ADB:Samson-Himmelstjerna, Guido von

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Artikel „Samson von Himmelstjerna, Hermann Guido“ von Ludwig Stieda in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 30 (1890), S. 315–317, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Samson-Himmelstjerna,_Guido_von&oldid=- (Version vom 8. April 2020, 03:19 Uhr UTC)
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Samson von Himmelstjerna: Hermann Guido S., Professor der Staatsarzneikunde an der Universität zu Dorpat, entstammt einem alten, seit drei Jahrhunderten in Riga und Livland einheimischen Geschlecht. Der Ahnherr des Geschlechts, Naeman S., kam 1568 aus Geldern nach Riga und [316] wurde hier als Hauptmann der Stadtsoldaten angestellt. Der Sohn Naeman’s, Hermann, von Gustav Adolf 1622 zum Superintendenten von Livland ernannt, wurde von Christine am 19. September 1640 mit dem Zunamen von Himmelstjerna in den Adelstand erhoben; er ist der Begründer der in den russischen Ostseeprovinzen jetzt verbreiteten Adelsfamilie S. v. H.

Guido S. wurde am 23. Jan./4. Febr. 1809 als Sohn des Gutsbesitzers Karl Hermann Christian S. in Livland geboren. Nachdem er den Cursus im Gymnasium zu Dorpat 1826 beendigt, bezog er die Universität daselbst und studirte zuerst drei Jahre Jurisprudenz, dann bis 1832 Medicin und erlangte 1834 den Grad eines Doctors der Medicin („Diss. de extracto aethereo oleoso-resinoso seminum Cinae“). Nun setzte er seine wissenschaftlichen Studien in Berlin, Würzburg und Wien unter Rokitansky fort, verheirathete sich 1836 in Würzburg mit der Tochter des königlichen Landrichters Peter v. Welz, kehrte dann in seine Heimath zurück und trat zunächst in den Dienst der Marine. Er wurde am 12. April 1837 am Kalinkinseehospital in St. Petersburg angestellt und machte in den folgenden Jahren kurze Seereisen. 1838 mit dem Schiff „Oranienbaum“, 1840 mit dem „Bogatyr“. Im Juli 1842 siedelte er als Oberarzt des Alexander-Cadetten-Corps nach Brest-Litowsk über. Trotz angestrengter praktischer Thätigkeit hatte er Gelegenheit gefunden, seine in St. Petersburg gemachten Beobachtungen an Scorbutkranken wissenschaftlich zu verwerthen. Er veröffentlichte dieselben unter dem Titel: „Beobachtungen über den Scorbut vorzüglich in pathologisch-anatomischer Hinsicht“ (Berlin 1843); die Abhandlung wurde in der damaligen wissenschaftlichen Welt sehr günstig beurtheilt, wie aus verschiedenen Kritiken hervorgeht. Als nun an der Universität zu Dorpat ein neuer Lehrstuhl für Staatsarzneikunde errichtet worden war, wurde S. berufen und trat am 28. Mai 1845 sein Lehramt als ordentlicher Professor an. Von diesem Zeitpunkt ab hat er bis zu seinem Tode (18./30. Januar 1868) mit ausgezeichnetem Erfolg und großer Anerkennung seinem Lehramt vorgestanden. Da er neben seinen Vorlesungen auch die Verpflichtung hatte, die zukünftigen Militärärzte mit dem Hospitaldienst bekannt zu machen, so ertheilte er in vortrefflicher Weise gründlichen klinischen Unterricht in dem ihm überwiesenen Stadthospital. Hier kam Samson’s große Lehrbefähigung zu voller Geltung; ganz besonderen Werth legte er auf eine sorgfältige Krankenuntersuchung; die damals von ihm geleiteten Kurse über Percussion und Auscultation der Brustorgane zogen vor allem die Studirenden an. Unermüdlich arbeitete er, um sich und die ihm anvertrauten Schüler auszubilden. Während der letzten Jahre seines Lebens, vom 21. Januar 1865 bis zu seinem Tode verwaltete er das Rectorat der Universität in würdevoller und gerechter Weise. Als Schriftsteller hat er sich namentlich durch seine „Mittheilungen aus dem praktischen Wirkungskreise des Professors der Staatsarzneikunde“ einen Namen gemacht. Diese Mittheilungen, von denen die erste Reihe Dorpat 1847, eine zweite die Jahre 1847–51 umfassende Reihe 1852 und die dritte, eine Uebersicht der Jahre 1852–58 enthaltende Reihe 1859 erschien, bieten dem Gerichtsarzte eine große Fülle von feinen Beobachtungen; dem angehenden Praktiker sollten die veröffentlichten Gutachten und Urtheile nachahmungswerthe Beispiele vorführen. Nach dieser Richtung hin haben jene Mitteilungen den Gerichtsärzten der russisch-deutschen Ostseeprovinzen wesentlichen Nutzen gebracht. Außerdem hat S. veröffentlicht: „Ueber Spinalneurosen“ ( Med. Zeitung Rußlands 1844, Nr. 8); „Beobachtungen während einer Epidemie im Jahre 1840 zu Moskau“ (Häser’s Archiv. Bd. V, 1844) und in Gemeinschaft mit G. v. Oettingen: „Populäre Anleitung zur Pflege und Behandlung der unter der ländlichen Bevölkerung in den Ostseeprovinzen Rußlands insbesondere [317] in Livland am häufigsten vorkommenden Augenkrankheiten“, Mitau 1860; ferner eine Anzahl von Recensionen in medic. Zeitschriften.