ADB:Scribonius Grapheus, Cornelius

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Artikel „Scribonius Grapheus, Cornelius“ von Eugen Ehrmann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 33 (1891), S. 487–488, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Scribonius_Grapheus,_Cornelius&oldid=- (Version vom 10. August 2022, 17:29 Uhr UTC)
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Scribonius: Cornelius S. Grapheus (Cornelis Schryver), Secretarius der Stadt Antwerpen; zu Aalst 1482 geboren, studirte er in Antwerpen, bereiste Italien, verheirathete sich 1515 mit Adriana Philips, ward 1535 Secretarius und starb am 15. Dec. 1558 (Grabschrift u. Bildniß bei Foppens, Bibl. Belg. I, 202). Für die Geschichte bemerkenswerthestes Ereigniß seines Lebens ist, daß er eines der ersten Opfer der Ketzerverfolgung in Belgien wurde; er ließ sich aber durch den Schrecken belehren und hielt sich nach seiner Freilassung kirchlich correct. Anlaß zur Verhaftung war seine Vorrede zu Johann von Goch’s De libertate christianae religionis (s. A. D. B. IX, 303). Er hatte, was darin von Gott und der Bibel, als alleinigen Grundlagen des Glaubens und der Kirche, zum erbaulichen Zweck der Selbstbetrachtung gesagt war, ins Polemische gewendet, allgemeines Priesterthum aller Laien männlichen Geschlechts behauptet und den Primat Petri angezweifelt. Sorge um das Loos der Seinigen bewog ihn im Inquisitionskerker zu widerrufen, was er feierlich am 6. Juli 1522 vor dem Rathhaus in Brüssel wiederholte. Doch dauerten Haft und nach der Entlassung Plackereien der Mönche noch bis 1526. Schon 1520 hatte er sich als geschickten Versificator ergebener patriotischer Gefühle bewiesen; im Antwerpener Freundeskreis des Erasmus war er wohlgelitten und gerne gesehen als poeta, orator, historicus und cantor, mit Petrus Aegidius (Gilles) insbesondere hatte er gemeinschaftlich eine „Institutio principis ac magistratus Christiani“ (s. A. D. B. I, 125 f.) verfaßt; das alles mag ihm zu dessen Amtsnachfolge verholfen haben. Als officieller Rathspoet hat er sich dann bei allen wichtigeren Ereignissen im politischen und städtischen Leben vernehmen lassen, bei fürstlichen Einzügen Sinnsprüche und Allegorien erdacht und das ganze spectaculum darnach peinlich genau beschrieben. Rhetorisch verstandesgemäß ist die Disposition, wohlgebaut der Hexameter, an den Hauptstellen erscheinen schickliche Bilder und Vergleiche, Wiederholungen und Synonyma ersetzen das Feuer, und am Schluß entführen den Dichter die Musen nach dem Olymp. Der Verbreitung nach zu schließen haben diese Arbeiten sowie eine Phrasensammlung aus Terenz ziemlichen Anklang gefunden. Was der gute Rathsschreiber, weder an Geist noch an Charakter über das Mittelmaß sich erhebend, sonst verfaßt hat, scheint, wenn man aus den Titeln schließt, fast alles dem Zweck der öffentlichen Bethätigung einer tadellosen kirchlichen Gesinnung gedient zu haben. Von der Studierstube aus und für diese religiöse Freiheit fordern, sowie es blutiger Ernst im Volke wird, scheu sich zurückziehen und das verspottete Alte einem zu erkämpfenden Neuen und Wahren vorziehen, so mag im unbedeutendsten Correspondenten [488] des Erasmus doch der historische Charakter dieses Mannes sich wiederholen und spiegeln.

Die Litteratur und ein ziemlich vollständiges Verzeichniß seiner Schriften bei van der Aa.