ADB:Werder, Ludwig

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Artikel „Werder, Ludwig“ von Bernhard von Poten in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 41 (1896), S. 766–767, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Werder,_Ludwig&oldid=- (Version vom 25. Oktober 2020, 16:17 Uhr UTC)
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Werder: Johann Ludwig W., ein hervorragender Techniker und Erfinder der nach ihm benannten Werder-Waffen, war am 17. Mai 1808 zu Narwa bei St. Petersburg, wo sein Vater, ein Schweizer, eine Pachtung inne hatte, geboren. Nach dem Tode seiner Eltern fand der neunjährige Knabe Aufnahme im Hause eines Oheims, welcher als Schlosser zu Küßnacht am Vierwaldstätter See lebte und dessen Handwerk er demnächst erlernte. Nachdem seine Lehrlingszeit beendet war, ging er als Geselle in die Fremde, arbeitete in Salzburg und zu München, trat in letzterer Stadt in die Werkstatt des Großuhrmachers und Mechanikers Manhard und war in den Jahren 1839 und 1840 Werkführer der mechanischen Werkstätte der Spinnerei Troßbach und Manhard zu Gmund am See, wo er nebenbei den Dachstuhl der Walhalla herstellte. Seine Begabung für Mechanik machte Aufsehen. Zunächst gewann ihn Professor Schlotthauer für sein orthopädisches Institut, in welchem W. von 1841 bis 1843 thätig war, dann kehrte dieser zu seinem früheren Meister Manhard zurück und im Jahre 1845 trat er als Maschinenmeister in den königlich bairischen Staatsdienst, in [767] welchem er bald darauf zum Vorstande der Wagenbauwerkstätte zu Nürnberg ernannt wurde. Hier verlebte er den Rest seines Lebens. Schon 1848 schied er aus dem Staatsdienste und übernahm die Leitung der damals kleinen Klettschen Maschinenfabrik, aus welcher sich im Laufe der Zeit die noch gegenwärtig blühende Maschinenbau-Actien-Gesellschaft Nürnberg entwickelt hat. Im Jahre 1850 nahm die Anstalt den Bau von Eisenbahnwagen in ihr Arbeitsgebiet auf und dehnte letzteres nach und nach auf die Herstellung aller für den Bahnbetrieb nöthigen Erfordernisse sowie auf manche andere Geschäftszweige aus. Die erste 1849 nach Pauli’s System erbaute eiserne Eisenbahnbrücke bei Groß-Hesselohe bei München, die 1851/52 entstandene Schrannenhalle zu München, der dort 1853 hergerichtete Wintergarten und der Ausstellungspalast von 1854 sind Schöpfungen Werder’s, welcher daneben die Anlagen und Einrichtungen der eigenen Fabrik leitete und das für den Betrieb der letzteren erforderliche Personal heranbildete. In das Eigenthum der Fabrik ging auch eine von W. selbständig begründete Drahtstiftfabrik über. Bis zum Jahre 1865 war er technischer Leiter der Fabrik, welche damals die Firma „Klett und Compagnie“ führte, dann war er Theilhaber an dem zur „Maschinenbau-Gesellschaft Nürnberg Klett und Compagnie“ vereinigten Unternehmen, und als die Gesellschaft im J. 1873 in die unter dem oben genannten Namen noch jetzt bestehende Actiengesellschaft umgewandelt wurde, ward er Mitglied des Verwaltungsraths derselben. – Neben den vielseitigen und umfassenden Arbeiten, welche Werder’s Stellung an der Spitze des großen Unternehmens ihm auferlegte, beschäftigte sein thätiger Geist sich seit 1866 noch mit einer anderen, auf einem wesentlich verschiedenen Gebiete liegenden technischen Aufgabe, nämlich mit der Herstellung von Hinterlader-Handfeuerwaffen, welche im bairischen Heere durch Befehl vom 18. April 1869 als Infanteriegewehr und am 1. Juli des nämlichen Jahres als Carabiner und Pistole, unter der Bezeichnung Muster 1869, gemeiniglich aber mit Werder’s Namen benannt, eingeführt wurden. Es waren Einlader mit einem Caliber von 11 mm und gasdichter Patrone. Sie haben im Kriege von 1870/71 gute Dienste geleistet, mußten dann aber den für das gesammte deutsche Reichsheer eingeführten Waffen weichen. – Als Erfinder war W. außerdem thätig, indem er schon 1852 eine Maschine zur Prüfung der Zugfestigkeit von zum Brückenbau zu verwendenden Material herstellte. Er vervollkommnete diese Maschine später, so daß sie zur Untersuchung der Zug-, Druck-, Biegungs-, Torsions-, Schub- und Zerknickungsfestigkeit von Holz, Stein, Eisen, Stahl und sonstigen in der Maschinentechnik zur Anwendung gelangenden Materialien gebraucht werden kann und sowol als zweckmäßiges Lehrmittel dient, als auch in einer Reihe bedeutender Bauanstalten thatsächlich benutzt wird. – W. starb zu Nürnberg am 4. August 1885. Die Anspruchslosigkeit und Bescheidenheit, mit welcher er in das Leben eingetreten war, begleiteten ihn bis an das Ende desselben, es gehörte der Arbeit und seinen Pflichten.

Leichenrede, dem Unterzeichneten mitgetheilt von der Direction der Maschinenbau-Aktien-Gesellschaft Nürnberg.