ADB:Schroeder, Julius von

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Artikel „Schroeder, Julius von“ von L. S. in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 32 (1891), S. 521, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Schroeder,_Julius_von&oldid=- (Version vom 27. Mai 2022, 15:42 Uhr UTC)
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Schröder: Julius v. S., verdienter baltischer Schulmann, wurde im J. 1808 am 6. Februar zu Lemsal bei Riga geboren, woselbst sein Vater Prediger war. Nach Absolvirung des Gymnasiums in Riga bezog er (im J. 1827) die Universität Dorpat, um Theologie zu studiren, wurde sodann Lehrer und Inspector der Ritter- und Domschule zu Reval, gab diese Stellung jedoch nach einigen Jahren (1833) wieder auf, um zum zweiten Male in Dorpat zu studiren, und zwar jetzt hauptsächlich Mathematik und Naturwissenschaften. Nachdem er dann einige Zeit im Hause des Fürsten Uchtimski bei Kasan als Erzieher thätig gewesen, wurde er in Moskau Rector der Petri-Pauli-Kirchenschule und gleichzeitig Lehrer an der Commerzakademie daselbst, welche Stellungen er von 1836–1841 bekleidete. Während dieser Zeit (im J. 1838) begründete er im Verein mit dem wohlhabenden Bäckermeister Meyer die Evangelische Armen- und Waisenschule zu Moskau, welche noch gegenwärtig in Blüthe steht. Von dem Drange beseelt, seine Kinder in deutschen Verhältnissen aufwachsen zu lassen, siedelte S. im J. 1841 nach Dorpat über, wurde bald darauf Inspector und im J. 1849 Director des Gymnasiums zu Dorpat und Gouvernements-Schulendirector, in welcher Eigenschaft er 21 Jahre (1849–1870) thätig gewesen ist. Es darf diese Zeit wohl als die Blüthezeit des Dorpater Gymnasiums bezeichnet werden. Unter Schröder’s Leitung wurde das Gymnasium aus einem 5 classigen in ein 7 classiges umgewandelt, er begründete die Vorbereitungsschule zum Gymnasium, sowie die sogen. Parallelclassen, welche eigentlich ein zweites Gymnasium bildeten. Als im J. 1870 die Regierung von den Directoren der Gymnasien Einführung der russischen Sprache in der gesammten Geschäftsführung verlangte, glaubte S. dies nicht mit seinem Gewissen vereinigen zu können und quittirte den Dienst, obgleich er dadurch mit seiner zahlreichen Familie in materiell sehr bedrängte Umstände gerieth. Als aber bald darauf die Veränderungen im baltischen Schulwesen bei vielen Eltern den Wunsch nach Begründung einer Privatlehranstalt wachriefen, betheiligte sich S. bei diesem Unternehmen und 1875 trat die Schule – ein Privatgymnasium – mit S. als Director ins Leben. Mit der ganzen Kraft seiner Persönlichkeit widmete sich der bereits bejahrte S. diesem patriotischen Werke, unterstützt von einer Reihe tüchtiger jüngerer Lehrkräfte, die um ihn als ihren Mittelpunkt sich schaarend mit seltener Einmüthigkeit und idealer Begeisterung an der Schule arbeiteten, welche rasch aufblühte und das Vertrauen des Landes gewann. Leider mußte der Greis im J. 1881 auch diese Thätigkeit aufgeben; still und zurückgezogen verbrachte er seinen Lebensabend in Dorpat, woselbst er am 9. August 1888 nach längerer Krankheit sanft entschlief. – Schröder’s Bedeutung lag vornehmlich in dem machtvollen Idealismus, der sein ganzes Wesen durchdrang und auch Andre unwiderstehlich mit fortzureißen wußte. Er war von seltener Uneigennützigkeit und Reinheit des Charakters, schlicht und bescheiden in seiner Lebensführung, dem pädagogischen Berufe mit ganzer Seele ergeben. Sehr vielseitig gebildet, lebhaften und feurigen Geistes, verstand er es in hohem Grade, geistig anregend und belebend zu wirken. Seiner Gesinnung nach war er durch und durch deutsch, ein glühender Patriot, ein mannhafter Kämpfer für die Sache deutscher Cultur und Bildung in den deutsch-russischen Ostseeprovinzen. Er ruht in seinem Sarg auf deutscher Erde, die er sich selbst zu diesem Zwecke 12 Jahre vor seinem Tode aus Deutschland mitgebracht.

Vgl. über ihn Georg Rathlef in der Balt. Monatsschr. Bd. XXXVI, Heft 3: Julius von Schröder, Zur Erinnerung an das Leben und Wirken eines baltischen Schulmanns.
L. S.