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Allgemeiner Briefkasten (Die Gartenlaube 1855/34)

Textdaten
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Titel: Allgemeiner Briefkasten (Die Gartenlaube 1855/34)
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 34, S. 454
Herausgeber: Ferdinand Stolle
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1855
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[454]
Allgemeiner Briefkasten.

C. in Nan. (Frankreich) Sie wollen unserm Wunsche betreffs einer Schilderung der Deutschen im Elsaß nicht nachkommen. Höhnend schreiben Sie: „Die Deutschen im Elsaß! Was heißt das? Zwar spricht das Landvolk noch immer die alte Sprache und auch die Straßburger können noch größtentheils „ditsch redde“, zwar wird noch hier und da „der Schiller“ auf der étagère der Herrschaften und das „Habermännel“ im Koffer des Gesindes gefunden, zwar hört man dann und wann noch „ditschi Liedle“ singen:

Z’naachts, wenn der Mond scheint,
Trappelt’s uf da Brucke,
Schleppt der Hansel ’s Gretel heim
Mit der siwern Krucke.

Zwar ist vielleicht unter dem heranwachsenden Geschlechte auch noch ein oder der andere Schulknabe schwärmerisch-einfältig genug, um, auf Straßburgs Wällen spazierend und auf einer der dort liegenden Kanonen rittlings ausruhend, wehmüthige Betrachtungen darüber anzustellen, daß sein den Vogesen zugekehrtes Bein französisch, das dem Schwarzwald zugekehrte andere hingegen deutsch sei, was allerdings sehr mißlich ist, denn wenn zwei Beine einander nicht verstehen, so ist das äußerst hinderlich für’s Fortkommen in der Welt. Und freilich ließe sich manches Interessante über die Deutschen im Elsaß sagen und auch von den Zigeunern in den Vogesen wüßte ich Vieles zu erzählen. Ich aber werde diesen Gegenstand nun und nimmermehr behandeln. Ich finde, daß die Elsasser nicht Gescheidteres thun können, als sich so schnell und vollständig als möglich zu französisiren. Jede Erinnerung an die Ueberreste vom deutschen Wesen im Elsaß bringt mein Blut in Wallung – darum nichts von den Deutschen im Elsaß.“ –

So schreiben Sie und doch wollen Sie „das alte Rabenmutterland“ noch innig lieben. Wir können uns den Grund dieser Abneigung, am wenigsten aber Ihren Wunsch, die Elsasser so bald als möglich als echte Franzosen zu sehen, nicht ganz erklären. Denn wenn wir auch zugeben, daß die alten Sünden und Schwächen Deutschlands keine großen Sympathien für das einstige Vaterland erwecken können, so ist dies doch nicht Grund genug, dem Vaterlande ein Stück Land und Volk zu mißgönnen, das urdeutsch war und die Resultate deutschen Fleißes, deutscher Kunst und deutscher Sitte noch besitzt. Sie lieben das Deutsche und denken doch nicht deutsch. –

Gedichte. L. in M. O. Leidet an Härte und kann nicht benutzt werden. – Th. in Schwarzburg. Viel Feuer und Gluth, viel Liebe und Schwärmerei, aber doch nicht zum Abdruck geeignet. – E. N. in Dresden. Der Raum des Briefkastens ist zu beschränkt, um ausführliche Beurtheilungen zu geben. Das Erscheinen eines Gedichts in der Gartenlaube ist wohl die beste Kritik. – O. Sch-ch. In der Ballade: „des Schillers Treue“ viel Schönes, bis auf den Schluß, der unpoetisch gedacht. – Th. Ude in L. Wir danken Ihnen für den Beweis Ihrer Hochachtung. Der Gedanke des Gedichts ist sehr hübsch und ansprechend. – Alfred in A. Mit vielem Interesse gelesen. aber warum bei so viel Jugend so viel Unglück und Thränen? Gewisse Dichter kommen uns immer wie Schwämme vor, je mehr man sie drückt, je mehr Wasser geben sie von sich. – H. T. in C–n.

„Dein zu sein – o welch Entzücken,
Welche Wonne, welches Glück
Liebend Dich an’s Herz zu drücken,
Liebe spräch’ aus jedem Blick.“

Sehen Sie, das ist Alles recht hübsch und schön, und wird auch Ihrer Bertha, Emma oder Aurora recht wohl gefallen, wenn Sie ihr die Verse auf einem rosenumkränzten Briefbogen sauber copirt eines Morgens durch die Post zuschicken – aber für die Gartenlaube – das ist doch wohl Ihr Ernst nicht! Und dann wünschen Sie auch noch Honorar. Sie kleiner Schäker! – K. in W. danken freundlichst. Werden später benutzt. – J–l in Ch. Vielleicht später, augenblicklich fehlt es uns wirklich an Raum. – Schließlich für alle die Herren Poeten nochmals die Notiz, daß wir uns zum Zurückschicken von Gedichten nicht verstehen können und deshalb wiederholt bitten, Abschriften zu nehmen.

Z! Z. in Breslau. Wir bitten freundlichst um Entschuldigung, wenn unsere Antwort etwas später erfolgt. Der „Ritt an den Jordan“ nimmt zu viel Raum weg, als daß er Aufnahme finden könnte, dagegen werden Sie den „Schiffbruch im Archipel“ schon nächstens abgedruckt finden. Ueber die kleine Novelle werden wir später Entscheidung fassen. Düren wir die Anfangsbuchstaben Ihres wahren Namens den Artikeln beisetzen?

G. in E. Ihr Artikel ist geistreich, aber doch nicht ganz verständig geschrieben. Wir wollen keine hübschklingende Tändeleien, sondern unterhaltende Belehrungen. Bei Ihnen wie bei manchem andern Schriftsteller gilt das alte gute Wort: Man trifft zehn geistreiche Männer an, bis man einen Verständigen findet.
Die Redaktion.