Albertus Magnus (Pröhle)

Textdaten
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Autor: Heinrich Pröhle
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Titel: Albertus Magnus
Untertitel:
aus: Rheinlands schönste Sagen und Geschichten, S. 211–213
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1886
Verlag: Tonger & Greven
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Erscheinungsort: Berlin
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans eines Exemplares der Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung Berlin, Signatur 19 H 104 auf Commons; E-Text nach Deutsche Märchen und Sagen
Kurzbeschreibung:
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Albertus Magnus fresco 1352 by Tommaso da Modena (cropped).png
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Albertus Magnus.

Albertus Magnus war zu Lanningen 1193 geboren und ging nach Köln in das Kloster des Predigerordens. Er war aber ein dummer Tölpel. Endlich auf sein inbrünstig Gebet um Erleuchtung erschien eines Tages die Mutter Gottes und fragte ihn, ob er ein Licht in der Gottesgelahrtheit oder in der Weltweisheit werden wolle.

Albertus erkor die Weltweisheit, welche ihm auch die Mutter Maria zugestand; aber zur Strafe, weil er nicht die Gottesgelahrtheit gewählt hatte, bestimmte sie, daß er drei Jahre vor seinem Tode wieder ganz dumm werden solle.

Nun verstand sich Albertus auf Medizin, Mathematik und Architektur, daher er auch viele Maschinen erfand und wie einige vermeinen, sogar das Schießgewehr.

Im Winter des Jahres 1248 kam der zwanzigjährige römische Kaiser, Wilhelm II. von Holland, mit einem stattlichen Geleite nach Köln. Es war eine schreckliche Kälte, und der Rheinstrom war gefroren bis auf den Grund.

Kaum hatten sich der Kaiser und seine Begleiter von dem weiten Ritte etwas erholt, da begehrten sie auch schon den weltberühmten Magnum zu sehen, und luden ihn ein, den Abend mit ihnen zu verbringen. Beim [212] Abendessen forderte der Kaiser Albertum Magnum auf, doch mit einigen seiner Künste sich sehen zu lassen. Albertus nahm, ohne sich lange zu besinnen, einen Humpen des schönen Rheinweines, der auf der Tafel stand. Er sprach einige unverständliche Worte, und im Augenblicke züngelten blaue Flammen aus dem Humpen empor. Als er darauf den Wein hoch hinan zur Decke goß, wurde aus jedem Tropfen ein buntes Vögelein, welches umherflatternd gar lieblich sang. Alle ergötzten sich daran, doch verwandelte sich dies bald bei des Kaisers Gefolge in eitel Verdruß. Als die Herren weiter trinken wollten, schlug ihnen nämlich die helle Flamme aus dem Humpen entgegen. Der Kaiser hatte seinen größten Spaß daran.

Darauf umschritt Albertus einige male feierlich die Tafel, und gleich darnach sah man anstatt der dürftigen Speisen des kalten Winters die lieblichsten Gerichte des Sommers vor sich in reicher Fülle ausgebreitet. Nicht gewarnt durch den ersten Spuk, griffen alle voll Eifers zu. Im Augenblick verschwand Albertus und mit ihm alle Herrlichkeiten der Tafel. Statt dessen gab’s einen lustigen Anblick, als nun die Ritter sich gegenseitig ansahen. Der eine hatte des anderen Nase gepackt, der andere kaute an des nächsten Fingern, und einige hatten sich sogar an die Zipfel der Mäntel gemacht. Am schlimmsten war aber des Kaisers Narr beraten. Er kauerte unter der Tafel und hatte eines Hundes Schweif im Munde stecken. Wie ärgerlich Jedem sein Irrtum auch war, so mußten doch endlich alle lachen über den Streich, der ihnen wiederum gespielt war.

Anderen Tages besuchte der Kaiser mit sämmtlichen Herren Albertum im Kloster. Nachdem man sich dort alles angesehen hatte, erbot sich der Gelehrte, ihnen auch noch seinen Blumengarten zu zeigen. Es war so kalt, daß alles vor Frost zitterte; so konnten die Herren denn nicht anders, als mit lautem Spott diesen Vorschlag aufnehmen. Aber eine Pforte that sich auf, und durch sie gelangten Alle in den lieblichsten Blumengarten. Von süßem Dufte umgeben, flatterten seltsame Vögel lustig in den grünen Zweigen und sangen auf’s schönste. Auch Springbrunnen gab’s da, aus denen Wasserstrahlen hoch emporschossen und sich im reichen Sonnenscheine wiederspiegelten. Voll Freude und Staunen über alles, was sie erblickten, gingen einige der Herren auch näher heran und pflückten sich die schönsten Blumen ab. Am fröhlichsten war des Kaisers Narr. Er hatte seine [213] Schellenkappe im Übermut hoch empor geworfen und stieg lustig auf einen Baum, um sie sich dort wieder zu holen. Aber, als sie in den Anblick all des Schönen versunken dastanden, verschwand plötzlich alles und sie sahen die Wände des Refektoriums um sich. Die lieblichen Blumen, die Einige mitzunehmen gedacht hatten, zeigten sich als gelbe Rüben, dürre Reiser und dergleichen. Zu gleicher Zeit ertönte hoch oben im Gitterwerke eines Fensters des Narren klägliche Stimme. Er war dort eingeklemmt und konnte sich nicht regen.

So waren sie wiederum von Albertus getäuscht und konnten doch darüber nur lachen. Hiernach aber verabschiedete sich der Kaiser mit seinem Gefolge von dem gelehrten Herrn.

Einmal verstummte Albertus Magnus plötzlich in einer Predigt und wußte kein Wort mehr zu sagen. Er kam noch einmal zu Verstande, wurde aber wirklich drei Jahre vor seinem Tode wieder ganz dumm. So war er zweimal in seinem Leben ein dummer Esel, wenn er auch zweimal aus einem Esel in einen Weltweisen verwandelt wurde.