ADB:Raynald von Nimwegen

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Artikel „Raynald von Nimwegen“ von Karl Steiff in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 27 (1888), S. 474–476, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Raynald_von_Nimwegen&oldid=- (Version vom 21. Mai 2022, 11:54 Uhr UTC)
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Raynald: R. von Nimwegen, einer jener zahlreichen deutschen Buchdrucker des 15. Jahrhunderts, deren Thätigkeit es Venedig wesentlich mit zu verdanken hat, daß es unter den Incunabelstädten in erster Reihe steht. R. nennt sich zwar immer nur mit der lateinischen Form des Namens R. de Nouimagio und da dieser Name (richtiger: Noviomagum, -us) außer der genannten Stadt noch [475] einer ganzen Anzahl von Orten – in Deutschland, Frankreich, England und der Schweiz – zukommt, so ist es nicht so ohne weiteres sicher, daß R. gerade aus Nimwegen gewesen ist. Es ist dies aber die gewöhnliche Annahme und sie wird das richtige treffen. Durch den Beisatz, den R. fast regelmäßig bei seinem Namen macht: Alemannus, Teutonicus u. dgl. sind jedenfalls die französischen und englischen Orte ausgeschlossen. Von den deutschen und schweizerischen aber, Speier, Neuwagen an der Mosel und Nyon im Kanton Waadt, kann der erstgenannte nicht wohl in Betracht kommen, da R., wenn aus Speier stammend, sicher den allbekannten lateinischen Namen der Stadt, Spira, gebraucht hätte, nicht den ganz ungewohnten und ohne Beisatz unverständlichen Nouimagium; die beiden andern Orte aber sind im Vergleich mit Nimwegen so klein und unbedeutend, daß bei jenem lateinischen Namen gewiß Niemand zunächst an einen von ihnen, sondern an die holländische Stadt gedacht hat. Dazu kommt, daß R. anfangs in Verbindung mit einem Genossen erscheint, dessen Heimath (s. u.) ebenfalls auf Holland hinweist. Darf es nun hienach als ausgemacht betrachtet werden, daß wirklich Nimwegen der Ort der Herkunft unseres Druckers ist, so ist dies freilich auch alles, was wir über die Person des Letzteren wissen. Wir kennen nur seine Thätigkeit und auch diese nur aus ihren Erzeugnissen, aus den Drucken seiner Presse. Darnach tritt er zum ersten Mal im J. 1477 in Venedig auf und zwar in Gesellschaft von Theodoricus de Reynsburch (d. i. das heutige Rijnsburg, ein Dorf in Südholland). Auch andere scheinen z. Th. in dieser Gesellschaft gewesen zu sein, wenigstens ist in einem der Drucke den Namen der beiden Meister „ac socii“ beigefügt. Der Werke, welche sie mit einander gedruckt haben, sind, so viel bekannt, nur vier, die alle den Jahren 1477 und 1478 angehören; darunter eine lateinische Bibel und Petrarca’s Gedichte im italienischen Original. Während nun aber der auch sonst gänzlich unbekannte Theodoricus nach 1478 verschwindet, kennen wir von R. bis zum Jahr 1496, vermuthlich dem letzten seiner Thätigkeit, noch 28 weitere Drucke, und auch dies sind wohl noch nicht alle, da aus den Jahren 1484, 1485, 1487, 1491–95, in welchen seine Presse schwerlich stille gestanden, bis jetzt kein Druck von ihm bekannt geworden ist. Ein besonderes Gebiet der Litteratur hat R. nicht gepflegt; Medicin, Philologie, Theologie, Jurisprudenz kommen nach einander an die Reihe. Wir nennen insbesondere seine Ausgabe lateinischer Dichter, des Terenz, Virgil, Horaz und Persius, und sodann Justinian’s Institutionen, von 1490, letztere auch darum, weil es nach den Bibliographien zweifelhaft erscheinen könnte, ob dieser Druck überhaupt existirt; er ist auf der königl. Universitätsbibliothek in Tübingen vorhanden. Wichtige Editiones principes sind freilich nicht unter Raynalds Drucken, dafür aber auch keine oder fast keine Nachdrucke oder bloße Abdrücke von Handschriften: fast immer ist die bessernde oder mit Beigaben bereichernde Hand der seiner Presse nahe stehenden Gelehrten zu erkennen, so daß seine Ausgaben neben anderen ihren eigenthümlichen Werth besaßen. Was die technische Seite betrifft, so zeigen die Erzeugnisse seiner Presse dieselbe treffliche Ausstattung in Druck und Papier, welche wir sonst an den venetianischen Drucken des 15. Jahrhunderts bewundern. Daneben aber scheint der Meister auf Correctheit noch besonderen Werth gelegt zu haben; wenigstens macht er auf dieselbe in einigen Drucken mit einem Stolze aufmerksam, der an Robert Stephanus und an Sebastian Gryphius erinnert. Ob R. ein Druckerwappen besaß und welches, vermochten wir nicht festzustellen, da der Druck in welchem ein „insigne typographicum“ vorkommen soll, das Digestum vetus von 1489 (Hain 9554), in dem Exemplar der Hof- und Staatsbibliothek in München ein solches nicht mehr [476] aufweist – es ist ausgeschnitten –, ein anderes Exemplar aber nicht aufzufinden war.

Vgl. van der Meersch, Recherches sur la vie et les travaux de quelques imprimeurs belges, établis à l’étranger, Gand 1844 sqq., p. 229 sqq., wo auch – S. 305–338 – Raynald’s Drucke aufgezählt sind (zweimal aufgeführt ist übrigens eine und dieselbe Ausgabe des Liber moralium super Job von Gregor d. Gr., nämlich S. 315 beim Jahr 1480 und S. 329 beim Jahr 1484, so daß sich die dort angegebene Zahl der Drucke um einen reducirt). Man findet die Drucke übrigens auch in derselben Vollständigkeit schon in Hain’s Repert. bibliogr. und mit Ausnahme von Hain 15411 bei Panzer, Annales typogr. III, p. 132–383, 493 u. IV, p. 442 verzeichnet.