ADB:Rau, Johann Eberhard

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Rau, Johann Eberhard“ von Friedrich Otto in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 27 (1888), S. 379–380, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Rau,_Johann_Eberhard&oldid=- (Version vom 6. August 2020, 11:33 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Rau, Johann Jakob
Nächster>>>
Rau, Carl
Band 27 (1888), S. 379–380 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Johann Eberhard Rau in der Wikipedia
GND-Nummer 131494376
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|27|379|380|Rau, Johann Eberhard|Friedrich Otto|ADB:Rau, Johann Eberhard}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=131494376}}    

Rau: Johann Eberhard R., evangelischer Theologe, geb. am 16. Juli 1695 a. St. zu Altenbach, einem Eisenhammer und einer Stahlhütte des Amtes Hilchenbach im Fürstenthum Siegen, † am 24. Mai 1770 zu Herborn. Sein Vater, welcher auch eine Stahlhandlung besaß, starb, als der Knabe erst fünf Jahre alt war. Die Mutter ließ den Sohn zunächst die Lateinschule zu Siegen, welche damals unter dem Rector J. G. Bellersheim blühte, besuchen; nachdem er dieselbe durchlaufen hatte, bezog er im J. 1713 die hohe Schule zu Herborn, alsdann die Universität zu Marburg, um Philosophie, Theologie und die verwandten Gebiete zu studieren; am 11. Juni 1717 disputirte er zu Marburg de precibus Hebraeorum (gedruckt Marburg 1717). Nach fünf Jahren kehrte er von hier nach Herborn zurück und hörte noch einige theologische Vorlesungen daselbst. Eben wollte er eine gelehrte Reise nach Holland antreten, als er im J. 1721 zum Professor der Theologie sowie der griechischen und hebräischen Sprache an der hohen Schule zu Herborn ernannt wurde. Er trat sofort sein neues Amt an und vollendete nunmehr die gewöhnliche Laufbahn der Lehrer der Philosophie und Theologie an jener Anstalt, indem er 1731 zum ordentlichen dritten und 1754 zum ordentlichen ersten Professor der Theologie (prof. primarius et Caussenianus) aufrückte; in den Jahren 1730 und 1731 war er Rector, 1753 und 1754 Protector der hohen Schule (den Titel Rector führte seit 1748 der Prinz von Oranien Wilhelm IV., der zugleich bekanntlich Fürst von Nassau-Dillenburg war). Man rühmte seine Gelehrsamkeit, die er auch auf dem Gebiet der Philosophie und hebräischen Alterthümer durch mehrere [380] Schriften bewies: „Theses philos. controversae in principia Ren. Cartesii“, Herborn 1726, 4°; „Disp. physica de corpore infinite non dividuo“, ib. 1729, 4°; „Diatribe de synagoga magna qua Judaeorum de senatu quodam Hierosol. … famosa traditio examinatur“ … Utrecht 1726. 8°; „Diss. … de libamine facto in s. mensa“ … Herb. 1732; unter dem Namen Ian. Verrius Bassanensis schrieb er „Examen iuris canon. et praxis fori eccles. protestantium in causis raptus et affinibus“. Utr. 1738. In einer Abhandlung: „Monumenta vetustatis … de ara Ubiorum … tum de tumulo honorario Gaii et Lucii Caesarum“ … Utr. 1738 will er die ara Ubiorum auf die rechte Rheinseite verlegen, was er später widerrief. Seine wissenschaftlichen Leistungen fanden Anerkennung: 1729 wurde er zum Mitglied der königlichen Akademie der Wissenschaften zu Berlin erwählt und erhielt 1746 einen Ruf an die Universität zu Frankfurt a. O., doch hielt ihn die Regierung in Herborn dadurch, daß sie ihm eine Erhöhung seiner Besoldung gewährte und ihn zum Oberconsistorialrath der Fürstenthums ernannte. Im J. 1757 schrieb er gegen C. G. Thalemann in Leipzig, welcher in einer Abhandlung des J. 1752 die Wolke über der Stiftshütte für ein commentum Judaicum erklärt hatte, die „Exercitatio academica pro nube super arcam foederis, opposita M. C. G. Thalemanno Lips. I. II.“ Herb. 1757, 1758, 4°, wozu noch eine pars III. im J. 1758 trat, zusammen 72 S. Auf die ungünstige Beurtheilung derselben in den Göttinger Gel. Anzeigen erwiderte er in dem „Gutachten der Herrn Göttinger über des Oberconsistorialrathes und ersten Prof. der Theol. Herrn J. E. Rau herausgegebene und dem Herrn Thalemann zu Leipzig entgegengesetzte Abhandlung von der Wolke über der Bundeslade sammt dessen Widerlegung“, Herb. 1757. 4°. und ließ für die holländischen Theologen seine Ansichten in der Schrift: „Dissertationes sacrae antiq., una de nube gloriosa super arcam foed. ant. … altera de libamine facto in s. mensa“ … Utr. 1760 ausgehen. Seine bedeutendste und umfangreichste Leistung ist wol die Ausgabe von Hadriani Relandi antiq. sacrae veterum Hebraeorum (notas et animadversiones adi. J. E. Rovius. Herb. 1743. 8°. 1006 S.). Am Ende seines Lebens wurde er von schweren Leiden heimgesucht; er konnte zuletzt nicht mehr gehen und stehen. Schlimmer war es, daß auch seine geistigen Kräfte ganz dahinschwanden. So wurde der Tod für ihn eine Erlösung von großen Leiden. Ein Sohn von ihm ist Sebaldus Rau.

Eine Lebensbeschreibung und ein Verzeichniß seiner Schriften enthält das akademische Programm des Prorectors Prof. Marquard Winckel, Herborn Mai 1770. Schon vorher hatte beides bis 1761 gebracht das neue Gelehrte Europa XVI, S. 1049–1059 (1761). – Vgl. auch Meusel XI, S. 57 v. d. Linde, Nassauer Drucke S. 268 ff. u. 478.