ADB:Simon von Trier, Ludwig

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Artikel „Simon, Ludwig“ von Johann August Ritter von Eisenhart in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 34 (1892), S. 377–379, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Simon_von_Trier,_Ludwig&oldid=- (Version vom 22. September 2020, 12:16 Uhr UTC)
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Simon: Ludwig S. aus Trier, Advocat und Mitglied der ersten deutschen Nationalversammlung, geb. zu Trier 1810, † zu Montreux am Genfer See am 2. Febr. 1872. S., der Sohn eines Gymnasiallehrers (?) zu Trier, besuchte die Universität Bonn, wo er, beliebt bei seinen Commilitonen als Rechtscandidat ein heiteres Studentenleben führte, trat ums Jahr 1839 in die Anwaltspraxis, [378] und wurde in seiner Vaterstadt Advocat. Im März 1848 vom zweiten rheinischen Bezirke in die deutsche Nationalversammlung nach Frankfurt a. M. gewählt, nahm er dort auf der äußersten Linken Platz, welche im Donnersberge zu berathen pflegte. Reichbegabt, von einem glücklichen Gedächtnisse unterstützt, voll jugendlichen Ungestüms für eine demokratische Gestaltung Deutschlands, gehörte S. zu den namhaftesten Mitgliedern dieser kleinen aber äußerst rührigen Partei und zollten ihm auch die übrigen Fractionen eine gewisse Achtung, deren sich nicht alle Genossen der äußersten Linken erfreuten. Zugleich war er einer der gewandtesten und besten Redner des Hauses; seine mit volltönender Stimme gesprochenen Reden, die sich durch juristischen Scharfsinn und strenglogische Beweisführung kennzeichneten, hatten etwas Packendes. Als er gelegentlich des Malmöer Waffenstillstandes gegen Ende einer zündenden Rede ausrief: Auch wir verweilen mit Wohlgefallen auf den Bildnissen des Großen Kurfürsten und Friedrich des Großen; aber diese würden sich im Grabe herumdrehen, wenn sie vernehmen könnten, wie ihr Andenken dazu mißbraucht wird, um Deutschland von Dänemark in den Staub treten zu lassen, da erscholl (wie Wichmann in seinen Denkwürdigkeiten aus der Paulskirche berichtet,) von den verschiedensten Seiten ungetheilter stürmischer Zuruf, der nur noch überboten wurde, als er zum entschlossenen Handeln auffordernd, mit Goethe’s Worten schloß:

„Säume nicht, dich zu erdreisten,
Wenn die Menge zaudernd schweift;
Alles kann der Edle leisten,
Der versteht, – und rasch ergreift.“

Als der Rest des Parlamentes (das sog. Rumpfparlament) Anfang Juni 1849 nach Stuttgart übersiedelte, war S. bei dem Reste. Er blieb bis zur Sprengung der Versammlung und flüchtete dann im Juli in die Schweiz (nach Horn und Appenzell), wo er ein ziemlich unstätes Leben führte. Mittlerweile wurde er in Trier in contumaciam zum Tode verurtheilt. Die später erlassene Amnestie fand auf S. als früheren preußischen Landwehrofficier keine Anwendung. In der ersten Zeit lebte er in der Ostschweiz, theilweise in den Urkantonen; vom Herbst 1850 bis dahin 1851 vertauschte er seinen Aufenthalt mit dem in Waadt, während er die Jahre 1852 und 53 in Genf und Bern verlebte. Von da unternahm er mancherlei Ausflüge ins Berner Oberland und nach Chamouny. Vom Herbste 1853 bis Sommer 1855 finden wir den unsteten Wanderer in Oberitalien (meist an der Riviera), zuletzt in Nizza, wo er die Vorrede zu seinem zweibändigen Werke „Aus dem Exil“ (Gießen 1855, I. 262, II. 356) schrieb. Das Werk schildert seine Erlebnisse und Fahrten vom Rumpfparlamente bis zu seiner Uebersiedlung nach Paris (Juni 1849 bis Juli 1855). Es enthält jedoch nicht bloße Memoiren; es sind ihnen (wie die Vorrede selbst sagt) „häufig Naturbeschreibungen, andre Mittheilungen und manches Wissenswerthe beigefügt“. Da S. in der Schweiz trotz wiederholter Versuche keine ihm zusagende Stellung fand, ging er nach Paris und trat dort (1855) als Commis in ein Bankhaus; 1866 gründete er ein eigenes Geschäft, das er nach Ausbruch des deutsch-französischen Kriegs (gegen Ende 1870) auflöste. Er verließ Frankreich und nahm seinen Wohnsitz zu Montreux am Genfer See, wo er nach verhältnißmäßig kurzem Aufenthalte – in der Heimath vergessen und verschollen – am 2. Februar 1872 mit Tod abging. Zum Unterschiede von Max Simon aus Wohlau in Schlesien und Heinrich Simon aus Breslau, welch’ Letzterer mit unserem S. auf der äußersten Linken in der Paulskirche saß, und sich gleichfalls am Rumpfparlamente betheiligte, führte S. den Namen „Simon von Trier“.

Siehe die kurzen, gleichlautenden Artikel der Convers.-Lexc. – H. Laube, [379] Das erste deutsche Parlament Bd. I–III, besonders III, 121. 363. – W. Wichmann, Denkwürdigkeiten aus der Paulskirche. S. 96. 238. 355. 406. 411. – Mündliche Mittheilungen von Altersgenossen.