ADB:Lips, Michael Alexander

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Artikel „Lips, Michael Alexander“ von Emanuel Leser in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 18 (1883), S. 739–741, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Lips,_Michael_Alexander&oldid=- (Version vom 8. August 2020, 06:26 Uhr UTC)
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Lips: Michael Alexander L., staatswirthschaftlicher Schriftsteller, geb. den 29. Septbr. 1779 zu Frauenaurach bei Erlangen, † am 16. April 1838 [740] zu Marlofstein. Er war der Sohn eines Cameralbeamten in baireuthischen Diensten. Er besuchte die Fürstenschule zu Neustadt an der Aich, bestand im Sommer 1797 mit Auszeichnung sein Maturitätsexamen in Ansbach und bezog dann die Universität Erlangen, wo er Theologie, Philosophie und Philologie studirte. Im Herbst 1800 ging er nach Göttingen und beschäftigte sich hier auch mit Geschichte. Im J. 1801 promovirte er in Erlangen, um sich alsbald auch daselbst zu habilitiren. Er las über geschichtliche Fächer, mitunter auch über theologische Gegenstände, später auch über Politik, Landwirthschaft und Technologie. Im Besitze eines kleinen Landgutes Marlofstein, faßte er den Plan, daselbst eine landwirthschaftliche Schule zu errichten. Aber die Zeiten waren nicht günstig, die gehoffte Unterstützung von Seiten des Staates blieb aus, und so löste er nach einem Jahre das Unternehmen auf. Jetzt wandte er sich wieder ganz der Thätigkeit in Erlangen zu und wurde 1809 zum Extraordinarius befördert, bezog aber keine Besoldung. Seine Bemühung, vom Staate eine pecuniäre Hülfe zu erlangen, führte ihn öfter nach München, und im J. 1812 beschäftigte er sich dort auch vorübergehend im praktischen Staatsdienst. Auch 1813 unterbrach er seine Lehrthätigkeit durch einen langen Aufenthalt auf seinem Gute, und 1814 veranlaßte ihn der europäische Friedenscongreß zu einer Reise nach Wien. Durch politische Broschüren, die sich auf die Friedensverhandlungen bezogen („Der allgemeine Friede“, 1813, „Der Wiener Congreß“, 1815) wurde er einflußreichen Personen bekannt und erhielt beim Wiederbeginn der Feindseligkeiten im J. 1815 die Aufforderung, der verbündeten Armee als Herausgeber einer amtlichen Kriegszeitung zu folgen. Die rasche Beendigung des Feldzuges ließ ihn nicht einmal zum Beginn der geplanten Thätigkeit kommen; aber es war ihm wenigstens Gelegenheit verschafft, einen Theil von Frankreich kennen zu lernen. Er kehrte nach Erlangen zurück, wo er zwar außerordentlicher Professor blieb, aber ein kleines Gehalt bewilligt erhielt. 1821 folgte er einer Berufung für das Fach der Staatswissenschaften an die Universität Marburg. Er las hier über die nationalökonomischen Fächer sowie über Land- und Forstwirthschaft, stellte jedoch im Sommer 1833 seine akademische Thätigkeit ein und zog sich auf sein Gut Marlofstein zurück, wo er am 16. April 1838 starb. Das Meiste, was er dem Drucke übergeben hat, besteht aus kleinen Gelegenheitsschriften von unmittelbar praktischem Interesse. Der Standpunkt, von dem aus er seine Urtheile abgab und seine Vorschläge aufstellte, ist am besten zu ersehen aus dem umfassenden Werke, das er im reiferen Alter verfaßt und 1830 unter dem Titel „Deutschlands Nationalökonomie, ein Versuch zur endlichen Lösung der Frage, wie kann Deutschland zu lohnendem Ackerbau, zu blühender Industrie und wirksamem Handel gelangen“ veröffentlicht hat. L. zeigt sich hier in politischen wie in wirthschaftlichen Fragen als einen Anhänger der liberalen Ideen. Er ist allen Ueberresten mittelalterlicher Einrichtungen, die sich erhalten haben, durchaus feindselig; er bekämpft die Vorrechte des Adels, die Feudallasten, die Geschlossenheit der Bauerngüter, das Zunftwesen und die deutschen Binnenzölle. Dagegen ist er ein Freund der modernen Wirthschaftsformen, der rationellen Landwirthschaft, des Maschinenbetriebs und wünscht für Deutschland namentlich, daß demselben vergönnt werde, sich zu einem Industriestaat zu entwickeln. Dehalb fordert er auch, obgleich ihm die allgemeine Handelsfreiheit als ein hohes Ideal erscheint, vorläufig noch Schutzzölle an den Grenzen des deutschen Gebietes, um der sich ausbildenden Industrie den heimischen Markt zu sichern. Ebenso hält er den direkten Handel mit den Colonialländern, nöthigenfalls auch durch Privilegirung von Handelscompagnien, für erstrebenswerth. Ein selbständige Auffassung des Zusammenhangs der wirthschaftlichen Erscheinungen oder eine tiefere Bekanntschaft mit den [741] Systemen der bedeutendsten Nationalökonomen ist in dem Buche nicht zu bemerken, wie denn auch in einer älteren ohnehin dürftigen Schrift von L., der „Staatswissenschaftslehre oder Encyclopädie und Methodologie der Staatswissenschaft“ (1813), namentlich die Mangelhaftigkeit der Litteraturangaben auffällt.

Fikenscher, Gelehrtengeschichte der Universität Erlangen III. 131–133; Neuer Nekrolog der Deutschen, 16. Jahrg. S. 392 ff.; Roscher, Geschichte der Nationalökonomik in Deutschland S. 992, 993.