Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Plönnies, Wilhelm von“ von Bernhard von Poten in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 26 (1888), S. 310–311, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Ploennies,_Wilhelm_von&oldid=- (Version vom 19. April 2024, 05:15 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Ploennies, Luise von
Nächster>>>
Plößl, Simon
Band 26 (1888), S. 310–311 (Quelle).
Wilhelm von Ploennies bei Wikisource
Wilhelm von Ploennies in der Wikipedia
Wilhelm von Ploennies in Wikidata
GND-Nummer 111010349
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|26|310|311|Plönnies, Wilhelm von|Bernhard von Poten|ADB:Ploennies, Wilhelm von}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=111010349}}    

Plönnies: Wilhelm von P., großherzoglich hessischer Major, eine hervorragende Autorität auf dem Gebiete der Handfeuerwaffentechnik, wurde am 7. September 1828 zu Darmstadt als der Sohn eines Arztes und der Dichterin Luise von P. geboren, trat in den Infanteriedienst seines Heimathstaates, machte als Lieutenant im 2. Infanterieregiment die Feldzüge von 1848 und 1849 in Baden mit, wo er im letzteren Jahre in dem Gefechte bei Hemsbach schwer am Arme verwundet wurde, focht im October 1850 als Freiwilliger in den Reihen der Schleswig-Holsteiner vor Friedrichstadt, wurde aber durch körperliches Leiden schon 1862 gezwungen, den Militärdienst ganz zu verlassen. Gicht und Rheumatismus waren die Uebel, welche ihn für den Stand des Soldaten untauglich machten; er trug sich nun mit dem Gedanken, sich der Gottesgelahrtheit zu widmen, zu welcher sein frommer, strengkirchlicher Sinn ihn zog; ein Augenleiden verhinderte indessen die Ausführung und so blieb seine Thätigkeit hervorragend den Verbesserungen im Bereiche der Handfeuerwaffen zugewendet. Sie umfaßte von anfang an die Praxis wie die Theorie. Thatsächliche Früchte seiner Bestrebungen waren besonders eine Maschine zur Herstellung von Zündhütchen, ein Distanzmesser, Zielmaschinen, Derivationsvisire und Expansionsgeschosse, welche alle in mehr oder minderem Umfange bei deutschen und außerdeutschen Truppen zur Einführung gelangten; auf theoretischem Gebiete hat er durch eine Anzahl von Schriften gewirkt, deren Endziel die Annahme eines Hinterladungsgewehrs mit Einheitspatrone und möglichst kleinem Caliber war. Die bedeutendste derselben ist betitelt „Neue Studien über die [311] gezogene Feuerwaffe der Infanterie“ (2 Bände, Darmstadt 1862–64), mit zwei Supplementen: „Das Zündnadelgewehr“ (1865) und „Neue Hinterladungsgewehre“ (1867); den Schluß bildet die von ihm mit dem Major Weygand gemeinsam bearbeitete, nach seinem Tode (1871) erschienene Schrift „Die deutsche Gewehrfrage“, welche allgemeine Einführung der baierschen Werderwaffen empfahl. Auch nichtdeutsche Staaten suchten aus Plönnies’ Kenntnissen Nutzen zu ziehen: 1857 war er längere Zeit in Rußland, 1866 in der Schweiz thätig; für andere Staaten und für größere Fabriken arbeitete er vielfach Gutachten aus; mehrere seiner litterarischen Erzeugnisse sind in fremde Sprachen übersetzt. Daneben war er, zum Theil auf den Erwerb durch die Feder angewiesen, auf vielen anderen Gebieten militärwissenschaftlichen Schaffens schriftstellerisch thätig; die Augsburger Allgemeine Zeitung, die Cotta’sche Vierteljahrsschrift, die Darmstädter Allgemeine Militär-Zeitung, deren Redactionsausschusse er längere Zeit angehörte, der Spamer’sche Verlag (namentlich das „Buch der Erfindungen“) etc. enthalten Beiträge seiner Feder; drei nebeneinander stehende Sterne zwischen zwei liegenden Strichen waren sein Zeichen ( * * * ). In allen seinen Arbeiten tritt ein deutsch-patriotischer Sinn zu Tage, so in der Schrift „Das deutsche Wehr- und Schutzwesen“ (Darmstadt 1862), doch begegneten seine militärischen Ansichten, namentlich die in Beziehung auf Länge der Dienstzeit und auf Ausbildung in stehenden Lagern von ihm vertretenen, manchem Widerspruche. Daneben war er Dichter, sein „Leben des General von Knopf“ (2. Auflage, Darmstadt 1867) ist eine Satyre auf das Soldatenspiel der Kleinstaaterei; die „Immortellen des Schlachtfeldes“, welche dem Kriege 1870/71 ihren Ursprung verdanken, athmen wahren Dichtergeist. Andere Gedichte sind 1874, als Manuscript gedruckt, veröffentlicht, schon in ganz jungen Jahren schriftstellerte er auf germanistischem Gebiete, versuchte sich als Dramatiker etc. Gelähmt und fast erblindet starb er am 21. August 1871 zu Darmstadt.

Allgemeine Militär-Zeitung, Darmstadt 1871, Nr. 50, 51. – Zernin, Aus der Geschichte der Allgemeinen Militär-Zeitung, Darmstadt 1877.