ADB:Mühlenberg, Peter

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Artikel „Mühlenberg, Peter“ von Wilhelm Stricker in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 22 (1885), S. 461–463, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:M%C3%BChlenberg,_Peter&oldid=- (Version vom 29. Juni 2022, 18:44 Uhr UTC)
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Mühlenberg: Peter M., Sohn von Heinrich Melchior, geb. zu la Trappe (Pennsylv.) den 1. Octbr. 1746, † am 1. Octbr. 1807. Er wurde von Kindheit auf zum geistlichen Stande bestimmt und seine Erziehung in diesem Sinne von seinem Vater geleitet. Da aber die Bildung auf den amerikanischen Lehranstalten nicht ausreichte, um dieses Ziel zu erreichen, so sandte sein Vater ihn mit zwei jüngeren Brüdern, Friedrich und Heinrich, im J. 1763 nach Europa. Am 27. April schifften sie sich zu Philadelphia ein, zunächst nach London, von wo Dr. Ziegenhagen die jungen Leute nach Halle dirigirte. Als nicht genügend zur Universität vorbereitet, traten sie zunächst ins Gymnasium ein. M., der ziemlich wild aufgewachsen war, fand sich nur schwer in die Ordnung der Anstalt; in Folge einer Bestrafung floh er 1764 von Halle und ließ sich bei einem hannoverschen Dragonerregiment anwerben. Ein englischer Oberst, welcher mit der Mühlenberg’schen Familie in Amerika bekannt war, erkannte ihn auf der Durchreise durch seinen Garnisonsort, suchte ihn auf und erlangte seine Entlassung, so daß M. 1766 nach Amerika zurückkehren konnte, wo sein Vater nun wieder die Leitung seiner Studien übernahm. 1768 wurde er ordinirt und am 12. Mai Hülfsprediger an der Zions- und St. Paulskirche in New-Jersey. Am 5. Febr. 1769 trat er diese Stellung an und verheirathete sich am 6. Nov. 1770. Bald erhielt M. einen Ruf, die Neubildung der schwedisch-deutschen lutherischen Gemeinden in Virginia zu übernehmen. In diesem Staat war aber die englische Kirche gesetzlich eingeführt und um den Zehnten erheben zu können, bedurfte der Geistliche der Ordination durch einen Bischof der englischen Kirche. M. legte also seine Stelle in New-Jersey nieder und schickte sich zur Reise nach England an. Er verließ Philadelphia am 2. März 1772 und langte am 10. April in Dover an. Sein Aufenthalt in London war kurz, aber bedeutungsvoll. Er wurde bereits am 23. April 1772 ordinirt und predigte am 3. Mai in der deutschen Savoykirche; er machte die Bekanntschaft[WS 1] Penn’s und versäumte nicht Garrick zu sehen. Bereits am 24. Mai verließ M. London und traf im Juli wieder in Philadelphia ein, zu einer Zeit, wo die Streitigkeiten zwischen den Colonien und dem Mutterlande bereits einen sehr gereizten Charakter angenommen hatten. Unter der deutschen Bevölkerung in Virginia, welche der Bedrückungen noch wohl eingedenk war, die sie aus der Heimath vertrieben hatten, war M. bereits von großem Einfluß nicht nur als Geistlicher und Sohn des verehrten „Vater Mühlenberg“, sondern auch als guter Jäger und Schütze, der auf seinen Streifereien mit der ganzen Bevölkerung bekannt wurde. So kam es, daß, als 1774 die Boston Port Bill zum Bruche trieb, er in der Versammlung zu Woodstock am 16. Juni zum Präsidenten gewählt wurde. Die dort wie überall gefaßten Resolutionen, sich Steuern nicht durch das englische Parlament, sondern nur durch eigene Abgeordnete auflegen zu lassen und Gewalt mit Gewalt zu vertreiben, führten zur Einführung eines Sicherheitsausschusses, dessen Präsident M. wurde; auch zur Staatsconvention, welche am 1. August zu Williamsburg zusammentrat, wurde M. als Abgeordneter gewählt, doch führte diese Versammlung, wo die gemäßigten Elemente noch einmal siegten, nicht zu dem von M. gewünschten Resultat. Erst auf der Versammlung zu Richmond am 1. März 1775 siegte Mühlenberg’s Partei; es wurde beschlossen, den Staat in Vertheidigungsstand [462] zu setzen und der königliche Statthalter, Lord Dunmore, erklärte diesen Beschluß für Hochverrath. Die Feindseligkeiten begannen, und als im December 1775 zu den vorhandenen beiden Regimentern noch 6 neue aufgestellt wurden, ernannte man M. zum Obersten des 8. Regiments, während alle anderen Obersten gediente Offiziere waren. Die virginischen Deutschen, Abr. Baumann und P. Helfenstein wurden Mühlenberg’s Oberstlieutenant und Major. Die Uebernahme des Commandos