ADB:Zangius, Nicolaus

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Artikel „Zangius, Nicolaus“ von Robert Eitner in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 44 (1898), S. 688–689, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Zangius,_Nicolaus&oldid=- (Version vom 9. März 2021, 00:18 Uhr UTC)
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Zangius: Nicolaus Z., ein Componist des 16. bis 17. Jahrhunderts, der Ende 1618 oder Anfang 1619 zu Berlin gestorben ist. Actenmäßiges Material ist bisher nur wenig bekannt und man ist daher zumeist auf die Titel seiner Druckwerke verwiesen. Sein Geburtsort ist unbekannt. Im J. 1594 erschienen als erstes Werk seine dreistimmigen Lieder, und hier bezeichnet er sich nur als ein „Musicus und Poeticus“. Da das Werk in Frankfurt a. O. erschien, so wird man nicht fehl gehen, wenn man annimmt, daß er auf der dortigen Universität studirte oder studirt hatte. 1597 ist er bereits in einer amtlichen Stellung als bischoflich fürstlich braunschweigischer Capellmeister, 1603 findet man ihn als Kapellmeister in Danzig mit dem Zusatze „Ksl. Majestät Hofdiener“ (aulicus). Er muß dann gegen 1609 die Stellung in Danzig aufgegeben haben und an den Ksl. Hof in Prag unter Kaiser Rudolf II. gegangen sein, denn in diesem Jahre gab er sein Magnificat in Prag heraus und bezeichnet sich nur mit Sr. Majestät des Kaisers Hofdiener („Sacrae Caesareae Maiestatis Aul. Fa.“). Ebenso bezeichnet er sich in den Jahren 1611 und 1612 und beide Werke erschienen in Wien. Da der Kaiser Rudolf II. im Jahre 1612 starb und bei dem Tode eines Kaisers sämmtliche Privatbeamte, sowie die Kapelle entlassen wurden, so wird auch Z. das Loos betroffen haben, doch erfährt man erst aus dem Drucke von 1617, daß er sich als Kapellmeister am Berliner Hofe befand. Sein Gehalt betrug 1000 Thaler nebst Naturalienlieferung, und da er noch zwölf Sängerknaben in Kost und Unterricht hatte, so ist das Deputat recht ansehnlich. Nach den Acten erhielt er jährlich: 2 Wispel Korn, 2 Wispel Gerste, 12 Scheffel Hopfen (beide zum Brauen des Bieres), 1 Ochsen, 2 feiste Schweine, 1 Thonne Khese (Käse), ½ Tonne Butter, 3 Hammel, 2 Scheffel Erbsen, 2 Scheffel Buchweizen Grütze, 1 Tonne Salz, 2 Nurten (?) Holz. Außerdem erhielt er für die Sängerknaben noch besonders Roggen, Butter, alle Wochen eine Tonne Bier, auf jeden Jungen 2 ggr. Tischgelt, alle 6 Wochen jedem Jungen ein paar Schuhe oder 12 ggr., Bücher und Papier erhielt er vom Hofe, ferner erhielt jeder Junge jährlich 4 Hemden, oder für jedes Hemd 20 ggr., jährlich 2 Kleider, Waschgeld, für einen Hilfslehrer 10 Thlr., freie Wohnung oder 60 Thlr. Miethsgeld. Da die brandenburger Fürsten stets eine geregelte Geldwirthschaft hatten, so erhielten die Hofbeamten auch regelmäßig ihren Gehalt und die Naturalien, während in Dresden, München und Wien das Gehalt oft Jahre lang ausblieb. Der Nachfolger Zangius’ war Wilhelm Brade, und aus seiner Anstellung, die im J. 1619 erfolgte, und der Herausgabe eines nachgelassenen Werkes durch Jacob Schmidt, der Z. als Verstorbenen bezeichnet, läßt sich sein Tod an das Ende des Jahres 1618 oder an den Anfang 1619 setzen. Z. war ein fleißiger und begabter Componist und gab seit 1594, soweit seine Werke bis heute bekannt sind, sowohl Motetten-Sammlungen, Magnificat und 6 Sammlungen deutsche mehrstimmige Lieder heraus, die zum Theil in mehreren Auflagen erschienen, ein Beweis, daß sie sich einer weiten Verbreitung erfreuten. Leider ist bisher nur ein einziges Lied in moderner Partitur erschienen, welches Gelegenheit bietet, von seiner Schreibweise Einsicht zu erhalten. Es ist ein Weihnachtslied, welches durch seine Fragen und Antworten, theils im Solo, theils im Chore einen lebhaften Eindruck hervorruft und seiner Zeit gemäß dem harmonischen Wohlklange in jeder Hinsicht huldigt. Seine deutschen Liedersammlungen verzeichnet Emil Bohn in seiner Festschrift zum 50. historischen Concerte, und die Motetten und andere lateinische Gesänge befinden sich in Breslau, Berlin, Königsberg u. a. Bibliotheken.

[689] Schneider, Geschichte der Oper in Berlin. – Monatshefte für Musikgeschichte, Bd. 2, 39 und Bd. 11, S. 183.