Textdaten
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Titel: Alte Schulzucht
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aus: Die Gartenlaube, Heft 40, S. 440
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
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Erscheinungsdatum: 1853
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung: Erinnerungen an die Karlsschule in Stuttgart
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[440] Alte Schulzucht.. Der Freiherr Ludw. v. Wolzogen, dessen Memoiren Alfred v. Wolzogen herausgegeben hat, erlebte auf der Karlsschule in Stuttgart, wo er seit seinem achten Jahr unterrichtet wurde, unter andern zwei ergötzliche Vorfälle, die wir hier mittheilen. Der Herzog Karl erschien fast täglich in den Klassen und war bei den Prüfungen der Schüler, denen er oft selbst Fragen vorlegte, gegenwärtig. Bei einer solchen Gelegenheit nun hatte sich ein Schüler in der Mathematik so schwach bewiesen, daß der Herzog, darüber erzürnt, ihn anfuhr: er solle sich zum Teufel scheren und Wolzogen an die Tafel lassen. Dieser, nicht viel besser beschlagen als sein Vorgänger, und also gleiches Schicksal befürchtend, erinnerte sich zu seinem Glück, daß der Herzog von der Mathematik ebenfalls wenig verstand und durch Keckheit leicht zu täuschen sein werde. Er begann also drauf los zu demonstriren und gelangte zu einer Gleichung, bei welcher dem Lehrer und den Schülern die Haare zu Berge standen, der Herzog aber ihn der ganzen Klasse als Muster vorstellte. – Noch interessanter ist der zweite Fall. Vergehen der Schüler wurden auf Zetteln verzeichnet, welche sie eigenhändig dem Herzog überreichen mußten. Eines Tages kam dieser am Arm seiner Franziska von Hohenheim in die Klasse, wo ihm ein Schüler, Graf Nassau, der gewöhnlich reichlich mit dergleichen Zetteln versorgt war, auch diesmal ein ziemlich starkes Sündenregister überreichte. Das war ihm doch zu arg und er herrschte den Delinquenten zornig an: Aber Graf Nassau, wenn Er nun Herzog wäre und ich Graf Nassau, was würde Er dann mit mir anfangen? Ohne sich zu besinnen, ergriff der so Gefragte den Arm der liebenswürdigen Franziska, gab ihr einen derben Kuß und sprach: Euer Durchlaucht, das würde ich thun und sagen: Komm, Franzel, laß den dummen Jungen stehen. – Der Herzog, frappirt von solcher Geistesgegenwart und Unverschämtheit, hielt es fürs Gerathenste, die Sache als einen Scherz aufzunehmen und obendrein dem Schuldigen die wohlverdiente Strafe zu schenken.