ADB:Solms-Sonnenwalde, Victor Friedrich Graf von

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Artikel „Solms-Sonnenwalde, Victor Friedrich Graf v.“ von Hermann von Petersdorff in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 34 (1892), S. 585–586, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Solms-Sonnenwalde,_Victor_Friedrich_Graf_von&oldid=- (Version vom 24. Oktober 2020, 21:44 Uhr UTC)
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Solms: Victor Friedrich Graf v. S.-Sonnenwalde, preußischer Gesandter unter Friedrich II., wurde geboren am 16. Sept. 1730 als Sohn des kursächsischen Kammerherrn Otto Wilhelm Graf zu S.-S. und der Dorothea Sabine, geb. v. Arnim. Seine Erziehung leitete sein Großvater mütterlicherseits, der preußische Staatsminister Georg Dietloff v. Arnim, der u. a. als eifriger Förderer der Akademie der Wissenschaften bekannt ist. Am 20. März 1747 bezog Victor Friedrich die Universität Frankfurt, 1749 die zu Leipzig und widmete sich dort eifrig dem Studium. Nach Ableistung des Trienniums trat er in den preußischen Staatsdienst, wo er bald den Titel eines Legationsraths erhielt. Als solcher wurde er am 6. Jan. 1755, also in einem Alter von 24 Jahren, von den Ministern Podewils und Finkenstein zur Verwendung für einen Gesandtschaftsposten vorgeschlagen. Friedrich II. wendete ein, daß S. zu jung und erst kurze Zeit im Dienst wäre, entschloß sich jedoch, als das Ministerium demungeachtet seinen Vorschlag mehrfach wiederholte, unterm 21. Januar 1755 zur Ernennung Victor Friedrich’s zum außerordentlichen Gesandten in Stockholm an Stelle des Freiherrn v. Maltzahn mit den Worten: „Also mögen sie den Grafen S. hinschicken.“ In seiner 41/2 Jahre währenden Stellung am Stockholmer Hofe hatte S. vornehmlich die Aufgabe, vermittelnd zwischen der russischen oder Hofpartei und der zu Frankreich neigenden mächtigen Senatspartei zu wirken. Die Leidenschaftlichkeit der Königin Ulrike, als Schwester Friedrich’s die natürliche Verbündete Preußens, machte ihm dies nicht immer gerade leicht. Doch scheint er sich seiner Aufgabe zur hohen Zufriedenheit seines Königs erledigt zu haben, die auch dadurch nicht geschmälert wurde, daß er die Entwicklung der Dinge, die bei der Uebermacht der Senatspartei auf einen Anschluß Schwedens an Frankreich hindrängte, in ihrem Gange nicht zu verhindern vermochte. Seine Abberufung erfolgte am 22. Juli 1757, seine Abschiedsaudienz bei der Königin am 30. August. In den Hauptjahren des Krieges, wie es scheint, ohne bestimmte Verwendung, wurde er, als durch die Ermordung Peter’s II.[WS 1] die Abberufung des preußischen Gesandten, des Obersten Baron v. d. Goltz, aus Petersburg erforderlich geworden war, am 20. September 1762 auf den für diese Zeit besonders wichtigen russischen Gesandtschaftsposten gestellt. Auf diesem Vertrauensposten ist er ununterbrochen 17 Jahre hindurch verblieben. Durch große Geschicklichkeit [586] wußte er sich die Gunst Katharinens und das Zutrauen des damaligen leitenden Staatsmannes Panin zu erwerben, wie überhaupt sich einen beachtenswerthen Einfluß an dem ränkeerfüllten und schwer zu behandelnden Hofe zu St. Petersburg zu gewinnen. So gelang es ihm, den Abschluß des Schutz- und Trutzbündnisses zwischen Rußland und Preußen vom 11. April 1764 zu ermöglichen. Schon im J. 1765 zeichnete ihn die Zarin durch die Verleihung des Alexander-Newski-Ordens aus. S. führte ferner die langwierigen, durch die Lässigkeit Panin’s manchmal recht erschwerten Verhandlungen in Sachen Polens und hatte wesentlichen Antheil an dem Zustandekommen des ersten Theilungsvertrags. Hierfür erhielt er von seinem königlichen Gebieter den Schwarzen Adlerorden. Gesundheitsrücksichten veranlaßten ihn, im Juni 1779 um seine Entlassung aus dem Gesandtschaftsdienste nachzusuchen, nachdem er schon mehrfach vergeblich um Erhöhung seines Gehalts eingekommen war, weil er selbst nach Panin’s Zeugniß nicht der Stellung eines preußischen Gesandten entsprechend repräsentire. Die letzte seiner äußerst zahlreichen Petersburger Depeschen ist vom 27. August 1779. In seiner diplomatischen Thätigkeit hat er sich als gewandten, umsichtigen und fleißigen Unterhändler und Beobachter bewährt, der jedoch, wie alle Gesandten des großen Königs, lediglich Vollstrecker der bis ins Kleinste gehenden Befehle seines Gebieters war, d. h. niemals nach eigenem Ermessen handelte und noch weniger als Rathgeber seines Monarchen auftrat. Nach seinem Ausscheiden aus dem Gesandtschaftsdienst ernannte ihn der König zum Oberhofmarschall. Außerdem bekleidete er die Würden eines Domherrn zu Halberstadt und zu Havelberg. Er starb am 24. December 1783. Verheirathet war er seit dem 20. März 1754 mit Wilhelmine Charlotte Gräfin v. Dönhoff, von der er drei Kinder hatte.

Rud. Graf zu Solms-Laubach, Geschichte des Grafen- und Fürstenhauses Solms, Frankfurt 1865, S. 304. – (A. Naudé,) Politische Korrespondenz Friedrichs des Großen, Bd. XI-XV. – (Herrmann), Diplomatische Korrespondenz der preußischen Gesandten am russischen Hofe, Zbornik russkago, Bd. XXII und XXXVII, Petersburg 1878 und 1883. – Kurd v. Schlözer, Friedrich der Große und Katharina II., Berlin 1859.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. Peter II. (1715-1730); gemeint ist hier Peter III. (1728-1762).