ADB:Pfaff, Adam

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Pfaff, Adam“ von Karl Oetker in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 25 (1887), S. 579–581, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Pfaff,_Adam&oldid=- (Version vom 20. Januar 2021, 11:12 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Pezzl, Johann
Band 25 (1887), S. 579–581 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Adam Pfaff in der Wikipedia
GND-Nummer 116139846
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|25|579|581|Pfaff, Adam|Karl Oetker|ADB:Pfaff, Adam}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=116139846}}    

Pfaff: Adam P., Historiker und Publicist, geboren am 1. März 1820 zu Kassel, † am 23. Januar 1886 zu Karlsruhe. Er war der älteste Sohn des Waffenschmieds Adam P. zu Kassel. Seine erste Ausbildung erhielt er in der Bürgerschule seiner Vaterstadt. Während eines mehrjährigen Krankenlagers, von dem er nach der Confirmation betroffen wurde, begann er das Studium der lateinischen und griechischen Sprache, der Geschichte u. s. w., trat nach gehobener [580] Krankheit als Expedient in den Subalterndienst des Obergerichts zu Kassel und benutzte seine freie Zeit so sorgfältig, daß er 1843 die Gymnasial-Maturitätsprüfung bestehen konnte. Auf der Universität Marburg widmete er sich den philologischen, philosophischen und geschichtlichen Studien. Anfangs 1848 bestand er die Staatsprüfung für die Lehrer an Gelehrtenschulen, in demselben Jahre wurde ihm auf Grund der Dissertation über „die staatsrechtlichen Antiquitäten des Homer“ von der Universität Marburg die philosophische Doctorwürde ertheilt. Das Jahr 1848 führte ihn, wie so viele begabte junge Männer, auf das Gebiet der Politik und des öffentlichen Lebens, dem er bis zu seinem Tode seine vollste Aufmerksamkeit und sein lebhaftestes Interesse zugewendet hat. Durch alle Phasen der Bewegungen und Kämpfe von 1848 bis 1871 gehörte er zu der nationaldeutschen Partei, die in der Ausscheidung Oesterreichs und in der Zusammenfassung und Vereinigung des übrigen Deutschlands unter preußischer Spitze die einzig mögliche Form für die Herstellung der deutschen Einheit erblickte. Diese Auffassung theilte P. in vollstem Maße und er hat das Ziel, soviel an ihm lag, in redlichster Weise erstreben helfen. Dazu gab ihm seine Stellung als Redacteur der im J. 1848 von Friedr. Oetker zu Kassel gegründeten, diesem Ziele gewidmeten Neuen Hessischen Zeitung und als diese infolge des Umsturzes der kurhessischen Verfassung von 1831 und der wüsten Bundesexecution, die 1850 über Kurhessen verhängt wurde, unterdrückt war, seine Betheiligung an der Deutschen Reichszeitung zu Braunschweig und an der nach Wiederherstellung eines leidlichen Rechtszustandes in Kurhessen um 1860 von Friedr. Oetker ins Leben gerufenen Hessischen Morgenzeitung reichliche Gelegenheit. P. mußte gleich Friedr. Oetker, dem er bis zu dessen Tode ein treuer Freund und Kampfgenosse gewesen war, Ende 1850 infolge des über das Land verhängten Kriegszustands und erhobener Anklagen sein Vaterland mit dem Exil vertauschen. Im Herbste 1851 siedelte er nach Brüssel über, wo er neben angestrengtester journalistischer und litterarischer Thätigkeit sein Werk über die deutsche Geschichte begann, von dem bereits 1852 der erste Band erscheinen konnte. Im Frühjahr 1855 wurde er als Professor der Geschichte und Geographie an das Kantonsgymnasium zu Schaffhausen berufen; er nahm, um wieder in eine feste geregelte Thätigkeit zu gelangen und eine neue Heimath zu gewinnen, den Ruf an und hat diese Professur, der 1857 auch noch die über schweizerisches Staatsrecht hinzutrat, 23 Jahre bekleidet. Wie er dieselbe bekleidet hat, wird wohl am besten durch die Thatsache bezeichnet und bezeugt, daß als er zwei auswärtige Berufungen abgelehnt hatte, die Schaffhauser Regierung durch besondere Anerkennung der ausgezeichneten Lehrerfolge und durch Verleihung des Ehrenbürgerrechts ihn auszeichnete. Auch während dieser Zeit war P. neben seinen Berufsgeschäften unausgesetzt journalistisch, und stets im Dienste jenes oben erwähnten Ziels thätig. Eine besondere Genugthuung war es ihm, als er im Frühling 1878 auf den Lehrstuhl für Geschichte und Litteraturgeschichte an der polytechnischen Hochschule zu Karlsruhe berufen wurde. Trotz 28jähriger Abwesenheit war er mit ganzer Seele ein treuer Sohn seines deutschen Vaterlandes, für das er gelitten und unausgesetzt gekämpft hatte, geblieben; er nahm den Ruf an und, nahe dem Abend seines Lebens, erreichte er die Erfüllung eines Herzenswunsches, ins Vaterland zurückkehren und ihm seine letzte Kraft widmen zu können. An Schriften hat P. hinterlassen: Die von der Universität Marburg preisgekrönte Arbeit über „die Homerischen Studien des Aristophanes“ aus 1847; die schon erwähnte Doctordissertation über „die staatsrechtlichen Antiquitäten des Homer“ aus 1848; „Das Trauerspiel in Kurhessen“; die „Deutsche Geschichte“, von der 1852 der erste und 1864 der vierte Band, der bis in die Anfänge des 30jährigen Kriegs reicht, erschienen ist, während [581] für die spätere Zeit nur theilweise das Manuscript vorliegt; „Schutzwehr gegen die Socialdemokratie in Belgien“; Bearbeitung der 21. Auflage der Entdeckung Amerikas von Campe, aus 1868; über „das Staatsrecht der alten Eidgenossenschaft bis in das 16. Jahrhundert“, aus 1870; „Reden und Thaten der grande nation“, aus 1872; „Lebensgeschichte Moser’s, Bautechnikers zu Schaffhausen“, aus 1875; „Zur Erinnerung an Friedrich Oetker“, aus 1884.