ADB:Roos, Johann Heinrich

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Artikel „Roos, Johann Heinrich“ von Joseph Eduard Wessely in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 29 (1889), S. 144–145, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Roos,_Johann_Heinrich&oldid=- (Version vom 6. August 2020, 08:08 Uhr UTC)
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Roos: Johann Heinrich R., berühmter Maler und geistreicher Schilderer der Thiere, geboren in Otterdorf in der Pfalz im J. 1631, † in Frankfurt a. M. 1685. Er kam im frühesten Jugendalter nach Amsterdam, wo er frühzeitig Anlagen für die Kunst offenbarte und von Jul. du Jardin und später von A. de Bye Unterricht genoß. Frühzeitig stand er auf eigenen Füßen, malte Bildnisse, doch diese zumeist nicht aus eigenem Antriebe. Gern stellte er Jahrmärkte mit vielen Figuren dar, lustige Auftritte und dergleichen. Diese Art Bilder sind aber selten, da er bald von der Menschen- auf die Thiermalerei überging. Hier erst gewann seine Kunst ihr eigentliches Fahrwasser und seine Thierdarstellungen, die überdies in die schönste ihnen entsprechende Landschaft hineingestellt sind, werden ob ihrer natürlichen Auffassung und künstlerischer Wiedergabe stets sehr hoch geschätzt bleiben. Im J. 1657 ließ er sich in Frankfurt a. M. häuslich nieder, wurde Maler des Kurfürsten Karl Ludwig, malte auch den Kurfürsten Johann Philipp von Mainz und viele Vornehme am Hofe zu Kassel. Sein eigenes Bildniß ist zweimal vorhanden, in der Pinakothek zu München und in der Galerie zu Braunschweig. Letzteres ist mit dem Namen und dem Jahr 1682 bezeichnet. Seine Hauptstärke besteht im Thierstück. Solche Bilder sind in allen europäischen Galerien zerstreut; München besitzt allein 14 der besten Stücke. Auch Berlin, Dresden, Wien und andere Sammlungen bewahren vorzügliche Werke von ihm. Die Natur, der Charakter eines jeden Thieres ist mit der größten Wahrheit aufgefaßt, die Bewegung, die Zeichnung der Gliedmaßen, die Farbe des Fells, der Wolle bei den Schafen sind täuschend der Wirklichkeit abgelauscht. Wie als Maler, so ist R. auch als Radirer bewundernswerth. Bartsch beschreibt 39 Blätter von ihm, Weigel im Nachtrag bringt noch 5 andere zur Kenntniß der Kunstfreunde. Seine Nadel [145] ist sehr geistreich, manche Blätter stellen vollendete Bilder dar. R. soll auch Deutschland bereist haben; es ist wohl möglich, daß er bei dieser Gelegenheit auch Italien gesehen hat, denn in seinen Landschaften, den gemalten wie radirten, finden sich vielfach Anklänge an italienische Architekturen. – Kurz vor seinem Tode verbrannte sein Haus und wohl auch seine Habe. Möglich, daß dieses Unglück seinen Tod beschleunigt hat.

Bartsch, Peintre-Gr. – Weigel, Suppl. – Immerzeel. – Kramm.