ADB:Schosser, Anton

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Artikel „Schoffer, Anton“ von Anton Schlossar in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 32 (1891), S. 388–389, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Schosser,_Anton&oldid=- (Version vom 24. Oktober 2020, 03:38 Uhr UTC)
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Schosser: Anton S., österreichischer Dialectdichter, wurde am 7. Juni 1801 zu Stiedelsbach in Oberösterreich als der Sohn eines einfachen Nagelschmiedes geboren. Da der schwächliche Knabe für das Handwerk nicht zu passen schien, sich aber sehr geweckt zeigte, so wurde er auf den Rath eines den Eltern befreundeten Pfarrers von Losenstein ins Gymnasium nach Melk gegeben, wo er vier Jahre lang blieb, dann aber wieder nach Hause kam und sich unter Leitung des Pfarrers Pislinger mit Geometrie und Situationszeichnen beschäftigte. Er wendete sich hierauf dem Schulfache zu, wurde Schulgehülfe zu Leonstein und später selbständiger Schullehrer zu Klein Reifling im Ennsthale. Das Leben des Schullehrers behagte ihm aber nicht und wir finden ihn plötzlich wieder in Losenstein. Von jener Zeit an erwarb er sich seinen Unterhalt bei den Vermessungen als Geometer, wobei er viel im Lande umherzog und nicht selten darbte. Eine Zeit lang weilte er auch in dem schönen Städtchen Gmunden am Traunsee, wo so manche seiner mundartlichen Lieder entstanden, die er in eigenthümlicher Weise selbst vorzutragen wußte. Dort lernte den im Lande allbekannten Poeten der hochgestellte Freund der Alpenpoesie und Musik Herzog Max in Baiern, der Vater der Kaiserin von Oesterreich kennen und erfreute ihn, nachdem S. seine „Naturbilder“ herausgegeben und dem Herzog gewidmet hatte, im J. 1849 durch die Zusendung der goldenen Medaille, mit welcher der kunstfreundliche Fürst hervorragende Talente gerne auszuzeichnen pflegte. Ein Brustleiden, das sich langsam aber stetig herausbildete, zehrte jedoch schon damals an des Dichters Gesundheit. Dieser kam nach Losenstein zurück und lebte bei seiner Schwester, von seinen Freunden und Gönnern in edler Weise unterstützt. Noch hatte der Leidende die Kraft, nach einem neuen Erwerbe strebend, sich nach Steyr zu begeben, wo er aber kurz nach seiner Ankunft am 26. Juli 1849 starb.

Des Dichters mundartliche Lieder sind in einem Bande gesammelt, welcher den Titel führt: „Naturbilder aus dem Leben der Gebirgsbewohner in den Grenzalpen zwischen Steyermark und dem Traunkreise“ (Steyr 1849, 2. Ausgabe 1850). – Seine „Nachgelassenen Gedichte“ hat Al. J. Schindler mit einer Lebensgeschichte des Dichters (1850) herausgegeben. Neuerlich wurden die Lieder Schosser’s vom Stelzhamer-Bunde in Linz als zweiter Theil des Sammelwerkes „Aus der Heimath“ (Linz 1889) nebst den dazu gehörigen volksthümlichen Melodien edirt. – Obgleich keine große Zahl von Liedern Schosser’s vorliegt, so muß der Dichter doch den besten und am meisten volksthümlichen oberösterreichischen Dialectdichtern beigezählt werden. Er hat der Freude des Alpensohnes an der Natur und an den Schönheiten der Bergheimath wie kaum ein zweiter den richtigen Ausdruck zu geben verstanden. Fast alle seine Lieder, meist den im Alpenlande allbekannten Volksmelodien unterlegt, sind echte Volkslieder [389] geworden, die heute noch in den Bergen von Steiermark, Oberösterreich und darüber hinaus erklingen. Gesänge wie „’s Schwoag’ngehn“, „’s Hoamweh“ („Wo ich geh’ und steh’, thuat mir’s Herz so weh“), „Mein Seufzer“ („Da steh’ ich auf’m Kogel“), „’s Hoamtreib’n“, „Der Hahnerfalz“, „’s Gamsjagern“, „Die krank’ Schwoag’rin“ kennt jeder Bursche in jenen Bergen, der auch von dem bescheidenen Dichter nie etwas vernommen. Alle diese Lieder zeugen von so inniger Naturanschauung und so tiefem Verständniß aller Stände des Heimathvolkes, aus dem heraus sie entstanden sind, daß man den Dichter dieser Gesänge, die auch, was die Form betrifft, überaus correct ausgeführt sind, jedenfalls als ein bedeutendes Talent ansehen muß.

Alex. Jul. Schindler’s biogr. Einleitung in Anton Schosser’s nachgelassenen Gedichten (Steyr 1850). – Darnach auch bei Wurzbach, Biogr. Lex. XXXI. – Die N. Fr. Presse in Wien v. 16. Juni 1887 brachte über S. einen Aufsatz von E. K. (Ernst Keiter) unter dem Titel „Ein vergessener österreichischer Volksdichter“, welcher ebenfalls beachtenswerth ist.