ADB:Schmidl, Ulrich

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Schmidl, Ulrich“ von Mondschein. in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 31 (1890), S. 702–703, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Schmidl,_Ulrich&oldid=- (Version vom 31. März 2020, 18:03 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Schmidl, Johann
Nächster>>>
Schmidt, Adolf
Band 31 (1890), S. 702–703 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Ulrich Schmidl in der Wikipedia
GND-Nummer 118945882
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|31|702|703|Schmidl, Ulrich|Mondschein.|ADB:Schmidl, Ulrich}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=118945882}}    

Schmidl: Ulrich S. aus Straubing a. D., Verfasser einer Konquistadorenrelation, um 1510 geboren, entstammte einem der angesehensten und begütertsten Bürgergeschlechter, dessen Mitglieder Generationen hindurch in häufiger Wiederholung die Bürgermeisterwürde und andere wichtige Aemter der Stadt bekleideten. In Antwerpen faßte der junge Ulrich, welcher, wie aus mehreren Stellen seines Berichts hervorgeht, lateinischen Unterricht genossen hatte, aus Abenteuerlust, wie es scheint, den Entschluß, nach der neuen Welt zu gehen und sich der eben in Ausrüstung begriffenen großen Expedition Don Pedro de Mendoza’s nach dem neuentdeckten Silberstrom anzuschließen. Am 1. September 1534 segelte Mendoza’s Flotte, bestehend aus 14 großen Schiffen mit 2500 Spaniern und 150 Hochdeutschen, Niederländern und Sachsen nebst 72 Pferden an Bord, von Cadix ab. Das Schiff, auf welchem S. sich mit 80 deutschen Landsleuten befand, gehörte Sebastian Neithart und Jakob Welser in Nürnberg und war von deren Factor Heinrich Paime befehligt. Nach der Landung an der La Plata-Mündung im Januar 1535 wurde Buenos Ayres gegründet, bald aber brach eine Hungersnoth unter den Ankömmlingen aus, welche im Verein mit den Kämpfen gegen die Eingebornen binnen kurzem nahezu vier Fünftel der Expedition hinwegraffte. Der Rest zog stromaufwärts und gründete Buona Esperanza und Asuncion, welch letztere Stadt nach der Aufgabe von Buenos Ayres der Hauptstützpunkt [703] der Erobererschaar blieb. S. schildert nun in seinem Werke die zahlreichen von Asuncion ausgehenden Kriegszüge, von denen einer bis in die Breite des Titicaca-Sees, ein anderer nach Peru gelangte, die heftigen Kämpfe mit den Eingeborenen und die nicht minder heftigen Streitigkeiten der wechselnden Führer unter sich mit großer Anschaulichkeit und Lebendigkeit. Mitten in diesem wechselvollen Abenteurerleben erhielt er am 25. Juli 1552 durch Vermittlung des Factors der Fugger in Sevilla, Christoph Raiser, einen Brief mit der Bitte um Heimkehr, welchen Sebastian Neithart im Namen des Bruders Thomas Schmidl, fürstlichen Raths in Straubing geschrieben hatte. S. nahm daraufhin seinen Abschied und zog in sechsmonatlichem höchst beschwerlichem Marsche von Asuncion quer zu Lande nach S. Vincente, wo er sich am 13. Juni 1553 auf einem dem Erasmus Schetz in Antwerpen gehörigen und von dessen Factor Peter Rössel befehligten Schiffe nach der Heimath einschiffte. Am 26. Januar 1554 betrat er nach nahezu 20jähriger Abwesenheit und nachdem er durch Schiffbruch alle seine Habe verloren hatte, zu Antwerpen den Boden des Vaterlandes wieder, ebenso arm als er ihn verlassen. In seine Vaterstadt zurückgekehrt, schloß er sich der Reformation an und mußte in Folge dessen auf den Ausweisungsbefehl Herzog Wilhelm’s 1562 die Stadt verlassen. Er begab sich nach Regensburg, wo er sich ankaufte und als Bürger aufgenommen ward und wo er, nachdem er sich noch verheirathet, ohne männliche Nachkommen zu hinterlassen, um 1579 starb. In Regensburg wird er auch seine Erlebnisse aufgezeichnet haben. S. tritt uns in seiner Relation als ehrlicher deutscher Landsknecht entgegen, der die Schicksale und Begebnisse eines wilden Abenteurerlebens schlicht und einfach erzählt. Die Erzählung, welche als eine der wichtigsten Quellen für die Entdeckungsgeschichte des La Plata-Gebietes anzusehen ist, trägt durchaus das Gepräge des ungeschminkt Wahren, wie sie denn nur Selbsterlebtes enthält. Sie ist in zwei Handschriften erhalten, von denen eine, die Originalniederschrift, die K. Bibliothek zu Stuttgart, die andere die Münchener Hof- und Staatsbibliothek verwahrt.

Vergl. Ulrich Schmidl und seine Reisebeschreibung. Programm der K. Realschule Straubing für 1880/81. – V. Langmantel, U. Schmidl’s Reise nach Südamerika. Nach der Münchener Handschrift (184. Publ. d. litter. Ver. in Stuttgart). 1890.
Mondschein.