von Mühlenberg’s Seite fand unter besonderen Umständen statt. Als das Gerücht sich verbreitete, Pfarrer M. werde in Woodstock seine Abschiedspredigt halten, strömten aus der ganzen Gegend die Gemeindeglieder zusammen und bald war die einfache Dorfkirche überfüllt mit den trotzigen Gestalten der Bergbewohner aus den Grenzbezirken, so daß ein Theil der Anwesenden sich auf dem Kirchhof aufstellte. M. bestieg die Kanzel; unter dem Chorrock trug er die Uniform. Seine ergreifende Rede hatte einen politischen Schluß: „Die heilige Schrift“, rief er aus, „sagt: Alles Ding hat seine Zeit, Predigen hat seine Zeit und Beten hat seine Zeit, aber diese Zeiten sind vorüber; auch Fechten hat seine Zeit und diese Zeit ist gekommen!“ So legte er den Chorrock ab, stieg von der Kanzel und ließ vor der Kirche die Werbetrommel schlagen. Dreihundert Mann ließen sich sogleich anwerben. Dies geschah Mitte Januar 1776; am 21. März war sein Regiment marschfertig. Wir können die Thaten Mühlenberg’s und der Seinen nicht durch alle Phasen des Befreiungskrieges verfolgen. Washington hielt große Stücke auf ihn und sein „German regiment“. Bereits am 21. März 1777 wurde er vom Congreß zum Brigadegeneral und Führer des 1., 5., 9. und 13. Virginiaregiments ernannt. Die ausgezeichnete Tapferkeit und Disciplin dieser Truppen rettete am 11. September in der Schlacht bei Brandywine das amerikanische Heer vor völliger Zerstreuung. In dieser Schlacht traf M. mit den feindlichen Dragonern zusammen, in deren Reihen er gedient hatte, und unter denen sich noch manche seiner Bekannten befanden. Am 2. Novbr. 1778 wurde er Divisionsgeneral, Anfangs 1783 Generalmajor. Einige Monate nachher wurde die Armee entlassen und M. konnte nach Woodstock zurückkehren, wo er sein Eigenthum sehr vermindert vorfand. Seine Gesundheit hatte gelitten, er war ohne Stellung. Einen Antrag, wieder Geistlicher zu werden, lehnte er ab; er entschloß sich, dem Handel sich zu widmen und nach Philadelphia überzusiedeln. Als Dotation hatte er 13000 Acres Land erhalten, welche meist in Ohio lagen. Im Sommer und Herbst machte er zwei Reisen nach seinen Besitzungen. Die Briefe, welche er davon nach Hause schrieb, sind sehr interessant; er schoß Büffel an Stellen, wo heute Großstädte stehen. Die Nähe der feindlichen Indianer machte es sehr schwierig, das Land zu verpachten; doch gelang es endlich (Ende 1784) und er siedelte nun nach Philadelphia über. Nach kaum einjährigem Aufenthalt in dem Staat Pennsylvanien wurde er zu dessen Vicepräsidenten erwählt und bis 1788 wieder erwählt. Im December 1788 wurde er zum Mitglied des ersten Congresses der Vereinigten Staaten (4. März 1789–91) erwählt; sein Bruder Friedrich August M. wurde Präsident (speaker). Auch am dritten Congreß (December 1793 bis März 1795) und am sechsten (4. März 1799 bis 1801) nahm M. Theil. Am 18. Februar 1801 wurde er für Pennsylvanien in den Senat der Verein. Staaten gewählt, aber schon nach wenig Monaten legte er diese Stelle nieder. Der Präsident Jefferson ernannte M. am 30. Juni 1801 zum Supervisor of the Internal Revenue von Pennsylvanien und im Juli 1802 erhielt M. die einträgliche Stelle eines Collector des Hafens von Philadelphia. Er behielt dieselbe bis zu seinem Tode, welcher am 1. Octbr. 1807 auf seinem Landsitz bei Philadelphia eintrat. Zwei Söhne, Major Peter und Franz, Abgeordneter für Ohio, überlebten ihn. – Nach M. wurde ein County [463] in Kentucky genannt. – M. gehört zu den ausgezeichnetsten der Männer, welche in Krieg und Frieden die amerikanische Republik gegründet haben. Obgleich von fremdem Ursprung und weder den großen amerikanischen Familien, noch dem ausländischen Militäradel angehörig, hat er sich durch eigenes Verdienst hohe Militärstellungen errungen und nicht minder hat das Vertrauen seiner Mitbürger ihn zu bedeutenden Civilämtern erhoben.

Die Hauptquelle über sein Leben, das von einem Nachkommen herausgegebene Buch: The life of major-general Peter Mühlenberg of the revolutionary army, by Henry A. Muhlenberg (Philadelphia, Carey & Hart 1849, XII u. 456 S. mit seinem Bildniß) ist zugleich durch Mittheilungen aus Mühlenberg’s Correspondenz ein wichtiger Beitrag zur Geschichte des amerikanischen Befreiungskrieges.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Bekannschaft