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Textdaten
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Autor: P.
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Titel: Alle Neun!
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aus: Die Gartenlaube, Heft 27, S. 468
Herausgeber: Adolf Kröner
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1897
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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Alle neun!
Nach einer Originalzeichnung von L. Blume-Siebert.

[468] Alle Neun! (Zu dem Bilde S. 452 und 453.) Eine Woche lang „eingeregnet“ sein und festgehalten werden im dem Hochgebirgsdorf, das man nur ausgesucht hat, um täglich von ihm aus weite Ausflüge in die herrliche Umgebung zu machen – das war schon für viele ein trübselig Reisekapitel. Aber gar mancher weiß auch von solcher Reiseregen-Woche zu berichten, in der keine Langeweile und kein Trübsinn aufkommen mochte. Von Tag zu Tag führte der Humor siegreicher das Scepter über die vom „Wetterpech“ vereinten Leidensgenossen, und nach der Sonne Wiederkehr trennte man sich von ihnen mit Trauer, wie von alten guten Freunden. Dies Wunder hatte die Kegelbahn vollbracht, in der man bald die bessere Hälfte des Wirtshauses entdeckte. Sie gab den verschiedenen „eingeregneten“ Sommerfrischlern und Touristen für ungezwungenen heiteren Verkehr ein von frischer Luft durchwehtes Stelldichein, sie bot für den Ausfall der geplanten Bergtouren einen Ersatz und in fröhlichem Wettkampf die Körperkräfte zu nutzen. Es liegt ein eigner Zauber über solch ländlicher Kegelbahn im Hochgebirge; alle guten Geister der Gemütlichkeit sind auf ihr heimisch und während die Kugeln lustig gegen die Kegel rollen, die Damen und Herren sich als „Fernhintreffer“ bewähren, stellt sich auch gern der Meister dieser Kunst, Gott Amor, mit Pfeil und Bogen hier ein. Er hatte leichte Arbeit – das läßt unser Bild erkennen. Die allzeit fidele Tochter des freundlichen Rechnungsrats da drüben auf der Bank, welche soeben mit kühnem Wurf „alle neun“ getroffen hat, erweckt bei den sämtlichen Junggesellen von der Partie eine solche Begeisterung, daß es kaum noch übernatürlicher Kräfte bedarf, um auch dem lauernden Gott zu einem gleichen Schuß ins Rollen zu verhelfen. Und vor acht Tagen war das Fräulein noch eine Fremde in der Kunst des Kegelns! Aber freilich: an guten Lehrern hat es ihr inzwischen so wenig gefehlt wie an Eifer. Besonders der hübsche Herr Assessor, der eben die „Neun“ seiner Partei gutschreibt fand in ihr eine eifrige Schülerin. Und während von allen Seiten ein lautes Hurra durch den Raum hallt, als Echo auf den hellen Juchzer des Kegelbub’n, während über das Gesicht des Mädchens die Siegesfreude ein sonniges Leuchten strahlt, fühlt der junge Mann in ihrem Sieg stillbeglückt den eignen und in ganz anderm Sinn jubelt’s in seinem Herzen – „Alle Neun!“
P.