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Artikel „Dengler, Leopold“ von Richard Heß in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 5 (1877), S. 49–50, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Dengler,_Leopold&oldid=- (Version vom 21. Oktober 2019, 17:56 Uhr UTC)
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Dengler: Leopold D., Forstwirth, geb. 17. Nov. 1812 zu Karlsruhe, † 27. Jan. 1866 daselbst. Als Sohn gering bemittelter Eltern hatte D. schon von Jugend auf mit Entbehrungen aller Art zu kämpfen. Der Schulbildung auf dem Lyceum seiner Geburtsstadt folgte ein praktischer Cursus bei dem Oberförster Hubbauer in Baden und von 1832–34 der theoretische Fachcursus auf der neugegründeten Forstschule des Polytechnicums in Karlsruhe. Nach bestandener Prüfung trat er 1835 als Secretariatsprakticant bei der damaligen badischen Forstpolizeidirection (zur Beaufsichtigung der Communal- und Privatwaldwirthschaft am 1. Mai 1834 ins Leben gerufen, aber schon am 10. April 1849 wieder entschlafen) ein; 1836–39 vollzog er als Forsttaxator in den Forstämtern Pforzheim, Wolfach und St. Blasien großartige Waldtheilungen, z. B. der Thalvogtei Todtnau. 1839 wurde ihm die Verwaltung der Bezirksforstei Rollingen vorübergehend übertragen; 1840 wurde er definitiv als Bezirksförster für Kandern angestellt. Im J. 1848 vollzog sich ein Wendepunkt in seiner beruflichen Laufbahn durch seine Ernennung zum ersten Forstlehrer (für Waldbau, Wegebau etc.) an der Forstschule des Polytechnicums zu Karlsruhe. Gleichzeitig wurde ihm übrigens die dortige Bezirksforstei übertragen. In dieser Doppelstellung verblieb er bis zu seinem Ableben, seit 1864 durch den Titel Forstrath ausgezeichnet. – D. war eine strebsame Kraft, durchaus praktisch angelegt, eifrig bemüht, in forstlichen Dingen das wirthschaftliche Moment dem rein speculativen gegenüber zur Geltung zu bringen. Die ihm übertragenen Waldtheilungen vollzog er nicht nur zur vollen Zufriedenheit seiner vorgesetzten Behörden, sondern auch der betheiligten Gemeinden. Als Verwalter der Bezirksforstei Kandern entfaltete er insbesondere im Gebiete des Wegebaues eine [50] umfassende Thätigkeit. (Die Werrathalstraße im südlichen Schwarzwald ist vorzugsweise sein Werk.) Als Lehrer wirkte er durch faßliche, gründliche und praktische Vorträge mit großem Erfolg. Ausgedehnte und häufige Reisen, das Anknüpfen vieler Fachverbindungen, eifrige Theilnahme am forstlichen Vereinswesen (namentlich am badischen Forstverein, welchen er mit gründen half und wiederholt als Präsident zu leiten hatte) haben ihn in den forstlichen Kreisen Deutschlands außerordentlich bekannt und zugleich beliebt gemacht, da er mit ehrenhaftem, offenem Charakter und warmem Sinn für Freundschaft zugleich eine unbegrenzte Gemüthlichkeit zu vereinigen wußte. Endlich hat er sich auch als warmer Förderer der Landwirthschaft erwiesen (Directionsmitglied des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Karlsruhe). – Dengler’s litterarische Erzeugnisse gehören vorwiegend dem Gebiete der forstlichen Productionslehre an. 1858 übernahm er die Redaction der von H. v. Gwinner 1857 gegründeten „Monatschrift für das Forst- und Jagdwesen“, welcher er eine vorwiegend praktische Tendenz bewahrte. In demselben Jahr gab er: „Gwinner’s Waldbau in erweitertem Umfang“ in vollständig umgearbeiteter vierter Auflage heraus. 1863 erschien seine „Weg-, Brücken- und Wasserbaukunde für Land- und Forstwirthe“ (in zweiter Ausgabe 1868). Außerdem verdankt ihm die forstliche Journallitteratur (insbesondere die Vereinsverhandlungen) zahlreiche Beiträge. Am besten sind wol Dengler’s Arbeiten im waldbaulichen Gebiet, obschon immer mehr den süddeutschen Verhältnissen (Tannenwirthschaft im Schwarzwald) sich anpassend. Der neueren Bewegung im Gebiete der forstlichen Betriebslehre gegenüber (Forststatik; Lehre von der Umtriebszeit) blieb er fremd, indem er als ein entschiedener Gegner der Herabsetzung der Umtriebszeiten auftrat.

Baur, Monatschrift für das Forst- und Jagdwesen 1866, S. 161. Grunert, Forstliche Blätter, 12. Heft, 1866, S. 229. v. Loeffelholz-Colberg, Forstliche Chrestomathie II. 1867, S. 189 u. 481.