Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Weinlig, Christian Theodor“ von Robert Eitner in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 41 (1896), S. 507–508, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Weinlig,_Theodor&oldid=- (Version vom 19. April 2024, 06:20 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Band 41 (1896), S. 507–508 (Quelle).
[[| bei Wikisource]]
Christian Theodor Weinlig in der Wikipedia
Christian Theodor Weinlig in Wikidata
GND-Nummer 117269565
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|41|507|508|Weinlig, Christian Theodor|Robert Eitner|ADB:Weinlig, Theodor}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=117269565}}    

Weinlig: Christian Theodor W., der Neffe des Chr. Ehregott W., geboren am 25. Juli 1780 zu Dresden, ein Sohn des Justizrathes Dr. W., † am 7. März 1842 zu Leipzig. Als Sohn eines musikalischen Hauses wurde ihm die Liebe zur Musik von jung an eingeimpft, doch sollte nicht die Musik sein Lebensziel sein, sondern die Rechtswissenschaft, deshalb besuchte er von 1797 ab die Universität zu Leipzig, bestand 1803 das Examen und ließ sich in Dresden als Advocat nieder, widmete aber dem Studium der Musik seine meiste Zeit, nahm bei seinem Onkel Musikunterricht, ging dann nach Bologna und studirte bei dem Pater Stanislao Mattei den Contrapunkt, wurde dort in die philharmonische Gesellschaft gewählt, hielt sich dann noch zwei Jahre in Italien auf, so daß er die Juristerei völlig vernachlässigte. Nach seiner Rückkehr nach Dresden ließ er sich als Musiklehrer nieder, vertrat vielfach seinen kränklichen Onkel, bewarb sich nach dem Tode desselben um das Cantorat an der Kreuzschule, und wurde auch am 17. Februar 1814 mit großer Majorität vom Stadtrath gewählt. Er verwaltete das Amt so zur Zufriedenheit der Behörde, daß sie ihm im Januar 1815 hundert Thaler Zulage gab, ein Zugeständniß der seltensten Art, denn im übrigen hielten die Väter der Stadt das Stadtsäckel fest in Händen. Trotz alledem fühlte sich W. in seinem Amte nicht wohl. Die Zwistigkeiten zwischen Rector und Cantor, unter denen damals alle Cantorate litten, die Beschwerden des Dienstes, nicht nur in mehreren Kirchen für Musikaufführungen sorgen zu sollen, das Begleiten der Leichen auf den Kirchhof, alles dies bewog ihn unter Vorschiebung von Kränklichkeit den Dienst zu quittiren. Am 22. September 1817 reichte er sein Entlassungsgesuch ein, was auch bewilligt wurde. Er zog sich nun ins Privatleben zurück, ertheilte Musikunterricht und übernahm die Direction der Dreyßig’schen Singakademie. Als dann am 16. Februar 1823 Cantor Schicht an der Leipziger Thomasschule starb, wurde er an dessen Stelle berufen. In dem Bewerbungsschreiben an den Leipziger Rath erwähnt er auch seines Scheidens aus dem Dresdner Cantorat: einzig und allein der Umstand, daß ihm die Ausübung seiner ihm über alles heiligen Dienstpflicht zur Unmöglichkeit gemacht worden sei – wo seine Ehre als Mensch und als Künstler auf dem Spiele gestanden habe – sei der Grund seines … nothgedrungen gethanen Schrittes gewesen. Am 10. Juli 1823 trat er das neue Amt an und verwaltete es zur Zufriedenheit der Behörde und des Publicums bis zu seinem Tode. Als Componist ist W. nicht hervortretend, er bewegt sich in den allgemein gültigen Formen ohne eine bedeutende Anlage in der Erfindung zu zeigen. Er genügte den Ansprüchen des großen Haufens, der die sonntäglichen Gottesdienste besuchte und damit erfüllte er seine Pflicht. Aus Pietät führte der Thomaschor einzelne seiner Compositionen noch eine Zeit lang auf, doch verschwanden sie auch dort nach und nach vom Repertoire. Bedeutender war er als Lehrer und kein geringerer als Richard Wagner gibt ihm in seiner Selbstbiographie in der Zeitung für die elegante Welt von 1843 das beste Zeugniß. Er schreibt: „ich fühlte die Nothwendigkeit eines neu zu beginnenden streng geregelten Studiums der Musik, und die Vorsehung ließ mich einen Mann finden, der mir neue Liebe zur Sache einflößen und sie durch den gründlichsten Unterricht läutern sollte. Dieser Mann war Theodor Weinlig …“ An theoretischen Werken und Uebungen schrieb er und gab sie theilweise heraus: „Theoretisch-praktische Anleitung zur Fuge“ (Dresden 1845, 2. Auflage 1852 und eine ohne Jahr bei Gustav Rotter in Dresden); „Exercitia in der Composition“, Nachschrift von Morgenroth (Ms. Bibl. Dresden); „Leitfaden beim mündlichen Unterricht in der musikal. Setzkunst“ (aufgesetzt von Borrom. v. Miltitz 1815/16. 3 Bde., Hds. in der Bibl. Dresden); „2 Hefte kurze Singübungen“ (Lpz., Hofmeister). – An Compositionen besitzen die Bibliothek der Thomasschule, [508] die kgl. Musikaliensammlung in Dresden, die Kreuzkirche in Dresden, die Bibliothek in Königsberg, die Marienbibliothek in Elbing und besonders die kgl. Bibliothek in Berlin an 44 größere Gesangswerte für Chor, Soli und Orchester, darunter das Oratorium: Die Feier der Erlösung, eine Messe 1806, ein Te Deum, viele Cantaten, ein Stabat mater, deutsch, ein Magnificat, deutsch, Psalmen u. a. Ein genaues Verzeichniß nebst Biographie von Karl Held in der Vierteljahrsschrift, 10. Band, S. 374.