ADB:Pfingsten, Georg Wilhelm

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Artikel „Pfingsten, Georg Wilhelm“ von Carsten Erich Carstens in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 25 (1887), S. 662–663, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Pfingsten,_Georg_Wilhelm&oldid=- (Version vom 24. November 2020, 13:10 Uhr UTC)
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Pfingsten: Georg Wilhelm P., Taubstummenlehrer. Er war geboren in der Stadt Kiel am 5. März (oder 3. Mai) 1746. Sein Vater lebte dort als Tambour. Nachdem er eine gute Schulbildung erlangt, versuchte er in verschiedener Weise sein Fortkommen in der Welt. Er war nach St. Petersburg gegangen, ohne zu erreichen, was er suchte, kehrte nach Hamburg zurück, [663] wo es ihm auch nicht gelingen wollte und etablirte sich endlich als Perückenmacher in der Stadt Lübeck, wo er sich auch verheirathete. Als nun die Perücken aus der Mode gingen, mußte er darauf Bedacht nehmen, in anderer Weise seine Familie zu ernähren und versuchte es zunächst mit Musik- und Tanzunterricht. Von Haus aus musikalisch und namentlich gewandter Trommelschläger, warf er sich mit Macht auf diese Kunst. Dies führte ihn zur Erfindung der kriegerischen Signalsprache. Nebenbei hatte er von jeher eine besondere Vorliebe für die Taubstummen und als fertiger Trommelschläger versuchte er es mit Glück, diese Kunst beim Unterricht der Taubstummen in Anwendung zu bringen. 1786 wurde ihm der erste taubstumme Zögling anvertraut und er verwandte seine ganze Kraft an die Ausbildung desselben. Dadurch zog er die Aufmerksamkeit des größeren Publicums auf sich. 1790 ward er vom Lübecker Magistrat zum Organist und Lehrer im lübeckischen Dorfe Hamberge ernannt und hat hier acht Jahre hindurch nebenbei privatim taubstumme Zöglinge ausgebildet. Die Zahl derselben stieg bis auf neun. 1799 legte er hier sein Schulamt freiwillig nieder und siedelte nach seiner Vaterstadt Kiel über, wo er mit Unterstützung der Regierung ein Taubstummeninstitut errichtete, das durch Patent vom 8. November zu einem königl. Institut erhoben wurde. Die Zahl der Zöglinge nahm immer zu und stieg bis 40. 1810 wurde die Anstalt nach der Stadt Schleswig verlegt. P. kaufte ein Haus im Friedrichsberg daselbst, das nachher Eigenthum der Regierung geworden. 1809 war als zweiter Lehrer der Cand. jur. H. Hensen ihm zugeordnet worden, der ihm später adjungirt ward, nachdem er auch sein Schwiegersohn geworden. (Später sein Nachfolger, gestorben als königl. Etatsrath, Professor und Ritter vom Danebrog am 20. Novbr. 1846.) Die Anstalt, neuerdings um ein Externat vermehrt, steht noch in Blüthe. Pfingsten’s Verdienste sind allseitig anerkannt. Er ward 1812 zum Professor ernannt, auch 1816 von der Patriotischen Gesellschaft in Altona ausgezeichnet. 1825 ward er auf sein Ansuchen pensionirt und starb am 26. Novbr. 1827. Auch als Schriftsteller in seinem Fach hat P. sich nicht unerhebliche Verdienste erworben. „Vieljährige Erfahrungen über die Gehörfehler der Taubstummen als Winke beim Galvanisiren zu gebrauchen.“ Kiel 1802. „Gehörmesser zur Untersuchung der Gehörfähigkeit galvanisirter Taubstummen in besonderer Rücksicht auf die Erlernung der artikulirten Tonsprache.“ Das. 1804. „Bemerkungen und Beobachtungen über Gehör, Gefühl, Taubheit, deren Abweichungen von einander und über einige Ursachen und Heilmittel der letztern.“ 1811. In der Zeitschrift Eunomia, Jahrg. 3 Sept. S. 215: „Ueber die Wirkungen des Galvanismus auf die Taubstummen.“ Diese Veröffentlichungen veranlaßten seine Ernennung zum correspondirenden Mitglied der galvanischen Gesellschaft in Paris. „Ueber den Zustand der Taubstummen der alten und neuen Zeit.“ Schleswig 1817. Auch gab er als Lehrmittel heraus: „Auswahl biblischer Erzählungen. Zunächst für die Zöglinge des Taubstummen-Instituts.“ Schleswig 1820–23, 2 Bde. und „Hülfsbuch für Taubstumme zum richtigen Verstehen und Unterscheiden der vieldeutigen Wörter, die aus einerlei Lauten und Buchstaben bestehen, aber sehr verschiedene Bedeutung enthalten. In alphabet. Ordnung.“ Schleswig 1825.

H. Lahde, Portraiter med Biogr. Kopenh. 1806, H. 6, S. 71 mit seinem Bildniß. – S.-H. Provinzialber. 1811, 2, S. 191. – Sach, Geschichte d. Stadt Schleswig. 1875, S. 236.