ADB:Spring, Friedrich Anton

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Artikel „Spring, Friedrich Anton“ von Friedrich Jännicke in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 35 (1893), S. 314–315, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Spring,_Friedrich_Anton&oldid=- (Version vom 21. Mai 2022, 11:23 Uhr UTC)
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Spring: Friedrich Anton S., Arzt und vielseitiger Gelehrter, geboren am 8. April 1814 zu Geroldsbach in Oberbaiern, † am 17. Januar 1872 zu Lüttich. S. wurde zu Augsburg erzogen, wo er gleichzeitig mit Napoleon III. das Gymnasium besuchte. Seine vielseitige Begabung zeigte sich schon hier, indem er neben den alten Sprachen mit gleichem Eifer Musik trieb: er hatte mit 14 Jahren eine nicht ungünstig beurtheilte Messe componirt. Darauf bezog S. die Universität München, wo er philosophische und naturwissenschaftliche Vorlesungen besuchte, schließlich aber sich der Medicin zuwandte, ohne allerdings sein Lieblingsfach, die Botanik, aufzugeben. Auch hier zeigte sich seine Vielseitigkeit, indem er nach einander Assistent am botanischen Institut bei v. Martius und 1836 an der Klinik von van Loë war, indem er in zwei Facultäten den Doctorgrad erwarb: 1835 in der philosophischen mit einer preisgekrönten Schrift „Ueber die naturhistorischen Begriffe von Gattung, Art und Abart und über die Ursachen der Abartungen in den organischen Reichen“ (Leipzig 1838) und 1836 in der medicinischen Facultät mit der Dissertation „De diversis pneumophtiseos speciebus“ (München 1838). Nach glänzend bestandenem Staatsexamen ging S. 1839 zu weiterer Ausbildung nach Paris, wo ihn alsbald im 25. Lebensjahre ein Ruf zur Uebernahme der durch den Tod Leroy’s erledigten Professur der Physiologie an der Universität Lüttich traf. S. trat sein neues Amt im October 1839 an: es war nicht zu verwundern, daß man dem jungen Ausländer anfangs kalt, mißtrauisch, selbst offen feindselig gegenüber trat. Die Tüchtigkeit des Mannes ließ diese Gefühle nach kurzer Zeit in ehrliche Anerkennung sich verwandeln, und der Aufenthalt Spring’s in dem neuen Vaterlande, das Belgien ihm werden sollte, gestaltete sich zum angenehmsten. Von seinem Berufe erfüllt, lebte er in glücklicher Ehe und in von Tag zu Tag sich besser gestaltenden äußeren Verhältnissen; es wurden ihm im Laufe der Zeit die Professuren der Anatomie, Pathologie und klinischen Medicin übertragen, er wurde Mitglied der belgischen Akademie der Wissenschaften und anderer gelehrter Gesellschaften, bekleidete Ehrenämter, darunter das des Rectors der Universität Lüttich 1861–64, erhielt Auszeichnungen und Orden und war schließlich ein vielbegehrter Arzt, der in ganz Belgien in Ruf stand und in Krankheitsfällen selbst an den königlichen Hof gezogen wurde. Als der Tod allzufrüh der rastlosen Thätigkeit Spring’s ein Ziel setzte, empfand die Universität, die dem Manne vordem gerne ihre Pforten verschlossen hätte, sein Scheiden als herben Verlust: sie hatte einen ihrer beliebtesten und geachtetsten Lehrer verloren.

Spring’s wissenschaftliche Thätigkeit erstreckte sich außer seinen medicinischen Specialfächern insbesondere auf Botanik und auf praehistorische Forschungen. In letzterer Hinsicht waren es Funde menschlicher Knochen in Höhlen der Umgegend von Namur, die sein Interesse erregten und ihm mehrmals Veranlassung gaben, sich über den vorgeschichtlichen Menschen zu äußern. Auf dem Gebiete der Botanik, wofür S. besondere Vorliebe hatte, war es vor allem die Familie der Lycopodiaceen, die in ihm einen tüchtigen Bearbeiter fand und seine „Monographie de la famille des Lycopodiacées“ (Nouv. mém. Acad. Bruxelles XV, XXIV) ist noch heute das erschöpfendste Werk dieser Richtung. Von medicinischen Schriften sei die aus der Münchener Zeit stammende Arbeit „Ueber Ursprung, Wesen und Verbreitung der wandernden Cholera“ (1837) genannt, der sich eine Notiz über Behandlung dieser Krankheit (1849) anschließt, ein Aufsatz von allgemeinerem Interesse: „De l’influence des progrés de la civilisation sur la mortalité et la longévité“ (Revue nationale 1846), eine Uebersetzung des „Lehrbuchs der vergleichenden Anatomie“ von Siebold und Stannius ins Französische (Paris 1849), die „Monographie de la hernie du cerveau“ (Bruxelles 1854) und sein leider unvollendetes Hauptwerk „Symptomatologie ou traité des accidents [315] morbides“ (Bruxelles 1866–71), zahlreicher anderer Arbeiten nicht zu gedenken.

Th. Schwann, Notice sur Frédéric-Antoine Spring (Annuaire de l’Académie royale de Belgique 1874 p. 251–290). Mit Porträt und ausführlichem Schriftenverzeichniß. – Baierisches ärztl. Intelligenzblatt 1872, S. 62. – Sitzungsberichte Akad. München. Math.-Physik. Klasse 1872, S. 100.