalb bis zwei Millionen sein. Von den hauptsächlichsten Ausgaben werden jedes Jahr ein bis zwei Neudrucke veranstaltet, aber eine Auflage ist nie angegeben worden.“ Zahllose Nachahmungen der Heyschen Fabeln haben die meisterhaften Vorbilder weder erreichen noch verdrängen können und wenn auch für den Dichter in den meisten Literaturgeschichten kaum ein Platz von wenigen Zeilen übrig ist, seine Dichtungen selbst sorgen dafür, seinem Namen den gebührenden Ehrenplatz dauernd zu sichern. Die Fabeln prägen sich dem Gedächtniß geweckter Kinder geradezu unauslöschlich ein und mit der heranwachsenden Jugend wächst der Dichter in jede neue Generation hinein.

Eine eingehende Biographie Heys besitzen wir von Theodor Hansen (Gotha, F. A. Perthes), eine weniger umfassende von I. Bonnet (ebenda). Beide machen uns mit dem Wesen des Dichters und seiner Werke, theils nach seinen eigenen Briefen, theils nach Mittheilungen von Freundeshand, vertraut. Aber beide lassen eines vermissen, was wir gern in ihnen gefunden hätten: ein Bildniß des Dichters. Es ist keines vorhanden. Der allzu bescheidene Hey verweigerte es standhaft, irgend ein Porträt von sich anfertigen zu lassen. Eine von Freundeshand heimlich ausgeführte Zeichnung wanderte vor dessen Augen in den Ofen.
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