ADB:Spindler, Nicolaus

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Artikel „Spindler, Nicolaus“ von Karl Steiff in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 35 (1893), S. 198–199, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Spindler,_Nicolaus&oldid=- (Version vom 27. September 2020, 15:06 Uhr UTC)
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Spindeler: Nicolaus S., einer jener deutschen Buchdrucker des 15. Jahrhunderts, welche die neue Kunst auf die pyrenäische Halbinsel getragen haben. Was sich nach dem heutigen Stand der Buchdruckergeschichte über diesen Meister feststellen läßt, faßt sich in Folgendem zusammen. Erstmals taucht er und zwar in Gesellschaft des Genfers Peter Brun 1477 in Tortosa am unteren Ebro auf, wo diese beiden die erste Presse errichteten. Ein Jahr später finden wir sie miteinander in Barcelona thätig und auch hier dürfte ihnen die Ehre des Prototypographen zukommen. Die beiden mit ihrem Namen gezeichneten Drucke aus dem Jahr 1478 sind wenigstens die ersten wirklich sicheren Preßerzeugnisse jener Stadt, die man kennt. Während sodann Brun sich mit einem Spanier verbindet, druckt S. von 1479 (nicht erst 1480) ab allein, zunächst noch bis 1482 in Barcelona, dann wandert er an der Küste wieder südwärts, um zuerst in Tarragona und weiterhin in Valencia – dort, aber nicht auch hier, wieder als der erste Drucker – seine Presse aufzuschlagen. Von Tarragona hat man Spuren seiner Thätigkeit aus dem Jahr 1484, von Valencia aus den Jahren 1490–1500. Schließlich muß er nach Barcelona zurückgekehrt sein, wo uns sein Name wieder im Jahr 1506 begegnet. Die von S. nicht mit seinem Namen versehenen Drucke hat bis jetzt noch niemand zusammengestellt; der andern sind es, so viel bis jetzt bekannt, 13, von denen je einer auf Tortosa und Tarragona fällt, während die andern fast zu gleichen Theilen auf Barcelona und Valencia sich vertheilen. Hervorzuheben ist darunter eine catalonische Uebersetzung von des Josephus „jüdischen Antiquitäten“, Barcelona 1482 (ob er auch eine solche Uebersetzung des „jüdischen Kriegs“ gedruckt hat, wie Brunet und Grässe behaupten oder ob hier nur eine Verwechslung mit den „Antiquitäten“ vorliegt, muß unentschieden bleiben).

Ueber die persönlichen Verhältnisse unseres Druckers ist nur so viel bekannt, daß er aus Zwickau stammte. Dies aber ist nicht nur als wahrscheinlich, wie es nach Volger’s Darstellung (a. u. a. O. S. 103) erscheint, sondern als unbedingt sicher zu betrachten. Denn wenn Volger’s Gewährsmann in der Schlußschrift eines Spindeler’schen Druckes neben dem Namen des Druckers den Beisatz de Cruickau gefunden hat, so darf man nur beachten, daß die Incunabeldrucker in Ermanglung einer besonderen Type für w diesen Buchstaben aus den runden r ([WS 1]) und v zusammenzustellen pflegten und es springt in die Augen, daß Cruickau nichts anderes als Zwickau ist. Daß S. trotz dieser Herkunft aus einer sächsischen Stadt nicht, wie auch schon vermuthet worden ist, mit dem Lissaboner Drucker Nicolaus von Sachsen ein und dieselbe Person sein kann, ist bei letzterem Namen (s. A. D. B. XXIII, 626) gezeigt worden.

Vgl. Fr. Mendez, Tipografia española. 2. ed. por Dion. Hidalgo, 1861, p. 44. 46–49. 58. 324–328 und E. Volger, die ältesten Drucker u. Druckorte der Pyrenäischen Halbinsel im Neuen Lausitzischen Magazin Bd. XLIX. [199] 1872, S. 95 fg. 103. 116. 117 fg. 120. Beide Werke ergänzen sich gegenseitig. Zu Mendez’ Verzeichniß der Drucke vgl. auch Hain, Repertorium bibliogr. 12899.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. Sonderzeichen „rundes r“