ADB:Vonhausen, Wilhelm

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Artikel „Vonhausen, Wilhelm“ von Richard Heß in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 40 (1896), S. 295–297, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Vonhausen,_Wilhelm&oldid=- (Version vom 1. Dezember 2020, 09:49 Uhr UTC)
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Vonhausen: Wilhelm V., Dr. phil., Forstmann, geboren am 29. September 1820 auf dem Steinzeler Hof bei Weilburg (im vormaligen Herzogthum Nassau), † am 28. Juni 1883 in Karlsruhe. Der seinem Vater gehörige, zwischen Feld und Wiesen in einer gesegneten Gegend anmuthig gelegene Hof, in dem er das Licht der Welt erblickt hatte, mag in dem begabten Knaben die Liebe zur Natur und zum forstlichen Berufe erweckt und befestigt haben. Durch gründlichen Privatunterricht vorbereitet, bezog er im Sommersemester 1842 die Universität Gießen, wurde von 1845 ab als herzoglich nassauischer Forstaccessist in [296] der Oberförsterei Weilburg beschäftigt und zwei Jahre später mit deren provisorischer Verwaltung betraut. Seinem naturwissenschaftlichen Drange genügte aber die erlangte Ausbildung nicht, obschon sie für die damalige forstliche Laufbahn völlig ausreichte. Mit Genehmigung seiner Regierung wendete er sich daher 1848 zum zweiten Male nach Gießen, wurde hier mit dem nachmaligen Professor Gustav Heyer eng befreundet und warf sich unter Liebig’s genialer Führerschaft vorzugsweise auf chemische Studien, für die er stets ein besonderes Interesse besaß. Nachdem er am 23. Mai 1851 (nach einem im ganzen elfsemesterigen Studium) zum Dr. phil. promovirt worden war, folgte er einem Rufe als Lehrer der Forstwissenschaft an die landwirthschaftliche Akademie Poppelsdorf (bei Bonn). Zugleich wurde ihm die Verwaltung des Kottenforstes vorübergehend übertragen. Sein Wunsch, neben der Docentenstelle die Verwaltung dieser Oberförsterei definitiv überwiesen zu erhalten, erfüllte sich leider nicht. Als daher 1866 der ehrenvolle Ruf an ihn herantrat, als Nachfolger des hochverdienten Dengler in die Professur für forstliche Productionslehre an dem Polytechnikum in Karlsruhe einzurücken, zögerte er nicht, diese Stelle anzunehmen. Er wirkte in derselben, seit 1874 durch die Verleihung des Titels „Forstrath“ ausgezeichnet, bis zu seinem Tode.

V. besaß eine vorzügliche naturwissenschaftliche Bildung; insbesondere war er auf chemischem Gebiete sehr bewandert. Als begeisterter Verehrer und Anhänger Liebig’s beschäftigte er sich während seines zweiten Aufenthaltes in Gießen sehr eifrig mit Analysen und sonstigen Untersuchungen im chemischen Laboratorium. Hier führte er u. a. auch die in G. Heyer’s genialer Schrift „Das Verhalten der Waldbäume gegen Licht und Schatten“ mitgetheilten Aschenanalysen aus, die der Theorie über das spontane Vorkommen und den Wechsel der Holzarten je nach Oertlichkeiten eigentlich erst einen festen Stützpunkt gaben. Die Allgemeine Forst- und Jagd-Zeitung und die Forstlichen Blätter enthalten eine ganze Reihe von Abhandlungen theils naturwissenschaftlichen, theils waldbaulichen Inhalts aus seiner Feder, die den Beweis für sein Bestreben liefern, der forstlichen Technik eine immer festere naturwissenschaft1iche Grundlage zu verschaffen. Die in der Allgemeinen Forst- und Jagd-Zeitung erschienenen wichtigsten Abhandlungen beziehen sich auf folgende Gegenstände: Beförderung der Keimung (1858, S. 461 und 1860, S. 8), Eisbruch in der Winterhauch (1864, S. 285; 1865, S. 211), Ursachen der Bodenverarmung (1872, S. 1), Düngung der Forstgärten (1872, S. 228), bodenbessernde Holzarten (1875, S. 73), Behandlung der Forstgärten (1880, S. 41), Art der Erziehung von Mischbeständen (1881, S. 370), Bildung des Rauhreifes (1881, S. 431) etc. Von den in den Forstlichen Blättern erschienenen Arbeiten nennen wir: einen Beitrag zur forstlichen Unterrichtsfrage (1876, S. 83), Modifikationen der Hügelpflanzung (1876, S. 368), einen Beitrag zur Eichenschälwaldwirthschaft (1877, S. 161), Stocksprengen (1877, S. 205), Anwendung des Dynamits auf der Jagd (1877, S. 358) und Einfluß des Luftwechsels im Boden auf die Entwickelung der Pflanzen (1877, S. 361). Unter demselben Gesichtspunkte ist auch seine einzige selbständige Schrift „Die Raubwirthschaft in den Waldungen“ (1867) abgefaßt. Er polemisirt hier mit wissenschaftlicher Schärfe gegen die Streu- und Grasnutzung im Walde, die er für gleich schädlich hält(?). V. besaß einen sehr guten, praktischen Blick und eine vorzügliche Beobachtungsgabe, die er namentlich bei Ausübung der Jagd, welcher er in Mußestunden mit Eifer oblag, anzuwenden und zu vervollkommnen Gelegenheit nahm. Er blieb stets in enger Fühlung mit dem Walde und dessen Wirthschaft, war ein klarer Denker und infolge des Zusammenwirkens aller dieser Eigenschaften zugleich [297] ein vorzüglicher Lehrer, der es verstand, seine Schüler zu selbständigen Arbeiten und zur Gewinnung eines eigenen Urtheils anzuleiten.

Grunert, Forstliche Blätter, 13. Heft, 1867, S. 246. – Forstliche Blätter, N. F. 1874, S. 240; 1883, S. 284 (Nekrolog). – Allgemeine Forst- und Jagd-Zeitung, 1874, S. 216; 1883, S. 288 (Nekrolog). – Heß, Lebensbilder hervorragender Forstmänner etc., 1885, S. 386.