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Textdaten
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Autor: O. H.
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Titel: Als Zimmerpflanzen
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aus: Die Gartenlaube, Heft 13, S. 220
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1889
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
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[220] Als Zimmerpflanzen und zur Ausschmückung des Balkons, auch der Veranda, wo solche vorhanden, bieten die sogenannten Sommergewächse eine großartige Auswahl, wie an dieser Stelle schon im vorigen Monat angedeutet wurde; es giebt in der Form von Stengeln, Blättern und Blüthen, in der Pracht und im Glanz der Farben ihrer Blumen, bei vielen auch im Wohlgeruch kaum ihresgleichen. Der Liebhaber wird die Samen in Cigarrenkisten oder Samenschalen säen, die zuerst mit einer Lage von Topfscherben zu versehen sind zu leichterem Abzug überflüssigen Wassers, wonach gute aber sandige Erde aufgeschüttet wird; diese Saatgefäße pflegt man in Untersätze zu stellen, welche das unten abfließende Wasser aufnehmen; sie sind aber desselben bald zu entledigen, weil es sonst wieder in das Saatgefäß zieht, wodurch die Erde in demselben allzu naß werden könnte. Sobald die Sämlinge groß genug geworden, müssen sie, was hier zu wiederholen ist, in andere Gefäße auseinander gepflanzt oder verstopft (pikirt) werden, wobei man ihnen die Wurzelspitzen abkneipt, damit sie zur Bildung von Seitenwurzeln gezwungen werden, die zum kräftigen Weiterwachsen der Pflanze unentbehrlich sind. Man kann dem zuvorkommen, wenn man nach dem Beispiel der Nordamerikaner 2 cm unter der Bodenoberfläche eine 2 cm starke Schicht fein gehackten Mooses unterbringt, in welchem sich die Wurzeln verbreiten, sobald sie dahin kommen; beim Verpflanzen ist der Pfahlwurzel ein Klümpchen Moos an den bereits gebildeten Seitenwurzeln angehängt und das Entspitzen ist überflüssig.

Professor Nobbe in Tharandt hat nach mehrjährigen vergleichenden Versuchen festgestellt, daß die am besten, beziehungsweise stärksten ausgebildeten Samen nicht allein zuerst keimen, sondern auch da, wo gefüllte Blumen erwartet werden, diese in den starken Sämlingen sicherer entstehen, als aus denen von schwachen und schwerkeimenden Samen. Bei Sommerlevkojen geben die Keimlinge des ersten Tages ausnahmslos gefüllte, die des zweiten Tages einige, die des achten oder letzten Tages nur einfache Blumen. Der Liebhaber wird also beim Verstopfen solcher Sämlinge, die gefüllte Blumen bringen sollen, nur die des ersten, vielleicht auch des zweiten Keimtages benutzen, die anderen aber wegwerfen, wenn er sie nicht zur Samenzucht verwenden will. Die nach dem Verstopfen genügend stark gewordenen Sämlinge sind, wenn sie sich allzu sehr drängen, einzeln in kleine, später noch in größere Töpfe mit geeigneter Erde zu versetzen.

Von wohlriechenden Blumen ist vor anderen die Reseda zu erwähnen; aber ihre Behandlung ist von der eben beschriebenen verschieden. Man streut einige Samenkörner einer der neueren Prachtsorten auf die sandige Mistbeeterde eines 10 cm weiten Topfes, bedeckt sie mit wenig Erde und drückt sie fest. Von den Keimlingen werden nach und nach alle, mit Ausnahme des in der Mitte stehenden, verzogen; dieser entwickelt sich unter aufmerksamer Pflege zu einem hübschen Strauch oder Bäumchen und hält sich mehrere Jahre. Aehnlich kann man den stark nach Moschus duftenden Mimulus moschatus behandeln, der sich auch leicht durch Stecklinge anziehen läßt. Leider erlaubt der knapp zugemessene Raum nicht, aus der großen Anzahl schöner Sommergewächse weitere auszusuchen und zu besprechen; der Liebhaber wird sich bei der Auswahl auf seinen Samenhändler verlassen müssen.

Ungefähr 15 cm lange junge Triebe von Oleander setzt man als Stecklinge in Medizingläser mit Wasser und hält sie warm; sie bewurzeln sich bald, werden dann herausgezogen und in passende Töpfchen gesetzt und geben so niedliche, noch lange blühende Pflanzen. – Die Krone der Ananas, unten glatt geschnitten, abgetrocknet und dann in ein Glas mit Wasser gesteckt, welches, je nachdem es verdunstet, ersetzt werden muß, und welchem man zweimal in der Woche einen Theelöffel geruchlosen Blumendüngers beigeben sollte, entwickelt eine kleine gewürzhafte Frucht, immerhin groß genug zur Bereitung des bekannten und beliebten Getränks für eine gemüthliche, aber nicht zu große Gesellschaft.

O. H.