ADB:Textor, Johannes

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Artikel „Textor, Johannes“ von Wilhelm Sauer in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 37 (1894), S. 632, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Textor,_Johannes&oldid=- (Version vom 18. September 2020, 18:16 Uhr UTC)
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Textor: Johannes T. Die Familie Textor (vermutlich Weber) scheint dem Beamtenstande der Grafschaft Nassau-Dillenburg angehört zu haben, wenigstens finden wir sie in verwandtschaftlichen Beziehungen zu den hervorragendsten dortigen Familien. Die Eltern des Johannes T. sind nicht bekannt, er selbst wurde im September 1582 in Haiger bei Dillenburg geboren. Er besuchte die Pädagogien zu Siegen und Herborn; am 3. October 1601 wurde er bei der juristischen Facultät zu Herborn immatriculirt. Sodann wurde er zu Heidelberg am 14. April 1604 immatriculirt, daselbst am 27. Juni 1605 Baccalaureus, als welcher er am 6. December 1606 und am 4. Juli 1607 die Dissertationen de liberalitate und de magnificentia vertheidigte. Nach Haiger zurückgekehrt folgte er einem verstorbenen Verwandten in dessen Amte als Stadtschreiber daselbst; nach dem Tode seines Schwiegervaters übernahm er am 5. Juni 1619 die von diesem bisher geführte Stadtschreiberei zu Dillenburg. Hier starb er am 30. Oct. 1626 an der Pest, nachdem seine Familie zum Theil der Seuche zum Opfer gefallen war.

Johann T. war der erste, welcher schriftstellerisch für die Geschichte seines Fürstenhauses und Heimathlandes thätig war. Mit seinem Hauptwerke: „Nassauische Chronik“, Herborn 1617, in zweiter Ausgabe Wetzlar 1712, traf er in glücklichem Griffe die Zeit, in welcher das Haus Oranien-Nassau den Höhepunkt seiner Bedeutung und seines europäischen Ruhmes erreicht hatte. Nicht minder aber sicherte die romanhafte Darstellung dem Buche große Anziehungskraft und für lange Zeit einen dankbaren Leserkreis. Durch ihn erhielt die bekannte, wohl nicht lange Zeit vor ihm künstlich hergestellte Stammsage des Hauses Nassau, welche dessen Ursprung von einem römischen Geschlechte herleitete, die weiteste Verbreitung; erst gegen Ende des vorigen Jahrhunderts gelang es der Forschung, Textor’s monströse Darstellung der ältesten Geschichte des Hauses Nassau zu beseitigen. Hingegen behielt die dem Buche beigegebene topographische Beschreibung der nassau-oranischen Länder quellenmäßigen Werth.

Vgl. Vogel in den Annalen des Nassauischen Alterthumsvereins I 3, S. 259 ff., wo ein Verzeichniß der Schriften Textor’s – unter welchen Gedichte und Romane. – Heidelberger Matrikel.